Nur ist es leider eben auch so, dass Tropfen oder Tees, Zäpfchen oder Öle, die zu diesem Zweck verkauft werden, nicht so wirken, wie man es sich gewünscht hätte: meistens nur sehr wenig oder gar nicht oder nur zufällig. Und, dies ist der nächste Gedanke des gesunden Menschenverstandes, sie würden wirken, wenn das Weinen des Babys ganz stofflich-organisch und tatsächlich Blähungen oder Koliken als Ursache hätte.

Nach neueren Erkenntnissen geht man mittlerweile davon aus, dass es sich bei den typischen „Dreimonatskoliken“ um einen Mythos handelt. Oder dass zumindest „der Bauch an sich“ gar nicht unbedingt das Problem darstellt, sondern dass es sich um eine generelle physiologische organische Unreifesymptomatik handelt.

Ein Baby kommt, verglichen mit anderen Säugetieren, sehr unfertig auf die Welt. Im Gegensatz zu einem Zebrafohlen oder einem Kälbchen kann ein Baby viele Monate lang eigentlich noch gar nichts allein. Deshalb nennt man das erste Lebensvierteljahr eines Babys auch häufig „das vierte Schwangerschaftsdrittel“.

Babys müssen unmittelbar nach der Geburt sehr plötzlich ihre gemütliche und vertraute Umgebung aufgeben. Sie müssen selbst für ihre Nahrung sorgen, zuvor lief die Versorgung automatisch über die Nabelschnur. Sie müssen nun Milch trinken und diese dann im frisch eingeweihten Magen-Darm-Trakt erstmals verdauen. Das ist eine enorme Herausforderung für dein Baby!

Vermutlich mischen sich in die typische abendliche Unpässlichkeit und Unruhe auch ganz unterschiedliche Phänomene, ich würde sogar vermuten, dein Baby weiß manchmal selbst nicht genau, was genau los ist.

Wenn der Bauch weh tut, ist es nicht immer der Bauch, das ist noch bei Kleinkindern so. Das enterische Nervengeflecht, unser zweites Gehirn im Darm, ist hochkomplex und hängt vielfach auch mit der Neurophysiologie des „echten“ Gehirns zusammen. Und auch da ist nun nach der Geburt eine Menge los!

Babys kommen eben auch mit einem (natürlich noch) unreifen Nervensystem auf die Welt. War es in der Gebärmutter noch sehr gleichförmig, warm, nah bei Mama und bezogen auf alle Sinne recht homogen, so muss dein Baby nun auch unglaublich viele Reize verarbeiten.

Alle Sinneswahrnehmungen haben sich für dein Baby mit der Geburt vollkommen verändert. Die Geräusche sind anders, es gibt keinen „mütterlichen Klangteppich“ mehr. Es ist hell und verdammt bunt auf dieser Welt. Dein Baby liegt in seinem Bettchen und spürt dort nur die Unterlage, drumherum ist freier, „leerer Raum“. Es muss sich mit all dem vollkommen neu orientieren. All diese Reize verursachen quasi ein wildes Neuronengewitter im Gehirn deines Babys. Das Gehirn hat wirklich Siebenmeilenstiefel an in der Entwicklung der ersten Lebensmonate.

Es scheint, dass Babys, die viel weinen, damit zu Beginn ihres Lebens überfordert sind. Auch die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen und einfach einzuschlafen, wenn die Müdigkeit kommt, ist noch nicht vorhanden. Babys, die viel weinen, scheinen es grundsätzlich mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus und der Selbstregulation schwerer zu haben. Oft wachen sie schnell wieder auf, schlafen nur kurz und oberflächlich und erreichen selten den entspannenden Tiefschlaf. Das Einschlafen und Sich-selbst-Beruhigen muss das Baby erst lernen, es braucht am Anfang dazu das Verständnis um diese Dinge, die Hilfe und Unterstützung der Eltern. Ohne diese ist es noch verloren.[i]

Am ehesten gelingt das, indem du dich in die Welt deines noch ungeborenen Babys hineinversetzt und auf verschiedenen Ebenen gebärmutterähnliche Verhältnisse schaffst. Diese Welt ist ihm vertraut und macht es ihm leichter, etwas allmählicher in dieser ganz neuen Welt anzukommen.

Das hilft dir und deinem Baby

  • Herumtragen, also intensiver, naher Körperkontakt ist oft das Einzige, was hilft. Ein Tragetuch kann da entlastend sein, weil du beide Hände frei hast, um etwas zu essen, ein paar Tassen in den Geschirrspüler zu stellen oder einfach ein bisschen „herumzupuzzeln“.
  • Auch das so genannte „Pucken“, also das feste Einwickeln des Babys gibt Halt und Begrenzung und tut vielen Babys gut. Deine Hebamme kann dir zeigen, wie das geht.
  • Sehr bald hast du auch ein Gespür dafür, welche Tageszeiten besser oder schwieriger sind. Richte deinen Tagesablauf danach – dein Baby wird nicht auf deine Essens- und Schlafbedürfnisse Rücksicht nehmen kö Wenn es mal schläft: Erst essen, dann duschen. In dieser Reihenfolge. An ganz guten Tagen geht vielleicht sogar beides. Wenn du „schnell Mails checken oder staubsaugen“ davor gepackt hast, rächt sich das!
  • Sorge für eine reizarme Umgebung. Verschiebe Ausflüge zur nächsten H&M-Filiale und zu IKEA auf spä Lade sparsam Besuch ein und nur Menschen, die du wirklich gerne um dich hast.
  • Triff dich mit Freundinnen oder anderen Müttern zum Spazierengehen. Das geht am ehesten zu verabredeten Zeiten. Zu Hause oder im Café ist fast immer viel schwieriger. Coffee-to-go ist, da bin ich mir vollkommen sicher, erfunden worden für frische Mütter!
  • Sorge für Deine eigene Entlastung, damit diese auch für dich so anstrengende Phase etwas leichter wird. Es ist wichtig, dass du deine Akkus auflä Wenn du für deine Entspannung sorgst, sorgst du auch für die Entspannung deines Kindes. Also: Organisiere eine Putzfee, kaufe online ein, nimm die Angebote der Omas an (wenn das für dich eine wirkliche Entlastung ist). Eine halbe Stunde Kaffee trinken im Lieblingscafé, während die Studentin von gegenüber mit dem Kinderwagen um den Block schiebt, kann Gold wert sein!

High-Need-Babys

Es gibt Babys, bei denen geht die Bedürftigkeit und auch das Weinen über das hinaus, was „normal“ ist. Babys, die mindestens an drei Tagen der Woche mehr als drei Stunden untröstlich weinen, nennt man ein wenig despektierlich Schreibabys. In diesen Situationen findest du Hilfe in so genannten „Schreiambulanzen“, die es mittlerweile zumindest in mittleren und größeren Städten gibt. Wenn es wirklich schlimm ist, kann das eine ganz wertvolle Anlaufstelle sein, um deinen Kontakt zu deinem Kind zu stärken und die Mama-Baby-Kommunikation verständnisvoller zu gestalten.

Literatur zum Weiterlesen:
Brigitte Hannig: Schreiende Babys, ratlose Eltern, Broschüre im Eigenverlag, www.brigitte-hannig.de
Thomas Harms: Emotionelle Erste Hilfe: Bindungsförderung. Krisenintervention. Eltern-Baby-Therapie. Leutner. 2008.
[i] Mechthild Papoušek, Regulatory disorders in early childhood. Family physician counseling for crying, sleeping and feeding disorders, MMW Fortschr Med. 2005 Mar 24;147(12):32–4, 36, 38.

Erst mal für deine Entspannung: SIDS ist sehr selten, die Häufigkeit sinkt seit Jahren und lag in Deutschland im Jahr 2014 bei 0,17 Promille, es waren 119 Kinder bei über 700.000 Geburten insgesamt betroffen. Über 90 % aller Fälle ereignen sich im ersten Lebensjahr, 80 % unter einem halben Jahr. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. So gut wie alle Kinder versterben im Schlaf, die meisten in der zweiten Nachthälfte, aber auch tagsüber, im Autositz, im Tragetuch, gibt es SIDS-Fälle.

Du wirst vermutlich, wie alle Eltern (auch ich selbst), mit denen ich mich jemals über das Thema unterhalten habe, immer mal Schockmomente erleben, in denen du in einem kurzen Anflug von echter Panik nachguckst, ob dein Baby noch atmet und lebt. SIDS macht Angst. Deshalb ist es gut zu wissen, dass du auch Dinge tun oder vermeiden kannst, die das Risiko, am SIDS zu sterben, noch kleiner machen. 99 % aller gestorbenen Kinder wiesen mindestens einen dieser Riskofaktoren auf, wobei natürlich Millionen von Kindern mindestens einen Risikofaktor aufweisen und nicht sterben. Ein Risikofaktor ist keine Todesursache, das sind die Gesetze der Statistik, die man sich, ganz besonders, wenn es sich gerade ganz anders anfühlt und man vor Sorge um etwas innerlich durchdreht, immer mal wieder vor Augen halten sollte.

Risikofaktoren für SIDS

Diese Faktoren erhöhen das statistische Risiko in der vermutlichen Reihenfolge ihrer Bedeutung:

  • Passivrauchen oder Rauchen in der Schwangerschaft und in der Umgebung des Babys. Raucht die Mutter in der Schwangerschaft, ist das SIDS-Risko um das Sechsfache (bei etwa zehn Zigaretten) erhöht.
  • Schlafen in Bauchlage. Der angenommene Grund ist eine Minderversorgung der Hirngefäße bei dem in Bauchlage gedrehten Babyköpfchen. Außerdem schlafen Babys in Bauchlage besser und damit tiefer, so dass das unreife Atemzentrum das Atmen im Tiefschlaf möglicherweise „vergisst“. Auch die CO2-Rückatmungsgefahr ist höher, sowie möglicherweise auch der Dive-Reflex, der zum Luftanhalten führt, sobald Mund und Nase nicht an der Luft sind. Die Bauchlage erhöht das Risiko für SIDS gegenüber der Rückenlage um das Zwei- bis Sechsfache.
  • Nicht-Stillen. Ausschließliches Stillen in den ersten Lebensmonaten reduziert die SIDS-Häufigkeit um die Hälfte. Teilstillen hat in Bezug auf SIDS vermutlich leider keinen schützenden Effekt.
  • Überwärmung im Schlaf, so dass das Baby im Schlaf schwitzt.
  • Mangelnde Luftzirkulation im Bettchen durch zu viel „Kram“ wie Kuscheltiere oder diverse Kissen oder auch Stillkissen als Nestchen.
  • Alkoholkonsum und Drogenkonsum der Mutter. Schon „ein Gläschen“ verändert die Schlafphysiologie und vermindert die Schutzfunktion durch das leichtere Aufwachen bei stillenden Frauen.
  • Ein bereits an SIDS verstorbenes Geschwisterkind, Frühgeburten und Mehrlingskinder.
  • Sehr junge Mütter (unter 20 Jahren).
  • Schwierige psychosoziale Verhältnisse wie relative Armut und alleinerziehende Mütter

Diese Faktoren erhöhen das statistische Risiko in der vermutlichen Reihenfolge ihrer Bedeutung:

  • Passivrauchen oder Rauchen in der Schwangerschaft und in der Umgebung des Babys. Raucht die Mutter in der Schwangerschaft, ist das SIDS-Risko um das Sechsfache (bei etwa zehn Zigaretten) erhöht.
  • Schlafen in Bauchlage. Der angenommene Grund ist eine Minderversorgung der Hirngefäße bei dem in Bauchlage gedrehten Babyköpfchen. Außerdem schlafen Babys in Bauchlage besser und damit tiefer, so dass das unreife Atemzentrum das Atmen im Tiefschlaf möglicherweise „vergisst“. Auch die CO2-Rückatmungsgefahr ist höher, sowie möglicherweise auch der Dive-Reflex, der zum Luftanhalten führt, sobald Mund und Nase nicht an der Luft sind. Die Bauchlage erhöht das Risiko für SIDS gegenüber der Rückenlage um das Zwei- bis Sechsfache.
  • Nicht-Stillen. Ausschließliches Stillen in den ersten Lebensmonaten reduziert die SIDS-Häufigkeit um die Hälfte. Teilstillen hat in Bezug auf SIDS vermutlich leider keinen schützenden Effekt.
  • Überwärmung im Schlaf, so dass das Baby im Schlaf schwitzt.
  • Mangelnde Luftzirkulation im Bettchen durch zu viel „Kram“ wie Kuscheltiere oder diverse Kissen oder auch Stillkissen als Nestchen.
  • Alkoholkonsum und Drogenkonsum der Mutter. Schon „ein Gläschen“ verändert die Schlafphysiologie und vermindert die Schutzfunktion durch das leichtere Aufwachen bei stillenden Frauen.
  • Ein bereits an SIDS verstorbenes Geschwisterkind, Frühgeburten und Mehrlingskinder.
  • Sehr junge Mütter (unter 20 Jahren).
  • Schwierige psychosoziale Verhältnisse wie relative Armut und alleinerziehende Mütter

Präventionsmaßnahmen gegen SIDS

Diese Faktoren vermindern das statistische Risiko – und du kannst sie beeinflussen:

  • Lege dein Baby zum Schlafen auf den Rü Vor allem Kinder, die „ausnahmsweise“ oder zum allerersten Mal auf dem Bauch zum Schlafen gelegt werden, sind offenbar besonders gefährdet.[ii] Deshalb ist es vor allem wichtig, Babys in Wachphasen auch regelmäßig auf den Bauch zu legen, damit sie auch diese Position integrieren und ihre Reflexe und Muskeln auch in Bauchlage kennen lernen und trainieren.
  • Achte auf eine konsequent rauchfreie Umgebung für dein Baby.
  • Stille die empfohlenen fünf bis sechs Monate voll, wenn es dir möglich ist.
  • Eine Schlafzimmertemperatur von 16-18 Grad ist optimal. Achte auf atmungsaktive Naturmaterialien in der Kleidung und im Bett (das gilt auch für die Wattierung der Schlafsäcke) und auf eine feste, luftdurchlässige Matratze mit einem Spannbettlaken. Setze deinem Baby jenseits der ersten beiden Lebenswochen kein Mützchen im Schlaf auf.
  • Drapiere nicht 100 Kissen und Kuscheltiere um dein Baby. Ein „Nestchen“, welches einfach nur das Holz des Bettchens abpolstert und nicht aus dickem Kissen besteht, dürfte ebenso wenig ausmachen, wie das eine Lieblingskuscheltierchen.
  • Lasse dein Baby mindestens bis zum ersten Geburtstag in eurem Zimmer schlafen. Zum Thema Co-Sleeping, dem gemeinsamen Schlafen im Elternbett, folgt gleich unten noch ein Extra-Kapitel.
  • Achte besonders auf diese Faktoren, wenn dein Baby krank ist. Obduktionsberichte in neueren Arbeiten zeigen, dass viele Babys im Todeszeitraum einen akuten Virusinfekt aufwiesen[iii]. Auch ist bei Fieber die Überwärmungsgefahr größer als sonst.

Das sind alles die relativ einfachen und auch international unumstrittenen Faktoren. Wenn du sie beherzigst, hast du sehr viel dafür getan, dass dein Baby sicher schläft und damit das Risiko wirklich gegen null sinkt (diesen Satz bitte noch mal lesen!).

Schaut man genauer, wird es, wie so oft, noch etwas differenzierter. Zum einen: Je genauer man gestorbene Kinder untersucht, umso eher findet man auch Befunde. In den letzten Jahren sind die Methoden der Rechtsmedizin, wie man aus jedem Krimi weiß, viel besser geworden, und es werden außerdem sehr viel mehr Kinder nach einem vermuteten SIDS überhaupt untersucht. In vielen Bundesländern geschieht dies mittlerweile grundsätzlich über staatsanwaltliche Ermittlungen, in den 90er Jahren wurde nur etwa jedes zweite Baby obduziert. Und so findet man eben auch häufiger unbekannte Herzfehler, schwere Infektionen und tragischerweise auch gar nicht so selten Tötungsdelikte (in etwa 5 % der Fälle).

Dann gibt es auch so manche statistische Spielerei. In den Niederlanden werden Kinder klassischerweise über dem Schlafsack mit einer Decke zugedeckt, wovon in Deutschland ausdrücklich abgeraten wird. Die Niederlande haben gleichzeitig unter den Industrienationen die niedrigste SIDS-Quote, dreimal niedriger als Deutschland. Obwohl in Deutschland die Quote der bauchschlafenden Kinder in den letzten drei Jahren wieder auf gut 10 % (um gut ein Drittel) angestiegen ist, sinkt die SIDS-Quote weiter. Obwohl in Deutschland die Aufklärungskampagne über die Faktoren des sicheren Babyschlafes erst frühestens Mitte der 90er Jahre wirklich griffen, gab es den größten Rückgang der SIDS-Quote von 1285 Fällen im Jahr 1991 auf 751 im Jahr 1995 (bei annährend gleicher Geburtenzahl).

Ohne die Wichtigkeit der vorgenannten Faktoren auch nur ansatzweise schmälern zu wollen, ist es wichtig, sich klar zu machen, dass es nie um einen einzelnen Faktor geht, und dass im Einzelfall SIDS tatsächlich ein unfassbar tragisches und schicksalhaftes Ereignis ist.

Es gibt Babys, die schlafen nur in Bauchlage, die sind ein Frühgeborenes oder können trotz aller Bemühungen nicht voll gestillt werden. Achte dann umso mehr auf die anderen Dinge, eine Sicherheit wirst du nie im Leben für irgendetwas bekommen[iv]. Und du wirst in den nächsten Jahren immer wieder in Situationen landen, die gefährlich sein können: Dein Baby hat einen Moment lang unbeaufsichtigt mit deinem Portemonnaie gespielt und eine Münze verschluckt, es ist in der Badewanne ausgerutscht und kurz untergegluckert, du hast den Fahrradhelm im Kindergarten vergessen und dein Kind fährt ohne nach Hause. Das Leben ist voller kurzer Momente, in denen sich das Schicksal von einer Sekunde auf die andere wenden und das weitere Leben einen ganz anderen Lauf nehmen kann. Sei dir dessen bewusst – aber denke nicht allzuviel darüber nach.

SIDS und Co-Sleeping

Auch im Zusammenhang mit Co-Sleeping wurde die SIDS-Gefahr immer wieder untersucht. Wenn man sich die Arbeiten genau ansieht, wird man finden, dass Co-Sleeping allein keinen Risikofaktor darstellt, wenn die bekannten Riskofaktoren ausgeschlossen sind.[v]

Viele Studien, die das dennoch behaupten, benutzen Erhebungen aus den 80er oder 90er Jahren, in denen man noch nichts über wichtige Risikofaktoren des SIDS wusste und darüber, was beim sicheren Co-Sleeping zu beachten ist. In einer Studie in Alaska aus dem Jahr 2009[vi] zeigte sich, dass 99 % der betroffenen co-sleependen Kinder mindestens einen der SIDS-Risikofaktoren aufwiesen, wie Alkoholkonsum am Abend des Kindstodes, Rauchen, Bauchlage oder das Co-Sleeping mit einem Nicht-Elternteil.

Beim Co-Sleeping solltest du aber auf Faktoren achten, die nur beim Co-Sleeping in dieser Weise relevant sind. Achtet vor allem auf die Gefahr des Überdeckens durch euer Bettzeug. Streng genommen wäre ein überdecktes Baby kein SIDS, sondern ein Erstickungsfall, aber da es sowohl bei einer Obduktion (beide Todesarten sind auch hier tatsächlich so gut wie nicht voneinander zu unterscheiden) als auch bei der Tragik des Geschehens aufs Gleiche hinausläuft, würde ich das für die Praxis als letztlich zweitrangig einstufen. Es gibt zwar unterschiedliche Statistiken zu den beiden Diagnosen, sie dürften im Einzelfall aber sehr schwierig zu unterscheiden sein.[vii]

Euer Baby kann also in eurem Bett selbstverständlich sicher schlafen, wenn man bestimmte Grundregeln beachtet, genau so, wie sonst auch,[viii] weiter unten findest du alle wichtigen Tipps  für sicheres Co-Sleeping.

Co-Sleeping hat vermutlich auch protektive Auswirkungen auf das SIDS durch die positiven Auswirkungen auf die Schlafbiologie. Die evolutionsbiologischen Ansätze oben sind dafür die Grundlage, die Natur lässt Babys am Körper ihrer Mutter erst einmal gut (weil sicher) schlafen. Im Körperkontakt erfährt das Baby darüber hinaus im Unterbewusstsein wahrgenommene Stimuli („sensorische Regulationsstimuli“) wie Atemgeräusche und –Rhythmen der Eltern, Kontakt, Bewegung und Wärme und es entwickelt (im EEG nachweisbar) andere Schlafmuster. Co-Sleeping-Babys schlafen anders. Diese Außenstimuli fördern die leichtere Erweckbarkeit der Kinder, durch nächtliches Stillen im Co-Sleeping-Kontext wachen Babys häufiger und leichter auf. Was sich erst mal nach einem Gegenargument für ungestörte elterliche Nachtruhe anhört, ist in Wirklichkeit ein wichtiger Schutzmechanismus für die Babys. (Nebenbei bemerkt: Statistisch schlafen co-sleepende Mütter insgesamt mehr, nicht weniger. Sie wachen häufiger auf, schlafen aber auch – genau wie ihre Babys – schneller wieder ein. Genau so, wie wir auch ohne Baby über 20 mal pro Nacht aufwachen, und gleich wieder einschlummern, ohne uns insgesamt in unserer Schlafqualität beeinträchtigt zu fühlen.)

Bei allein schlafenden Babys stabilisiert sich zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat das Schlafmuster. Ausgerechnet in diesem Zeitfenster ereignen sich die meisten SIDS-Fälle, möglicherweise sind das genau die Riskofaktoren beim Alleinschlafen.

Auch eine co-sleepende Mutter schläft anders, wenn das Baby neben ihr liegt. Auch ihre Tiefschlafphasen sind verändert und synchronisieren sich gewissermaßen mit denen des Babys, so kann sie auch im Schlaf ihr Baby beschützen. Die Sorge vor dem „Überrollen“ von schweren Elternkörpern aufs wehrlose Baby ist unbegründet, zumindest, wenn das Baby auf der Seite der oxytocingetränkten Mutter liegt. Professor Saternus, ehemaliger langjähriger Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der „Gesellschaft zur Erforschung des Plötzlichen Säuglingstods, formuliert es so: „Eine Mutter überrollt ihr Kind nicht. Es sei denn, sie hat zum Beispiel Alkohol getrunken, ein Schlafmittel eingenommen oder Betäubungsmittel konsumiert. Dann ist die Mutter-Kind-Kommunikation gestört.“[ix]

Zahlen zeigen, dass erstens co-sleepende Frauen länger stillen. Stillen ist ein immens protektiver Faktor für SIDS. In der German Study of Sudden Infant Death (GeSID) von 2009 fand man, dass ausschließliches Stillen im Alter von einem Monat die SIDS-Quote halbiert.[x] Wenn nun aber eine Mutter aus Angst vor dem Familienbett zu jedem Stillen aufsteht und sich in einen Sessel setzt und dort einschläft, ist das Risiko in so einer wurschteligen Schlafsituation massiv erhöht.

Ein weiterer Faktor ist auch interessant: Unter den im Elternbett verstorbenen Kindern waren auffallend viele Kinder, die nur „ausnahmsweise“ bei ihren Eltern schliefen, etwa weil sie krank waren (Infekte scheinen sowieso ein eigener Risikofaktor zu sein[xi]) oder auch in Besuchssituationen, vor allem mit ungeeigneten Bettlagern (auf Gäste-Sofas oder Ähnlichem). Auch bei der Bauchlage ist das „Ausnahmsweise“ ein bekanntes Phänomen. Auffällig häufig berichteten Eltern weiterhin, es sei die erste Nacht gewesen, in der das Baby nicht im Zimmer der Eltern geschlafen habe[xii]. Diese „Ausnahmsweise-Situationen“ scheinen tatsächlich eine wichtige Bedeutung zu haben. Sogar die Häufung der Wochenenden, die einige Untersuchungen identifiziert haben, scheint davon zu zeugen.

Sicheres Co-Sleeping

Co-Sleeping findet in den meisten Familien statt, ob es jetzt Teil eines gewünschten Konzeptes ist (etwa im Sinne von Attachement Parenting) oder im Zuge der zunächst nicht geplanten Kapitulation vor den realistischen Gegebenheiten des Babyschlafes, weil Mama und Baby eben während des Stillens miteinander einschlafen, oder auch, weil man schlicht feststellt, dass das Baby wundersamerweise keine fünfzehn Minuten am Stück schläft, wenn es weiter als zwanzig Zentimeter von einem Elternteil entfernt liegt. Wenn man es also als Realität in den Schlafzimmern betrachtet, ist es sicher eine gute Idee, genau zu wissen, wie das gut und sicher für den Babyschlaf geht, damit möglichst wenige potentiell gefährliche „Zufallssituationen“ entstehen.

Diese Dinge ermöglichen sicheres Co-Sleeping

  • Ihr habt ein ausreichend großes Bett (zu dritt mindestens 1,60 m breit, besser größer) mit einer festen Matratze. Wasserbetten und weiche Schlafsofas sind nicht geeignet.
  • Das Baby schläft am sichersten auf der Seite der Mutter (nicht zwischen euch) und so, dass es nicht herausfallen kann (Bett an der Wand oder angebautes Beistellbettchen oder Rausfallsperre aus dem Seniorenbedarf). Alle Ritzen und Übergänge müssen sicher sein, damit das Baby nicht hineinrutschen kann.
  • Das Baby liegt ohne Kopfkissen in seinem Schlafsack auf der Bettdecke der Mutter, nicht darunter. Du kannst es auch auf ein größeres Spucktuch legen und es nach dem Stillen darauf ein Stückchen nach oben Richtung Kopfende (oder ins Beistellbettchen) ziehen, wenn du dich damit wohler fü Umbetten funktioniert meistens nicht ohne Wachwerden: Never move a sleeping baby!
  • Es liegen keine bauschigen Kissen oder andere Gegenstände in der Nähe des Babys.
  • Sichere Schlafpartner sind die Eltern des Kindes. Geschwisterkinder sollten nicht neben dem Baby schlafen, auch Babysitter oder Großeltern gelten nicht als sichere Schlafpartner für einen Sä
  • Das Baby schläft auch besser nicht neben einem rauchenden Elternteil.
  • Wenn ihr Alkohol getrunken (ein Glas reicht!), Drogen konsumiert oder Schlafmittel genommen habt, darf das Baby nicht in eurem Bett schlafen.

Quellen

[i] M.M. Vennemann, T. Bajanowski, B. Brinkmann, G. Jorch, K. Yücesan, C. Sauerland, E.A. Mitchell, Does Breastfeeding Reduce the Risk of Sudden Infant Death Syndrome? Pediatrics, March 2009, VOLUME 123 / ISSUE 3
[ii] Cote, A, Gerez T, Brouilette RT, Laplant S, Circumstances Leading to a Change to Prone Sleeping in Sudden Infant Death Syndrome Victims, Pediatrics 106(6).E86 (2000)
[iii] Bettina Michaela Zinka, Der Plötzliche Säuglingstod. Untersuchungen eigener Fälle am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig- Maximilians-Universität zu München aus den Jahren 1999 bis 2001, Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München, März 2004
[iv] Mut machende Entwicklung und dumpfe Ahnung. Bettina Salis im Gespräch mit Dr. Jan Sperhake, Rechtsmediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und seit acht Jahren Mitglied des Hamburger Bündnisses gegen den Plötzlichen Säuglingstod. Hebammenforum 2/2005, S.89-94
[v] Peter S. Blair, Peter Sidebotham, Anna Pease, Peter J. Fleming, Bed-Sharing in the Absence of Hazardous Circumstances: Is There a Risk of Sudden Infant Death Syndrome? An Analysis from Two Case-Control Studies Conducted in the UK. PLOS ONE, September 2014, Volume 9, Issue 9
[vi] Blabey MH, Gessner BD., Infant bed-sharing practices and associated risk factors among births and infant deaths in Alaska, Public Health Rep. 2009 Jul-Aug;124(4):527-34.
[vii] Jan Sperhake, Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin, Helfen und Ermitteln beim Plötzlichen Säuglingstod ein Widerspruch?, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, DHZ 01/2009
[viii] Blabey MH, Gessner BD., Infant bed-sharing practices and associated risk factors among births and infant deaths in Alaska. Public Health Rep. 2009 Jul-Aug;124(4):527-34.
[x] Vennemann MM, Bajanowski T, Brinkmann B, Jorch G, Sauerland C, Mitchell EA; GeSID Study Group, Sleep environment risk factors for sudden infant death syndrome: the German Sudden Infant Death Syndrome Study, PMID: 19336376 DOI: 10.1542/peds.2008-0505
[xi] Bettina Michaela Zinka, Der Plötzliche Säuglingstod. Untersuchungen eigener Fälle am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig- Maximilians-Universität zu München aus den Jahren 1999 bis 2001, Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München, März 2004
[xii] Interview mit Prof. Dr. Dr. Klaus-Steffen Saternus, Der Plötzliche Kindstod ist kein Erstickungstod, DHZ 03/2014

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Wenn du deine Produkte im Internet kaufst (was natürlich total in Ordnung ist), vergewissere dich der Seriosität des Herstellers. Schaue unbedingt ins Impressum, welches Unternehmen und welche Menschen dahinterstecken, und gern auch, was die Geschäftsführer noch so machen. Sind da fachlich kompetente Leute am Werk (findest du überhaupt Informationen dazu?) oder eher solche, die in erster Linie auf ein schnell skalierendes Online-Business aus sind?

Es ist relativ einfach, mit einem gewissen Invest bei den großen Verkaufsplattformen mit einem neuen Hipster-Produkt sehr schnell auf den ersten Plätzen gerankt zu werden, spezialisierte Agenturen machen den ganzen Tag nichts anderes. Ein hübsches Design, ein knackiges Storytelling dahinter, ein paar Domains mit „Informationsportalen“ gekauft, einen Online-Kurs dazu und einen großen Schwung 5-Sterne-Bewertungen – fertig ist das Geschäftsmodell.

  • Wenn du sicher sein möchtest, dass die strengen gesetzlichen Richtlinien, etwa zu Inhaltsstoffen und Dosierungen, die in Deutschland gelten, eingehalten werden, solltest du einen Hersteller wählen, der seine Ware in Deutschland produziert und aus Deutschland verschickt. Viele Produkte, die aus dem Ausland versandt werden, sind hierzulande schlicht nicht verkehrsfähig und dürfen daher gar nicht in Deutschland verkauft werden.

  • Besonders „bio“ oder „natürlich“? Kommt besonders gut an und sieht auch schicker aus auf Instagram, so ein fancy Superfood-Extrakt aus fernen Ländern. Die Dosis konkreter Vitamine aus einem Pflanzenextrakt ist für ein NEM aber schwierig umzusetzen oder sogar gar nicht erlaubt (weil natürliche Stoffe nie standardisierte Mengen eines Wirkstoffes enthalten, das aber im Rahmen der Verkehrsfähigkeit eine Rolle spielt). Vor allem geht „natürlich“ meist zulasten der Bioverfügbarkeit, weil die „aktivierten“ Verbindungen aus dem Labor weniger von den komplexen Umbauprozessen in deinem Stoffwechsel benötigen. Und man benötigt auch viel größere Mengen, etwa „8 Kapseln für den Tagesbedarf“. Wenn da „aus Gojibeerenextrakt“ steht – iss lieber die Gojibeere selbst (die heimische Blaubeere tuts auch).

  • Bioverfügbarkeit: Bestimmt ist dies das Kriterium, das du ohne fachliches Hintergrundwissen am wenigsten einschätzen kannst. Das kann man aber nicht in einem einzelnen Post erklären. Ein bisschen mehr findest du auch in diesem (älteren) Blogartikel.

  • Wirkangaben: Am liebsten würde man natürlich auf seinen Kapseln lesen, dass diese „auch richtig was bringen“ und „wofür die genau sind“. Allerdings wären das Wirkaussagen mit gesundheitlichem Bezug, und die sind in Deutschland bei NEM verboten! Die einzige Ausnahme sind die so genannten, eng definierten Healthclaims, das sind die etwas geschraubten Formulierungen wie „Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei“. Je zurückhaltender die Formulierungen sind, umso ernster nehmen die Hersteller die Gesetzeslage.

  • Der Preis: Gute Zutaten in der entsprechenden Qualität sind nicht billig, Wirkstoffe in guter Bioverfügbarkeit kosten oft ein Vielfaches (etwa CoQ10: Ubiquinol kostet mindestens das Doppelte oder Dreifache wie Ubiquinon). Dennoch fallen die Preise der unterschiedlichen Präparate extrem auseinander. Schau auf den Preis der gesamten Tagesdosis, von manchen Produkten benötigst du für die vorgesehene Tagesdosis eine, von anderen zwei oder mehr pro Tag.

  • Nur eine Pille? Wenn du dir einen individuellen Nährstoffplan zusammenstellst, landest du vermutlich bei einer Art „Baukasten“,den du dir ganz nach deinen Bedürfnissen und Gesundheitsthemen (etwa deiner Ernährungsform, deinem Alter, deiner medizinischen Vorgeschichte) individuell zusammenstellen kannst. Es wird also eher ein kleines Sammelsurium unterschiedlicher Präparate sein, zum Beispiel ein Multi, dazu Vitamin D (je nach Laborwert), Omega3 und ein Probiotikum. Es gibt diese Baukästen auch schon fertig zusammengestellt, meist sind das die qualitativ hochwertigeren Produkte, die eben auch etwas teurer sind. Auch wenn es convenient erscheinen mag: In eine einzige Pille passen die benötigten Supplemente meist schon quantitativ nicht hinein.

Welche konkreten Produkte das zum Beispiel sein können? In diesem Blogartikel findest Du ein paar Produkte, die Du Dir einfach in Deinen Warenkorb klicken kannst: Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft.

Man sagt ja, Kinder seien immer Dein unverstelltester Spiegel in vielerlei Hinsicht. Das zwingt einen natürlich permanent zur Selbstreflexion, was man gemeinhin mit Gelegenheit zum inneren Wachstum verklärt. Oder auch Gelegenheit zur inneren Verzweiflung. Sprich: Regelmäßig bin ich natürlich ratlos. Theorie-und-Praxis-Gap und so. Ich besitze ein Smartphone, ich benutze es, großteils auch durchaus gern, ich benutze es beruflich, manchmal weil ich Lust habe, manchmal natürlich auch nicht, dann ist es eine Last, die immer piepst, manchmal benutze ich es auch aus Reflex oder suchtähnlichen Verhaltensweisen. Ich liebe es und ich hasse es. Und beobachte den Umgang meiner Kinder mit eben den gemischten Gefühlen.

Weil mich dieses Thema privat gerade sehr beschäftigt, habe ich natürlich in mehreren Vorträgen (in denen es zentral eigentlich um ganz Anderes ging) zarte Hinweise auf dieses Thema in mein eigenes, das ich selbst damit gerade am Start habe, eingebaut. Man hört ja immer die Botschaften, die gerade etwas mit einem selbst zu tun haben.

Davon habe ich zu einigen Gelegenheiten erzählt, mehr im Nebensatz eigentlich, und wurde dann sehr interessiert danach gefragt, „was man (also die Experten auf dem Kongress) dazu gesagt hätte”, wo es ja um Bindung ging. Ich scheine also absolut nicht die einzige zu sein, der es so geht.

Im Falle meiner etwas größeren Kinder ist der primäre Bindungszug natürlich abgefahren, oder besser und hoffnungsvoll fomuliert: längst auf ein gutes Gleis gekommen. Zufällig habe ich die Babyzeit mit meinen eigenen Kindern tatsächlich (vor 13 und 8 Jahren) smartphonefrei verbracht, ich bin sozusagen haarscharf daran vorbeigeschrammt, und das ausschließlich als Gnade der frühen Geburt. Ich bin tendenziell dankbar darüber.

Denn das müssen wir uns im Wesentlichen bewusst machen: Es handelt sich bei allem, was wir über unsere Mediennutzung und deren Auswirkung mutmaßen, um einen irre kurzen Zeitraum, in dem wir überhaupt erst konfrontiert sind. Eine Veränderung unserer kommunikativen Interaktion mit Menschen, der unser aller Leben massiv beeinflusst. In so vielerlei Hinsicht. Gute Sachen und nicht so gute Sachen – aber eben ein massiver, ich sag hier noch mal ein anderes großes Wort: erdrutschartigen Einfluss.

Wir alle ahnen, dass wir quasi Teilnehmer einer großangelegten Langzeitstudie in Sachen Kommunikation und sozialer Interaktion sind, und das macht uns eben auch so unsicher damit. Denn kein Mensch kann uns sagen, was das auf Dauer für Konsequenzen hat. Wir können nur unseren gesunden Menschenverstand einschalten. Und dann wundern uns bestimmte Dinge natürlich überhaupt nicht.

Wir suchen also nach Expertenrat. Gibt es nicht vielleicht schon irgendwelche Studien (wir modernen Mütter glauben sehr an die Kraft von “Studien”), die uns in unserem eigenen Zweifel mal bitte sagen, was da jetzt gut ist und was nicht und was wir hysterisch übertreiben und was wir uns schönreden? Um es da schon mal kurz zu machen: Nein, in dieser Form gibt es die natürlich noch nicht. Wir sind also aufs Selber-Nachdenken angewiesen.

Katja Seide (Das gewünschte Wunschkind) erwähnte in ihrem Vortrag auf jenem Kongress (Thema: “AP jenseits der Baby- und Kleinkindphase – Gelassen durch die Jahre 5-10”) im Kontext “Kindheit heute und gestern” (u.a. mit einer spannende Grafik zu den unbeobachtete Freiräumen) die angestiegene Unfallzahl auf Spielplätzen in den letzten sechs Jahren. Wundert das irgendwen? Mich nicht. Diese komische Mischung aus Langeweile und kurzfristiger Interaktion (Ok, ich komm´ Dich gleich Anschubsen, Auffangen, Hochheben) –  natürlich verleitet das dazu, immer mal kurz aufs Händi zu gucken, schließlich hat es ja schon dreimal wieder vibriert. Oder nur mal schnell den Feed durchscrollen. Wer kennt das nicht. Wer macht das nicht, die einen natürlich mehr, die anderen weniger. Ich mache das auch, natürlich, mit einem schlechten Gewissen, manchmal, manchmal aber auch nicht.

Man könnte in diesem Konglomerat aus Aspekten so viele einzelne betrachten, ich beschränke mich mal auf zwei: Aufmerksamkeit und Blickkontakt, und ich gehe zeitlich nochmal ein Stückchen weiter zurück und verlasse den Spielplatz, ich schaue mal auf die Babyzeit.

Blickkontakt ist essentiell für die Bindungsentwicklung, immer und immer wieder, das weiß man natürlich schon lange. Man weiß schon lange, dass Kinder das Gegenüber, das Antlitz brauchen, um ihre Emotionswelt in einem Gegenüber zu spiegeln. Und feinste mimische Veränderung von Mama zu erkennen, um die Situation einzuschätzen. Deshalb mustern Babys ihr Gegenüber auf diese unendlich tiefgründige Weise. Sie sind darauf angewiesen. Mamas Lächeln zeigt: Ich bin geliebt und sicher. Und die Umgebung ist es offenbar gerade auch, kein Säbelzahntiger in Sicht. Antlitz schafft und vertieft Bindung.

Im Umkehrschluss, was also mangelnder Blickkontakt mit Babys macht – das wussten übrigens auch die Nazis, als Johanna Haarer den Müttern in ihrem Buch “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” ausdrücklich davor warnte, ihr Baby allzu verliebt anzusehen beim Stillen. Denn in der Weimarer Republik war eins ganz und gar nicht erwünscht: Bindung. Wer seine Söhne in den Krieg schicken können muss, muss such das hart erarbeiten, von Beginn an.

Für die Kinderwagenhersteller waren die Erkenntnisse der Bindungsforschung in den letzten Jahren ein wesentlicher Grund, die Babyschalen bei den meisten Modellen umdrehen zu können, so dass die Blickrichtung der Babys den Müttern zugewandt ist. Man weiß (ja, dazu gibt es Studien), dass die Interaktion von Müttern und Babies, verbal und mimisch, natürlich viel, viel ausgeprägter ist, wenn man sich sieht. Man kriegt einfach mehr voneinander mit (“na, musst Du niesen?”) und man kriegt mehr gemeinsam von der Umwelt mit (“Guck mal, der Wauwau”). Kommuniziert und interagiert mit dem Kind, übersetzt Gefühle (“Ah, das ist also niesen”), Wahrnehmungen werden bestätigt (“Ja, das ein Hund und keine Katze”).

Für mich war das 2004 der entscheidende Grund, mir einen sündteuren Bugaboo zu kaufen, damals noch total neu (das hatte also wenig mit Hipsterkram zu tun, beeile ich mich dann immer zu versichern), der hatte das und fast kein anderes Modell.

Wenn ich jetzt an spätestens jeder Fußgängerampel auf meinem Händi herumscrolle, kriege ich also weniger von meinem Baby mit und wir bekommen weniger miteinander vom Drumrum mit. Ohne Wertung und ohne Einteilung in Grade von “schlimm”: Das ist erstmal nur eine Beschreibung dessen, was da geschieht.

Thomas Harms zeigte auf diesem Kongress in der vorletzten Woche (in ganz anderem Kontext zu der von ihm aus der Reich´schen Körpertherapie entwickelten Emotionellen Ersten Hilfe ) ein ganz berühmtes Video, das berühmte Still-Face-Experiment. Schauen wir einmal, was es mit einem Baby macht, wenn Mamas Gesicht zwar weiterhin sichtbar für das Baby ist, aber plötzlich keine mimische Interaktion mit ihrem Baby zeigt:

In der ersten Phase des Experimentes erlebt das Baby seine Mutter so, wie wir intuitiv mit Babys interagieren. Wir ahmen unsere Babys nach, verändern unsere Stimmfarbe, wiederholen gewisse kleine Abschnitte und Phrasen. Gern übertreiben wir da ein bisschen. Das typische Babyduziduzi eben. Auf dass auf jeden Fall die Message beim Baby ankommt: Ich bin für Dich da. Ich sehe Dich.

Fehlt das nun plötzlich, ist das Baby zunächst irritiert. Kommt nach einigen hilflosen Versuchen noch immer kein Response, wird aus der Irritation Ängstlichkeit und Verstörung.

Und nun schauen wir uns einfach das an, was wir aus der Bindungsforschung vorangegangener Jahrzehnte wissen und übertragen es auf unsere moderne Lebenswelt „mit Händi“. Wir versetzen uns also in ein Baby, das mit einer Mama (oder mit seinem Papa) kommunizieren möchte, die oder der gerade eine wichtige Mail liest. Oder im Internet nach der bestgeranktesten Milchpumpe recherchiert. Oder eine Instastory hochlädt.

Wie nimmt ein Baby wohl das mimische Agieren der Bindungsperson wahr? Wie sieht das wohl von außen aus, wenn der Blick in dieser Weise auf ein anderes Objekt gerichtet wird, das der Erwachsene offenbar gebannt, interessiert, absorbiert (und für das Baby oft gar nicht sichtbar, das ist der Unterschied zum konzentrierten Staubsaugen oder Suppe kochen) anschaut?

Mama/ Papa bekommt erst nach einer Weile überhaupt mit, dass mein Baby irgendwas doof findet, murmelt beim ersten Herumknötern vielleicht noch etwas von “ja, gleich Schatz”, während er/ sie aber weiter aufs Händi schaut – das Baby hat gar keine Chance, zu wissen, wer wann womit gemeint ist, weil es auch sein könnte, dass ich gerade eine Sprachnachricht verschicke oder meiner Insta-Community ein herzliches “Guten Morgen” zukommen lasse. Ohne Blickkontakt – keine Botschaft, so ist das bei Babys.

Alternativ können wir es auch übertragen auf unsere Erwachsenenleben. Wir kennen es alle oder könne es uns vorstellen, wie sich das anfühlt, wenn wir miteinander am Tisch oder auf dem Sofa sitzen und das Gegenüber permanent auf unseren diversen Kanälen Nachrichten, Mails und Feeds checkt, kaum, dass man  mal eine kurze Gesprächspause riskiert. Las ich auch, ohne Quellenangabe: Ein Handy lenkt mehr ab als eine Zeitung. Unter hinter der kann man sich immerhin verstecken.

Oder wie es sich zum Beispiel für größere Kinder (etwa meine) anfühlt, wenn man zwischendurch immer mal ein „doch, doch, ich hör Dir zu“ vom Sofa murmelt. Mir gehen jedenfalls ziemlich schnell die Argumente aus, wenn ich mich dann beim nächsten Ping aus dem Teenie-Klassenchat, mitten im Gespräch, so einen Satz sagen höre wie: “Kannst Du nicht einmal das Händi liegenlassen, während ich mit Dir spreche?”.

Ein Baby kann vor allem nicht angemessen protestieren im Sinne von: „Sag mal geht´s noch, ich rede mit Dir!“ Was eigentlich – zumindest in einigen Situationen – die einzig passende Entgegnung wäre (und wie es meine Kinder tun und was der Grund für so manch handfeste Ehekrise sein dürfte).

Mehr möchte ich hier auch eigentlich gar nicht sagen oder “aus Fachsicht” dazu erklären. Weil es ganz schnell wieder in Mombashing ausartet (oder wie das heißt) und schlechtem Gewissen in unserem Muttersein. Weil es zum Beispiel auch immer eine Frage des Maßes ist. Nur stelle ich genau zur Frage des “Maßes”  fest (und suchtähnliches Verhalten zeichnet sich genau dadurch aus), dass wir auch schnell dazu neigen, unser eigenes Verhalten herunterzuspielen, zu relativieren und mit dem “machen alle/ wahlweise: so ist das halt heutzutage, schon immer hat man über “neumodische Gefahren” gewettert”-Totschlagargument wegzureden.

Geschehen ist genau das zum Beispiel überwiegend in dem Artikel in der FAZ, in dem sich die Autorin lediglich “einen Moment lang schuldig” fühlt. Ich mag den den Artikel, schmunzle wegen der nicen Beobachtungsgabe, der leisen Ironie, gute Schreibe, und finde ihn aber in dem Moment an doof, wo es auf der Ebene “Ich kann bisher bei meinen Kindern keinen Schaden feststellen” was für mich nur eine ziemlich schlichte und beängstigend unreflektierte Variante von “Hat uns auch nicht geschadet” ist. Uns allen sollte klar sein, dass wir manchmal Süchtige sind, die bisweilen vollkommen unreflektiert wie ein Pawlowsches Tier auf das „Message-Ping“ reagieren, als gäbe es kein “Später”.

In meinem Buch gibts ja auch ein kurzes Kapitel, das “Multimedia im Wochenbett” heißt. Seitens des Verlages ist deutlich kürzer und auch inhaltlich vorsichtiger ausgefallen ist, als ich das geplant hatte (gut, das ganze Buch ist um ca 100 Buchseiten kürzer ausgefallen, noch dicker wäre eben auch nicht gegangen ;P).

Mein Verlag empfand es als “inhaltlich zu kontrovers”, diese erste (deutschsprachige) größere Studie zu diesem Thema zu zitieren, deshalb fehlt sie im Quellenteil. Und das empfinde ich als eigentliches Problem daran: Es gibt Themen, die sind wohl hauptsächlich deshalb kontrovers, weil sie uns emotional betreffen. Weil wir uns in unserer Mutterqualität oder der Intensität an Mutterliebe gemessen und bewertet fühlen. Und wenn es dann Themen gibt, wo die Studienlage Konsequenzen ausmacht (gestillte Kinder haben gesundheitliche Benefits verglichen mit nicht-gestillten, Kinder, die im Kleinkindalter viel oder sehr früh – was “viel oder früh” ist, steht in der Studie – mit digitalen Medien konfrontiert sind, zeigen häufiger Auffälligkeiten im kognitiven oder sozial-interaktiven Bereich), wollen wir das, wenn wir und unsere Kinder im “Betroffenencluster” zu finden sind, irgendwie nicht so gern hören.

Und dann hält man lieber die Klappe, um auf Facebook keinen shitstorm zu riskieren.

Hier verlinke ich sie mal, die BLIKK-Studie. Es geht im Wesentlichen um größere Kinder, aber am Rand eben auch um Babys und deren Eltern. Wer keine 147 Seiten lesen möchte, findet hier dazu den Kurzbericht des Bundesgesundheitsministeriums in Gestalt der, Achtung, Drogenbeauftragten. Darin auch die Kennzahlen, die derzeit die Empfehlungen zum Medienkosum von Kindern beinhalten (empfohlene Bildschirmzeit für Kinder unter 3 Jahren: Null Minuten/ Tag, zum Beispiel).

Und weil ich Hebamme bin, die ja grundsätzlich (Klischeeschublade auf) keine Gelegenheit auslässt, mal wieder die gute alte Zeit, Waldorf und Langzeitstillen zu propagieren, lasse ich es mal dabei. Denn: Nachdenken und bewerten, was das für Euch, in Eurem Leben heißt – könnt Ihr alle selbst.

Und, Disclaimer: Ja, ich mache das auch, am Händi rumscrollen, und manchmal auch ohne Anlass und zu oft auch mitten in “Quality-Time-Momenten” mit meinen Kindern. Manchmal „muss“ ich das vielleicht auch. Manchmal muss ich aber auch nicht, und mache es trotzdem. Weil es mir Zerstreuung ist, Ablenkung, Fun. Ich bin Mensch, Mutter und unperfekt in fast allen denkbaren Dingen. Und bin im übrigen in weiten Teilen einigermaßen froh, im 21. Jahrhundert angekommen zu sein. Aber in Bezug auf mein Smartphone und den landläufigen Umgang damit meistens mit der Ahnung, dass das irgendwie oft einfach nicht gut ist. Und mit dem unbedingten Willen, Ahnungen Ernst zu nehmen und im Wissen, dass das allerbeste Argument für mehr Digital Detox im Leben vor meinen Augen stattfindet: das Leben mit meinen Aufmerksamkeit aufsaugenden Kindern.

(Fotocredit: herzlichen Dank an Okka Rohd)

Vielleicht auch, weil es erstmal einen spektakulären Versuchsaufbau beschreibt, der mit Körperflüssigkeiten zu tun hat. Auf die geweckte Neugier konnte ich also eigentlich wetten. Und sicher auch deshalb, weil es auch irgendetwas mit dem „Mikrobiom“ (der Gesamtheit aller Bakterien im und am Menschen) zu tun hat, dem heißesten Scheiß gerade in der Medizin, der spätestens seit Giulia Enders´ „Darm mit Charme“ auch  im Mainstream-Bewusstsein angekommen ist.

Vaginal Seeding ist komplex. Es offenbart in dem großen Buch namens “Was hat die Natur sich wohl dabei gedacht” viele kleine Puzzleteile, die sich auf eine Weise zusammenfügen, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommt.

Was ist Vaginal Seeding?

Vaginal Seeding heißt wörtlich übersetzt vaginale Aussaat. Esbeschreibt den Prozess, unmittelbar nach einer Kaiserschnitt-Geburt die frisch geschlüpften Babys mit den vaginalen Bakterien der eigenen Mutter in Kontakt zu bringen. Dazu wird vor dem Kaiserschnitt ein Tupfer in die Vagina gelegt, der sich dann eine Stunde mit den gesunden Vaginalkeimen besiedeln kann. Mit diesem Tupfer wird dann das Baby unmittelbar nach der Geburt vor allem im Mund, im Gesicht und an den den Händen eingerieben.

Wie kam man darauf?

Schon lange weiß man, dass Kaiserschnitt-Babys im Laufe ihres Lebens häufiger unter Allergien, allergischem Asthma, Übergewicht und verschiedenen Autoimmunerkrankungen (etwa Diabetes Typ I oder Moorbus Crohn) leiden, als die Babys, die vaginal auf die Welt gekommen sind. Man wusste nur nie genau, warum. In den letzten 10 Jahren ist die Bedeutung des Mikrobioms intensiv beforscht worden, nicht zuletzt, weil die Labordiagnostik schneller, besser und billiger geworden ist. So weiß man mittlerweile um die Wichtigkeit der Darmflora und kann auch genau differenzieren, welche Keime welche besonders tollen Eigenschaften haben. Und wie sich die Flora von gesunden und kranken Menschen unterscheiden.

Kaiserschnittbabys, das ist in diesem Zusammenhang der entscheidende Unterschied, kommen während der Geburt – wie bei einer vaginalen Geburt zwangsläufig und intensiv – nicht mit den mütterlichen Bakterien, die in der Scheide gesunderweise reichlich vorhanden sind, in Kontakt. Kurioserweise sind sowohl in der Scheide als auch in der allerersten Babydarmflora Lactobazillen die sinnvolle Stammbesetzung.

In den verschiedenen Untersuchungen hat man herausgefunden, dass Kaiserschnittbabys “ohne” Vaginal Seeding noch Jahre nach der Geburt einen anders zusammengesetzte Darmflora aufweisen, als Babys, die spontan geboren werden. Die ersten Bakterien scheinen extrem wichtig zu sein. Sie haben beim “jungfräulichen Baby” den großen Startvorteil, sie sind die ersten, die das Territorium erobern und sich etablieren können, vermutlich mit lebenslangen Folgen für die Zusammensetzung der Darmflora. Die Darmflora von Kaiserschnittbabys ähnelt tatsächlich mehr der Hautflora des Klinikpersonals als dem der eigenen Mutter.

Diese und andere spektakulären Erkenntnisse wurden mittlerweile in renommierten Fachblättern publiziert und öffnen einen ganz neuen Blick auf dieses Thema. Toll ist auch die mehrfach preisgekrönten Dokumentation Microbirth die sich der Erforschung dieser spannenden Zusammenhänge widmet.

Was sind die Risiken?

In den offiziellen Statements, ob Vaginal Seeding generell zu empfehlen sei, werden eher zurückhaltende Aussagen gemacht. Meistens heißt es, es gäbe dazu noch zu wenige Studien, die den sicheren Nutzen beweisen. Das ist richtig, die Erkenntnisse sind schlichtweg noch ziemlich neu. Richtig ist aber auch: Es gibt keine Nachteile und es gibt auch keine Risiken, auch nicht theoretisch, wenn man mal wieder den gesunden Menschenverstand bemüht. Manchmal wird das Argument vorgebracht, es sei natürlich auch ein Mikrobentransfer mit möglicherweise pathogenen Keimen, also Krankheitserregern der Mutter, möglich. Theoretisch ist das natürlich in der Sache richtig. Praktisch aber wäre das Baby eben auch durch die Scheide seiner Mutter ungefragt hindurchgerutscht, wäre es kein Kaiserschnitt geworden, ohne, dass man dann nach einem speziellen Risiko gefahndet hätte. Zudem wird in der Schwangerschaft routinemäßig ein Screening auf Syphillis, Chlamydien, B-Streptokokken, Hepatitis B und oft auch HIV durchgeführt.

Wird das Vaginal Seeding überall gemacht?

Nein. Vor allem wird es Euch ziemlich sicher kaum irgendwo aktiv angeboten, ich ergänze mal: noch. Das ist immer so mit neuen Entwicklungen, die noch nicht Eingang gefunden haben in die gängige Lehrmeinung. Das dauert ein paar Jahre, Studien, klinische Erfahrungen, und es braucht in der Zwischenzeit immer Pioniere, die an die Grundlagen dahinter glauben und unter Abwägung aller Erkenntnisse, Hypothesen und Risiken solche Entwicklungen vertreten und etablieren. Solange es also noch keine qualitymanagementbegeleitete Prozessbeschreibung gibt, die irgendwelchen haftungsrechtlich relevanten Gutachtergremien standhält, wird die offizielle Verlautbarung dazu heißen: Wir empfehlen das nicht, die Zahlen sind noch nicht hinreichend aussagekräftig abgesichert.

Selber Denken ist aber erlaubt.

(Edit am 14.11.2018: Ich habe gerade gesehen, dass es einen relativ neuen deutschsprachigen Artikel aus der Fachzeitschrift Die Hebamme auch frei im Netz zu lesen gibt, den Link dorthin findet Ihr hier.)

Ich kenne mittlerweile Berichte von Frauen, die das dann selbst in die Hand nehmen konnten, denn das geht natürlich. Möglicherweise musst Du auch unterschreiben, dass Du das Vaginal Seeding auf eigenen Wunsch, auf eigene Verantwortung (und möglicherweise gegen ärztlichen Rat) durchführen möchtest.

Manchmal ist ein Kaiserschnitt ungeplant und relativ zügig aus der Geburtssituation heraus nötig. Dann bleibt schlicht nicht genug Zeit für die Vorbereitung des Vaginal Seeding oder andere Prioritäten (etwa das Baby schnell und ohne Verzögerung auf diese Welt zu bringen) sind wichtiger.

Ich hatte einen Kaiserschnitt und wusste nichts vom Vaginal Seeding. Kann ich das irgendwie nachholen?

Ja, das kann man. Je weiter die Geburt zurückliegt, um so weniger notwendig und auch effektvoll wird das sein: Keime, die sich gut etabliert haben, werden immer wesentliche Bestandteile der Stammflora bleiben. Einen wichtigen Beitrag und – wenn man so will – eine natürliche Fortsetzung der vaginalen Bakterien für das Baby ist dann möglichst ausgiebiger Körperkontakt, und zwar unbedingt mit nackter Haut und das Stillen.

Nackte Mama- und Papa-Haut im direkten Kontakt liefert ebenfalls wichtige Hautbakterien. Beim Stillen bekommt das Baby zusätzlich eine mehrfach-täglich-Dosis nützlicher Keime, zum einen über die Haut der Mutter im Mund und auch die probiotische, also ebenfalls keimbesiedelte Muttermilch.

Du kannst Deinem Baby aber auch probiotische Tropfen oder Pulver geben, wenn Du das möchtest oder noch andere Aspekte, wie etwa eine allergisch belastete Familie oder Antibiotika während der Geburt oder der Stillzeit, hinzukommen. In diesen Probiotika sollten Bifidus- und Lactobazillus-Stämme vorhanden sein. Präparate, die für Säuglinge zugelassen sind, sind etwa Bigaia (Lactobacillus reuteri), Omni-Biotic Panda (Lactococcus lactis, Bifidobacterium lactis, Bifidobacterium bifidum) oder Lactobact Baby (Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium breve, Lactobacillus casei), es gibt weitere.

Eine konkrete Produktempfehlungen für Erwachsene, etwa Schwangere, die ihr eigenes Mikrobiom pimpen möchten (etwa bei einer Besiedelung mit B-Streptokokken oder bei einer allergischen Präisposition) wären etwa Nupure probiflor oder, wer Wert legt auf Bio-Qualität, das Edubily Probiotikum. (Werbung ungefragt, unbezahlt, kein Afffiliate).

Eine ausführliche Beschreibung für Fachpersonal oder eigeninitiative Eltern sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis und weitere Zusammenhänge rund um das menschliche Mikrobiom im Kontext Kinderkriegen (vaginale Infektionen, Frühgeburtlichkeit, B-Streptokokken, Mastitisprophylaxe) findet Ihr übrigens auch ausführlich in meinem Buch.

Diesen Artikel hat übrigens meine Tochter illustriert, mit einem sicheren Gespür dafür, was “Bagterien” alles so können. Sie lässt ausrichten: Das eine trägt eine rote Handtasche, das andere eine goldene Krone, ein weiteres schiebt einen Kinderwagen.

Ähnlich wie schon beim Thema Babyschlaf scheint zunächst die einhellige Meinung zu herrschen, wir Eltern müssten jetzt irgendetwas tun. Ein Konzept haben. Regeln einhalten, weil sonst vergurkt man sich alles von vornherein bis ins Schulalter.

Als da wären:

Ab jetzt wird alles kompliziert.

Nein. Essen ist nicht kompliziert. Sicher ist nun alles neu, und natürlich wollen wir immer gern alles richtig machen. Beim Thema Essen kann man es wirklich umdrehen: Es gibt weniges, das Du wirklich nicht tun solltest. Das kommt gleich alles. Und wenn Du diese Dinge weglässt, ergibt sich fast alles Richtige von selbst. Du brauchst also keinen Urlaub abwarten oder ein sonst wie kompliziertes Scheduling dafür aufsetzen. Fang einfach an – wenn Dein Baby bereit ist (aufmerksam beim Essen schaut, nach Essbaren grabscht, sich drehen kann, um ein paar der wichtigsten Reifezeiten kurz zu benennen) und es sich einfach irgendwann ergibt, wenn Dein Baby zwischen fünf bis sieben (vollendete) Monate alt ist.

Wir brauchen einen Plan. eine Tabelle. Irgendwas.

Nö. Die mittlerweile schon fast sprichwörtliche “Mittagsbrust”, die Du laut solcher Tabellen als erstes ersetzen solltest, ist graue Theorie, und noch nicht mal da funktioniert sie. Welche Mittagsbrust soll es denn sein? Die um 11, 12, 13 oder 14 Uhr? Starte dann, wenn es passt. Am besten dann, wenn Du auch selbst etwas isst. Denn eines der wichtigsten Kontexte in Sachen “Essen” ist das soziale, gemütliche Miteinander. Und auch das “Lernen durch Nachahmen”, welches Dein Baby permanent praktiziert. Ob das mittags, nachmittags oder abends ist: Total egal.

Beikost ersetzt die Stillmahlzeit.

Sagen wir mal so: Zumindest dauert das noch eine ganze Weile. Beikost ist nicht Muttermilchersatzkost, sondern Muttermilchergänzungskost, wie die Präposition “Bei-” ja schon vermuten lässt. Realistische Erwartungen sind da – wie so oft – hilfreich: Wenn Du zügig abstillen möchtest, gibt es sicherlich andere Lösungswege, als dann, wenn Du noch gerne stillst und nicht in den nächsten wenigen Wochen damit aufhören möchtest. Aus meiner Erfahrung auch hier: Go with the Flow. Kaum eine Mutter hat sich bereits in der Schwangerschaft vorstellen können, so lange zu stillen, wie sie es dann letztendlich tut (und im besten Fall auch genießt). Mach also keine allzu langfristigen Pläne, viele von denen wirst Du eh auch wieder über den Haufen werfen. Nichts drängelt, gar nichts.

“Richtiges Essen” und dann klappt´s auch mit dem Durchschlafen.

Unpopulär, diese “Nein” auch hier, aber ebenfalls wahr. Dass Dein Baby vermutlich genau jetzt im typischen Beikosteinstiegsalter wieder unruhiger schlafen lässt und Du bisweilen 2-stündlich (oder öfter) stillst, ist kein Zeichen für “Milch reicht nicht mehr”, sondern für eine typische Entwicklungsphase, in der sich Dein Baby immer wieder des sicheren Mama-Hafens vergewissern muss. Muttermilch ist kaloriendichter als jedes Karottenbreichen. Damit löst Du dies Thema also nicht. Sorry. Da diese Themen aber zumindest zeitlich zusammen liegen, ist das auch nochmal ein Anlass, mit Deiner Hebamme einen Termin zu verabreden und darüber zu sprechen. Auch wenn sie auch diesmal kein Patentrezept für eine easy-Lösung aus dem Hut zaubern kann.

Kinder brauchen spezielles Kinderessen.

Unpopulär, diese “Nein” auch hier, aber ebenfalls wahr. Dass Dein Baby vermutlich genau jetzt im typischen Beikosteinstiegsalter wieder unruhiger schlafen lässt und Du bisweilen 2-stündlich (oder öfter) stillst, ist kein Zeichen für “Milch reicht nicht mehr”, sondern für eine typische Entwicklungsphase, in der sich Dein Baby immer wieder des sicheren Mama-Hafens vergewissern muss. Muttermilch ist kaloriendichter als jedes Karottenbreichen. Damit löst Du dies Thema also nicht. Sorry. Da diese Themen aber zumindest zeitlich zusammen liegen, ist das auch nochmal ein Anlass, mit Deiner Hebamme einen Termin zu verabreden und darüber zu sprechen. Auch wenn sie auch diesmal kein Patentrezept für eine easy-Lösung aus dem Hut zaubern kann.

Zu diesem Thema habe ich mich anlässlich der #gesichtswurstwoche wohl hinreichend aufgeregt. Und ein bisschen das Stilmittel der “dosierten Provokation” gewählt und obiges Bild mit “Gesichtswurst für Biomuttis” untertitelt. Weil diese Trennung von “Erwachsenenessen” und “Kinderessen” per se artifiziell und kontraproduktiv ist. Und eine Spirale: Ein Kind, das einmal zuckerhaltige Tierkekse (voll bio, ist klar) gegessen hat, wird beim nächsten Schwarzbrotstückchen an dessen Stelle zurecht protestieren. Vernunft, Maß, Geduld – ist Baby´s und Kleinkind´s Sache nicht. Denn natürlich schmeckt der Keks besser als das Schwarzbrot. Denn er ist süß, und evolutionsbiologisch betrachtet ist das ganz oben auf der Atttraktivitätsskala. Schnell zugängliche Energie. Kinder mögen das, und das ist angeboren. Später aber setzt eine Konditionierung ein, und wir reagieren oft im Vorauseilenden Gehorsam: Wir kaufen Kinderjoghurt mit irgendwelchen Monstern drauf, Wurst mit Gesicht oder in Fußballform und bestellen im Restaurant “Biene Maja” (Spaghetti mit Tomatensoße) oder “Pinocchio” (Schnitzel mit Pommes). Wer das etabliert hat, mit Verlaub, zwei Jahre später: Selber Schuld.

Und, zurück zum Baby und zum Start mit dem Essen: Es gibt keinen einzigen Grund, Brei aus Gläschen zu füttern. Man startet damit nämlich gleich mit Konserven-Essen. Baby-Menü aus dem Glas ist Ravioli aus der Dose. Essen kochen mag erstmal aufwendig erscheinen, ist es, wenn Du es Down to Earth hältst, aber nicht. Und es ist vermutlich ein gelerntes Muster, das wir so gar nicht hinterfragen. Als kleinen Test empfehle ich den Eltern, die das erstmal ganz neu und ungewohnt finden, etwas anderes zu machen, als die angenommene Normalität (nämlich Gläschen), die uns die Babykostindustrie natürlich glauben machen möchte, das selbst mal zu probieren. Danach ist die Entscheidung meistens ganz leicht.

Ausnahme ist Ausnahme und Regel ist Regel.

Für einige Menschen klingt vieles jetzt möglicherweise sehr nach Dogma. Auch meine Kinder haben natürlich schon Fruchtzwerge und Kindermilchschnitte gegessen – und lieben es. Natürlich. Ist ja auch lecker. Kinder sind klug. Und können unterscheiden: Das ist die Regel – also das, was bei uns täglich auf dem Tisch steht und im Kühlschrank zu finden ist – und was ist die Ausnahme: Es gibt “Cheat-Meals”, es gibt Urlaub, es gibt Oma und Opa und es gibt Kindergeburtstage. Das reicht. Wenn nach jedem Abholen aus dem Kinderladen ab dem zweiten Geburtstag aber als erstes der Bäcker die Eisdiele angesteuert wird – darf man sich natürlich auch nicht wundern.

Man startet am besten mit Brei.

Auch dieses Konzept ist mittlerweile überholt, grundsätzlich kann man sagen, dass auch der wissenschaftliche Trend und die offiziellen Empfehlungen die “klaren Regeln” ziemlich aufgeweicht hat. Fingerfood kann eine Ergänzung oder ein “anstatt” des klassischen Babybreis sein. Die “Reine Lehre” in Sachen Fingerfood statt Brei heißt Baby Lead Weaning, Baby-geführte Entwöhnung. Das ist auch ein Extrathema, wer sich belesen möchte, dem sei das Buch Einmal breifrei bitte meiner Kollegin Eva Nagy ans Herz gelegt.

Wenn Babys kein Gemüse-Essen lernen, tun sie es nie.

Ja und nein. Es ist in jedem Fall ratsam, dem Baby und später dem Kleinkind alles das vorzusetzen, was es bei Euch eben so zu essen gibt. Trau Dich, be fancy. Algensalat oder Rheinischer Sauerbraten – und lass Dich überraschen. Dein Baby darf das alles (ja, auch schon mit acht Monaten), und Du wirst staunen, was es alles probiert und lecker findet, gerade im ersten Lebensjahr sind Babys noch ziemlich neugierig. Untersuchungen sagen, dass die meisten Kinder unvertrautes Essen annehmen, wenn sie es etwa 10 Mal probiert haben und wenn die Eltern es selbst regelmäßig essen, also mit ihrem elterlichen Vorkosterdasein zuverlässig signalisieren, dass das auch wirklich lecker ist. Das kann man auch gerne übertrieben begeistert immer wieder SAGEN. “Hm, lecker, Brokkoli!” So etwa in der Art.

Der Satz “Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt”  stimmt in der Weise, als dass Babys eben so aufwachsen, wie ihre Eltern es gestalten. Schon Deine Vorlieben in der Schwangerschaft lassen das Fruchtwasser unterschiedlich schmecken (jeder, der schon mal einen Blasensprung nach einer Spargelmahlzeit gerochen hat, weiß das, ich gehöre zu diesem ausgewählten Personenkreis), und bei der Muttermilch ist es genau so.

Das klingt erstmal ganz einfach, so als könne man Essen später im Kindergartenalter als Eltern mit dem richtigen Einfädeln beliebig steuern. Mit den obigen Maßnahmen oder schlicht Verhalten kannst Du schon ganz viel tun. Aber – wie so oft – haben Babys doch ein ordentliches Wort mitzureden. Und es gibt Babys, deren Geschmacksknospen so sensibel sind, dass sie feinste Bitterstoffe herausschmecken, etwa 20 % aller Kleinkinder gelten als so genannte Supertaster. Und bei denen kann man sich im Zweifel auf den Kopf stellen, die mögen einfach kein Gemüse, weil sie es wirklich nicht runterkriegen. Zu diesen Kindern, die oftmals tatsächlich phasenweise nur Nudeln ohne Alles essen hat der grandiose Kinderarzt, Wissenschaftler, Buchautor und Vater Herbert Renz-Polster hier einen wunderbaren Vortrag gehalten, den ich Euch gern nochmal verlinke. Unbedingt angucken, denn wichtig ist hier mal wieder die Kernaussage: Keep cool, auch diese Kinder wachsen und gedeihen – auch ohne Brokkoli.

Kaum, dass aber der Mai die ersten wirklich warmen Tage beschert, wird ein ganz anderes Thema wichtig: Sonnenschutz. Baby´s Haut ist ja so empfindlich. Und so fallen Babys und Kleinkinder dann bald schon von weithin sichtbar auf: Unter Sonnenmützen mit Nackenspoilern leuchten kleine weiße Gespenstergesichter hervor. Alle anderen Hautpartien sind von langärmliger UV-Schutzkleidung verdeckt. Ist das sinnvolle Vorsicht angesichts der gefährlichen UV-Strahlen? Oder übertrieben? Oder gar kontraproduktiv?

Um es vorwegzunehmen: Ein wichtiger Knackpunkt an dieser Stelle heißt:Vitamin-D-Synthese.

Kaum, dass aber der Mai die ersten wirklich warmen Tage beschert, wird ein ganz anderes Thema wichtig: Sonnenschutz. Baby´s Haut ist ja so empfindlich. Und so fallen Babys und Kleinkinder dann bald schon von weithin sichtbar auf: Unter Sonnenmützen mit Nackenspoilern leuchten kleine weiße Gespenstergesichter hervor. Alle anderen Hautpartien sind von langärmliger UV-Schutzkleidung verdeckt. Ist das sinnvolle Vorsicht angesichts der gefährlichen UV-Strahlen? Oder übertrieben? Oder gar kontraproduktiv?

Ab einem Sonnenschutzfaktor 15 findet die nämlich gänzlich nicht mehr statt. Kein einziges Nanogramm Vitamin D kann in der Haut gebildet werden, wenn Kinder eine adäuquaten Sonnenschutzcreme tragen, egal wie prall die Sonne dann ist.

Für die Praxis heißt das folgendes:

  • Kinder brauchen Licht und Sonne. Nicht nur das Vitamin D ist von Bedeutung, sondern auch die Botenstoffproduktion im Gehirn. Die wird von der Sonne getriggert, wie wir alle wissen: Wie wohltuend ist das Frühlingslicht nach dem langen, dunklen Winter, auch mit bisweilen dunkleren Stimmungstönen! Darüber hinaus ist die Sonne Sinnbild für Wärme, Lebensfreude, das Leben selbst. Kinder und Erwachsene brauchen Licht, Luft, Liebe – und Sonne.
  • Gleichzeitig braucht die Haut Schutz vor einem Zuviel. Ein Zuviel bedeutet: Rötung und später (also zu spät: Sonnebrand). Jeder Sonnebrand im Kindesalter sollte wirklich vermieden werden, das senkt das Hautkrebsrisko in späteren Lebensjahrzehnten deutlich.
  • Es sollte also heißen: „Sonnenbrandschutz“ und nicht „Schutz vor Sonne“. Je nach Lebensalter der Kinder bedeutet das Unterschiedliches.
  • Babys im ersten Lebensjahr sollten keine Sonnencreme auf die Haut geschmiert bekommen. Der Grund dafür ist die zarte, dünne Haut und die damit noch nicht ausgebildete Hautbarriere. Sonnenschutz in Kosmetika (sowohl mineralische, also physikalisch wirksame als auch chemische Uv-Filter) sind sehr komplex.
  • Deshalb ist es im ersten Lebensjahr besonders wichtig: Der Sonnenschutz besteht aus langer, luftiger Kleidung und einem Schattenplatz. Dabei den Kinderwagen nicht komplett zuhängen, vor allem Modelle in schickem schwarz – Achtung Wärmestau! Die pralle Mittagssonne meiden und zur Siesta nach drinnen gehen, vor allem in südlichen Ländern, am Meer und im Hochgebirge.

Between eleven and three – stay under a tree.

  • Besonders empfindlich ist das Köpfchen: Schütze es immer, immer mit einem breitkrempigen Hut, der auch den Nacken beschattet. Auch später können größere Kinder sonst durchaus auch mal einen Sonnenstich bekommen (gerade auch am Meer, wenn durch die leichte Brise und nasse Haare die Hitze der Sonne gar nicht so heiß erscheint). Für einen Sonnenstich, der sich mit Kopfweh, leichtem Fieber, manchmal auch mit Erbrechen äußert, sind die langwelligen Infrarotstrahlen der Sonne, also die Wärmestrahlung verantwortlich.
  • Ein sehr wirksamer Sonnenschutz jenseits des ersten Baby-Sommers ist: sanfte Sonnengewöhnung. An „normalen“ deutschen Sommertagen, die Dein Kind auch immer mal wieder in festen Etappen drinnen verbringt (wie etwa im Kindergarten) brauchen nur die sehr empfindlichen Hauttypen Sonnencreme. Meiner Erfahrung nach achten die ErzieherInnen wirklich höchst akribisch auf Sonnenschutz in allen Formen, suchen den Schatten und achten auf Käppis.
  • Vitamin-D-Bildung in der Haut benötigt verschiedene physikalische Bedingungen. Die Sonne muss ausreichend hoch am Himmel stehen, das bedeutet für Deutschland: Jenseits der Monate April bis September reicht der Einstrahlwinkel nicht für eine ausreichende Bildung aus, egal, wie viel wir draußen unterwegs sind. Und vor 11 und nach 16 Uhr reduziert sich die Syntheserate ebenfalls gen null ab. Es braucht also tatsächlich pralle Sonne mit ausreichend belichteter Hautfläche (also mehr als Unterarme und Gesicht). Weil das für Babys eben nicht empfehlenswert ist, gibt es folgerichtig für alle Babys über zwei Winter hinweg die offizielle Substitutionsempfehlung mit 500 IE Vitamin D am Tag.
  • Größere Kinder und Erwachsene laden – zumindest theoretisch – ihre Vitamin D-Reserven über den Sommer so weit auf, dass sie damit  immerhin über den Herbst bis Frühwinter kommen und ausreichend versorgt sind. Dafür ist aber auch regelmäßiges Sonnenbaden mit möglichst viel nackter Haut notwendig, und zwar ohne UV-Filter. Wer vor dem Verlassen der Wohnung Sonnencreme aufträgt, synthetisiert auch kein Vitamin D. Nichts. Nada. Zero. Für eine ausreichende Bildung wird ungeschützte Sonnenexposition empfohlen, und zwar die Hälfte der Eigenschutzzeit (also die Hälfte der Zeit, die es ungeschützt bräuchte, um einen Sonnenbrand zu bekommen). Mit einem halbstündigen Ganzkörper-Sonnenbad kann der Körper eines Erwachsenen (in Abhängigkeit verschiedener Faktoren) etwa 10.000 IE Vitamin D bilden.

Wie ich das selbst handhabe? Meine Kinder sind zuhause in der Stadt tatsächlich so gut wie nie eingecremt, und zwar von kleinauf an, und möglichst viel draußen. Im Kindergarten musste ich das Nicht-Cremen den ErzieherInnen gegenüber tatsächlich ziemlich offensiv verteidigen. Wenn wir an den See fahren oder auch an sehr sommerlichen Tagen einen Komplett-Tag im Park verbringen, werden sie eingecremt, am Meer und im Urlaub in südlichen Gefilden natürlich auch. Sie hatten noch nie in ihrem Leben einen Sonnenbrand. Über den Winter bekommen sie sporadisch höhere Dosen Vitamin D.


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Welche Sonnencreme ist empfehlenswert?

Die für Kinder geeignete Sonnencremes benutzen physikalische Filter. Das sind winzig kleine Partikel (aber bestenfalls groß genug, um eben keine problematischen Nano-Partikel zu sein, einige Kindersonnencremes enthalten diese!) von Zink- oder Titandioxid, die das Sonnenlicht reflektieren. Deshalb erscheinen sie nach dem Auftragen mehr oder weniger weiß auf der Haut. In der Naturkosmetikszene sind diese unterschiedlichen Filtermöglichkeiten wiederum sehr unterschiedlich bewertet, speziell Korund wird immer wieder diskutiert, da es im Rahmen der “Aluminium-Diskussion” immer wieder erwähnt wird. Eco-Cosmetic, ein Hersteller von sehr guter Kindersonnencreme (persönliche Meinung, keine Kooperation, keine beauftragte oder bezahlte Werbung) schreibt dies hier dazu. Chemische Filter sollten für Kinder möglichst gar nicht verwendet werden. Einige von ihnen (etwa Octocrylen oder Ethylhexylmethoxycinnamat)  stehen im Verdacht, hormonähnlich und allergieauslösend zu wirken, die Ergebnisse dazu  der ETH Zürich gibt es hier.

Da ich diesen Blog-Artikel nicht fortlaufend mit neuen Testergebnissen und Neuerscheinungen ergänzen kann, ist es sicher von Sommer zu Sommer noch mal eine kurze Recherche wert, wenn Dir diese Aspekte wichtig sind.

Einen aktuellen Artikel aus dem März 2018, in dem auch konkrete Produktnamen genannt werden, findest Du hier.

Eine gute und verständliche Zusammenstellung der Wirkung von Sonne und Vitamin D findet sich hier

Eines meiner Lieblingsblogs, wie schon verschiedentlich erwähnt, ist Kinder verstehen  von Herbert Renz-Polster. Der Sonne-Artikel ist ebenfalls ganz wunderbar.

Und auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt etwas zum Sonnenschutz für Kinder.

Abnabeln vollzieht sich langsam, mit Zeit und Geduld und Gespür für den richtigen Moment. Von Beginn an – und so bleibt das noch eine ganze Weile.

So, und dann? Wie wird eines Tages ein Bauchnabel daraus? Muss ich was machen, reinigen, darf ich baden? Wie lange dauert es, bis das daraus wird, was man so als Bauchnabel kennt?

Wenn dein Baby dann nach der Geburt abgenabelt wird, klemmt die Hebamme die Nabelschnur mit diesem gefrierclipähnlichen Teil, den du oben im Bild siehst, ab. Und dann wird die Nabelschnur den üblichen biologischen Prozessen nicht mehr durchbluteter Gewebe überlassen: Sie mumifiziert so vor sich hin.

Dieser Prozess dauert ein paar Tage, meistens so eine gute Woche. Die Verbindung lockert sich allmählich, der Nabel wird wackeliger und ein bisschen bräunliches Wundsekret klebt manchmal drumrum oder am Body. Meiner Erfahrung nach ist den Eltern dieser kleine Nabelrest immer ein bisschen unheimlich. Sieht komisch aus, müffelt etwas, aber genau so soll das. Machen musst du: gar nichts.

Ich bin ja grundsätzlich eher so der minimalistische Typ. In verschiedenen Lebensbereichen aus reiner Bequemlichkeit, an dieser Stelle deshalb, weil es einfach nichts braucht, damit der Nabel gut und einfach abfällt und irgendwann in den Body kullert. Vor allem braucht es keine desinfizierenden Maßnahmen, zumindest nicht außerhalb der Klinikmauern. Das führt allerhöchstens dazu, dass die gesunden Hautkeime, die für den Abfallprozess  notwendig sind, schön wegdesinfiziert werden und man damit den Nabel so, wie er ist, konserviert. Haltbar macht. Er soll, mit Verlaub, aber einfach abgammeln. So sieht es aus, wie man auf dem Bild schon erahnen kann, und so riecht es auch.

Mein persönlicher kleiner Nabelguide sieht so aus:

Abnabeln vollzieht sich langsam, mit Zeit und Geduld und Gespür für den richtigen Moment. Von Beginn an – und so bleibt das noch eine ganze Weile.

  1. Studien sagen, dass es ziemlich egal ist, was man tut. Alles oder auch nichts führt dazu, dass ein Nabel ein Nabel wird. So ist das oft in der Medizin (nur gibt man das manchmal nicht so gern zu).
  2. Selbst “Luft dran außerhalb der Windel” oder “feuchtwarm einfach mit drin” macht vermutlich keinen Unterschied. Die derzeitigen Lehrmeinungen zum Thema “Wundheilung” sind im Trend tatsächlich eher “Team feuchtwarm”. Und Pipi ist auch weniger “Iiihhh” als man so denkt.
  3. Wenn es anfängt, ein bisschen zu suppen (ist normal! gesunder Prozess!) kann man ein bisschen drumrum reinigen. Womit, ist Geschmacksache, ich nehme am liebsten einen sauberen Waschlappenzipfel mit warmen Wasser. Perfektionisten nehmen sterile 0,9%-ige Kochsalzlösung aus der Apotheke, it´s-all-so-nature-Mamas gewinnen irgendwie ein paar Tropfen Muttermilch, Hygiene-Hysteriker Desinfektionsmittel. Bis auf letzteres: Mach, wie du willst.
  4. Was auch geht: Calendula-Öl (nicht Tinktur! Die brennt!) oder ein mit Wasser angefeuchtetes Öltuch (ist eh eines meiner Lieblings-covinient-Reinigungstipps, dazu irgendwann mal später). Waschlappen, Wattepads, Kleenex, Q-Tip: auch wurscht. Ich nehme das, was da ist.
  5. Wenn der Nabel ab ist, reinigt deine Hebamme den Nabel einmal gründlich. Oft kommt auch in den nächsten Tagen immer noch etwas feuchtes Sekret – auch ganz normal! Das kannst du mit den obigen Mitteln hin und wieder vorsichtig ablösen.
  6. Der Nabelgrund sieht oft anfangs gelblich-glänzend aus. Nein, das ist kein Eiter!
  7. Manchmal bildet sich auch ein kleines Schorfkrüstchen – auch das fällt in ein paar Tagen ab, auch daran nicht herumpulen.
  8. Manchmal hat sich auch ein kleines Nabelgranulom gebildet. Das sieht aus wie ein winziges, gräuliches Blumenkohlröschen in der Mitte des Nabels. Kleine Granulome trocknen innerhalb weniger Tage weg, größere brauchen mehr Zeit und manchmal eine Prise Salz (ernsthaft, aber ob und was es braucht, sieht und entscheidet deine Hebamme).
  9. Seit 15 Jahren mindestens jedenfalls nicht benutzt: Einen Ätzstift. Hat man früher regelmäßig gemacht “Geht dann schneller, das mit dem Nabel”, heute liegt der noch in einigen Kinderarztschubladen ganz hinten rum. Nicht! Machen! Gibt nicht selten ganz, ganz böse Verätzungsverletzungen. Aua!!!
  10. Wie der Nabel dann später mal aussieht: Weiß kein Mensch und auch deine Hebamme, die manchmal zaubern kann, hat da keinen Einfluss drauf.

Das wars auch schon – mal wieder alles ganz einfach 😉

Völlig überfordert stehst Du vermutlich irgendwann bei H&M in der Babyabteilung oder – schlimmer noch! – bei Baby-Walz und fragst Dich: OmG! Braucht man das alles?

Klare Antwort: Nein! Du brauchst viel, viel weniger, als die wollen, dass Du es kaufst. Auf deren Listen ist demnach von „10-12 Bodys“ und „mindestens acht Stramplern“ die Rede. Bevor Du verstanden hast, was denn überhaupt der Unterschied zwischen beidem ist – verschaffe Dir erstmal einen Überblick.

Nachdem Du weißt, WAS man alles braucht, geht es dann ja nämlich auch noch darum: WO findet man das? Am besten natürlich – in schön? Dazu am Ende der Liste ein paar konkrete shopping-links im web.

Anziehen

Alles, was Du für Dein Baby kaufst, brauchst Du anfangs in der „Erstlingsgröße“ 50/56.

Hier schon gleich „auf Zuwachs“ zu kaufen, ist nicht ratsam. Die Sachen müssen gut sitzen, damit sie auch wärmen. Los geht´s:

Drei bis sechs Bodys, davon mindestens zwei aus Wolle/Seide und gerne mindestens zwei bis drei mit langem Arm (ja, auch im Sommer). Bodys sind anfangs praktischer als Hemdchen+Höschen. Die Druckknopfvariante ist wiederum praktischer als viele kleine Bindebändchen, aber auch das ist Geschmackssache. Anfangs trauen sich unerfahrene Eltern manchmal erst zögerlich, dem Baby etwas über den Kopf zu ziehen (was im Übrigen NICHT eine Wiederholung des „Geburtstraumas“ ist). Der Ausschnitt ist extra weit „aufkrempelbar“ gestaltet. Wie das schwuppdiwupp geht, zeigt Euch gerne Eure Hebamme.

Zwei bis vier Strampler mit Fuß, dazu eher ergänzend als alternativ (weil das Tragen im Tuch damit nicht gut funktioniert): ein Pucksäckchen.

Zwei bis vier Oberteile/Pullover mit langen Ärmeln. Aufknöpfbare Schultern erleichtern das Anziehen über den Kopf. Schlüttlis (das sind Pullis /Strickjacken, die sich schräg ganz aufknöpfen lassen) sind auch super.

Schlafanzug erst ab ca. 6 Wochen (Gr. 62/68). Vorher hat das Baby noch keinen Tag-Nacht-Rhythmus und er ist anfangs noch zu dünn und kühl. Dein Baby hat also anfangs Tag und Nacht die gleichen Sachen an. Später dann wird das „Schlafanzuganziehen“ ein Teil des Abend- und Einschlafrituals.

Zwei Paar Woll-Söckchen, ein bis zwei Strumpfhosen

Ein oder zwei Mützchen. In den ersten zwei Wochen bei kalten Händchen auch drinnen, draußen immer, auch im Hochsommer. Material je nach Jahreszeit: Im Sommer dünnere „Häubchen“ aus Baumwolle /Seide, in der ersten Winzig-Größe auch ein feines Wollhäubchen. Im Winter nur aus Wolle, für drinnen Wolle /Seide.

Eine „Ausfahrgarnitur“ (so hieß das früher) für draußen. Im Sommer z.B. eine Strickjacke, im Winter einen Fleece- oder Wolloverall. Alternativ dazu für den Kinderwagen – Sommer: eine gestrickte Baby-Wolldecke zum Einwickeln /lose zudecken. Im Tragetuch je nach Temperatur, an kühlen Tagen: Mütze, Strickjacke plus Extra-Söckchen, an Tagen über 30 Grad kann auch ein langer Body mit Söckchen und Häubchen ausreichen.

Im Sommer (also von Juni bis August) sind die Anziehsachen aus Baumwolle oder Seide, ein (langärmliger) Body aus Wolle/Seide in der Erstlingsgröße sollte aber immer dabei sein. Babys kommen aus 37 Grad warmen Bauch und können ihre Temperatur am Anfang noch nicht gut regulieren, da brauchen sie eine wärmende Hülle.

Im Winter (bei uns leider von Oktober bis März) sollten immer auch Wollsachen dabei sein: neben der Unterwäsche also: Pulli, Schlüttli, Hose (ein bekannter Hersteller – Selana – nennt seine „Salopetten“), Strickjacke, Strumphose, Socken und, der All-Time-Favourit und absolutes MUST: Ein Wollfleece-Overall für draußen. Wenn Ihr gerne kühl schlaft: Auch ein Schlafanzug aus Wollfrottee ist toll (und kuschelweich! Gibt’s zB. von Engel).

Im April /Mai und September: Die goldene Mischkalkulation, je nachdem, wie dieses Jahr so ausfällt

Schlafen

Sehr gute Erfindung: Ein Baby-Bay, das sind diese Anstellbettchen, die auf gleicher Matratzenhöhe direkt am Elternbett befestigt werden. Oder Wiege / Körbchen / Stubenwagen / Lullababy. Wenn genug Platz ist, funktioniert auch gut das „nächstgrößere“ Kinderbett, die eine Gitterseite entfernt, direkt ans Elternbett geschoben (und befestigt). Das Lattenrost lässt sich mithilfe einiger Holzdübel und einer Bohrmaschine bei den schlichten Modellen auch exakt auf Eure Matratzenhöhe umbauen.

So, und zum Thema „Familienbett“ (im Fachjargon: Co-Sleeping), schreibe ich natürlich demnächst unbedingt noch mal extra was … Vielleicht hilft schon jetzt der Gedanke, dass nicht unbedingt Ihr (Eltern) diejenigen sein werden, die entscheiden, wo das Baby schläft … und dass Co-Sleeping, richtig gemacht, auch wirklich SICHER ist!

Matratze aus festem Material, atmungsaktiv (Kokos, Rosshaar, bei Latex: Luftkanäle). Nässeschutz aus Baumwolle, nicht aus Gummi.

Babyfell geschoren, ein gefaltetes Spucktuch am Kopfende. Nicht unbedingt in den Monaten Juni, Juli, August. Gern einige Zeit vor der Geburt im Elternbett „einschlafen“, damit es nach Mama und Papa riecht (die Bio-Felle riechen anfangs wirklich sehr nach Schaf!).

Zudecke: dünne Steppdecke 80 x 80 cm aus Naturfasern, je nach Jahreszeit Baumwolle, Wolle, Seide oder Mischungen. Kein „Daunenkissen“! Oder gleich zu Beginn:

Schlafsack – spätestens ab 3.-4. Monat, erst dann beginnt das Baby sich zu drehen und sich evtl. „unter die Decke zu wühlen“.

Kein Kopfkissen im ersten Lebensjahr!

Spieluhr. Suche Dir eine Melodie aus, die Du auch gefühlte zwei Stunden am Stück hören magst. Empfindliche Babys wachen vom „Krrrchhhht“ der Aufziehschnur, gerade eingenickt, wieder auf … da hilft nur die Endlosschleife von der App. In der Schwangerschaft die Spieluhr nicht auf den Bauch legen, sondern daneben. Sonst wird es dem Baby ziemlich laut …

Wickeln

Wickelkommode. Muss keine ausgewiesene „Wickelkommode“ sein, MALM oder die Waschmaschine mit einem Aufsatz tut es auch.

Wärmestrahler. Ja, immer immer immer. Glauben die Leute einem nicht, ist aber so. Kriegt man bei Ebay-Kleinanzeigen für 10 Euro.

Abwaschbare Wickelauflage, darauf Molton- oder Handtücher (circa acht Stück).

Acht bis zehn kleine Mull-Waschlappen, Waschschüssel. Für den täglichen Bedarf sind Feuchttücher nicht geeignet (zu viele Zusatzstoffe), Öltücher enthalten immerhin keine Konservierungs- und Anti-Schimmelmittel, diese zum Reinigen nass machen, damit auch Wasserlösliches abgewischt werden kann (nicht nur Fettlösliches).

Windeln in der kleinsten Größe („newborn“) oder entsprechend Stoffwindeln (20 St. plus 2-3 Woll-Überhosen).

Windeleimer mit Deckel. Es reicht ein schlichter Treteimer, „Windeltwister“ etc. sind eher schnickschnack (und sehr teuer im Verbrauch!)

Waschen, Baden, Pflegen

Babybadewanne. Badeeimer finde ich persönlich unpraktisch (man hat keine Hand frei zum Waschen) und sie irritieren Babys oft durch das Auslösen des Abstoßreflexes. Eine Wäschewanne tut es auch, schön ist auch ein gemeinsames Bad zusammen mit dem Baby in der großen Badewanne! Keine „Inlays“, in der Babywanne, die das Halten erleichtern sollen (dafür gibt’s bestimmt auch einen Fachbegriff), die stören nur. Deine Hebamme badet das Baby beim allerersten Mal mit Euch gemeinsam und zeigt Euch, wie man das Baby sicher hält. Babys werden etwa einmal pro Woche gebadet, alle zwei Tage (vor allem in den Hautfalten) mit klarem warmen Wasser gewaschen.

Badethermometer. 37 Grad „nach Gefühl“ ist anfangs genauso wenig verlässlich wie das Frühstücksei.

Pflegeprodukte: erstmal nix. Wasser, Luft, Licht, Muttermilch. Prophylaktisches Eincremen, wo auch immer, ist nicht notwendig. Eine zinkhaltige Creme bei Wundsein, eine reiskorngroße Menge reicht, also lieber eine kleine, hochwertige Tube kaufen.

Nach dem Baden kann man das Baby mit wenigen Tropfen eines hochwertigen Öls einstreicheln (reines Pflanzenöl! z.B. Sesam- oder Mandelöl, hochwertige Baby-Biokosmetik). Im Winter unter 0[Symbol] C ist eine fette Creme fürs Gesicht als Kälteschutz (Wind-und-Wetter-Creme) wichtig, im (zweiten) Sommer, wenn die Kinder krabbeln oder laufen, eine Baby-Sonnencreme.

Nagelschere mit abgerundeter Spitze. Und erst ab der vierten Woche Nägel schneiden, vorher ist nur pulen und feilen erlaubt.

sonst noch

Tragetuch. Ca. 5 m lang (!). Es gibt verschiedene Firmen und Stoffqualitäten, selber einmal fühlen ist sinnvoll. Alternativen sind die so gennaten Comfort-Tragen: ErgoCarrier oder Manduca kriegen gute Kritiken sowohl von den Anwendern als auch von den Orthopäden, der Marsupi gefällt auch vielen (der hat breite Klettverschlüsse, Achtung Seidenblusen und Achtung, laut bei schlafenden Babys!). BabyBjörn eher nicht!

3-4 Paar Stilleinlagen. Es gibt sie für den Einmalgebrauch, die sind dünn und diskret und funktionieren auch im Sommer unterm T-Shirt, sind aber nicht besonders atmungsaktiv und kleben gerne an der Haut fest. Die Hölle also in den ersten beiden Wochen bei wunden Brustwarzen! Für zu Hause und die erste Zeit also lieber welche aus Stoff. Es gibt sie in verschiedenen Varianten, aus Molton oder aus Wolle/Seide extrafein.

Evtl. ein Stillkissen. Kleine, feste sind meistens praktischer als die großen, rascheligen mit Polystyrolkügelchen. Hirse- oder Dinkelspelz ist recht schwer, staubt und ist nicht waschbar. Ungefähr nach vier Tagen spuckt das Baby eine Magenladung Muttermilch direkt darüber – also eher mäßig geeignet.

Babywärmflasche oder Kirschkernkissen.

Wenn überhaupt Schnuller, dann die symmetrischen, flachen (zB. von MAM). Am besten keine Schnuller in den ersten vier Wochen. Danach: Geschmacks- und Bedarfsfrage. Alle Fachbereiche, die irgendwas mit Mund zu tun haben (Kieferorthopäden, Logopäden, Zahnärzte) raten grundsätzlich davon ab.

Zehn „Spucktücher“ (Mullwindeln oder Stoffservietten), die lassen sich prima über jede Sofalehne drapieren (das ist zwar nicht schön, aber sehr praktisch. Man braucht IMMER eines in Griffnähe), acht Handtücher oder Moltontücher zum Unterlegen beim häufigen Nackig-Sein mit dem Baby im Bett, auf dem Boden …

Babyautositz als einzig sichere Transportform im Auto, vorher Gurtlänge checken und ggf. Airbag deaktivieren (lassen).

… und was nicht. (oder eher später)

Flaschen, Sauger, Wärmer für Frauen, die stillen möchten. Später evtl. zum Füttern abgepumpter Milch. Gestillte Babies brauchen keinen Tee, auch nicht im Sommer.

Sterilisiergerät. Desinfektionsmittel für Hände, Klobrillen, Wäsche, was auch immer.

Elektrisches Fieberthermometer zum Messen im Ohr oder auf der Stirn: für Babies viel zu ungenau. Ein schlichtes digitales für den Po ist gut.

Wipper. Orthopädisch wie psychomotorisch nicht so besonders toll. Ermöglicht aber ab ca. dem 3.-4. Monat kurze Baby-zufrieden-Pausen, wenn Dein Baby zugucken kann bei dem, was Du gerade tust. Bei Tätigkeiten, in denen Tragen oder Krabbeldecke nicht (oder nicht gut) geht (Kochen z.B. oder Duschen). Also dosiert einsetzen.

Vaseline und Co: hat auf der Babyhaut nix zu suchen, gleiches gilt für Paraffinöle (herkömmliches Babyöl) und –fette, Melkfett, etc.