Geburtsvorbereitung online

Inmitten des ganzen Pandemie-Shizzle braucht Ihr natürlich Geburtsvorbereitung, vielleicht mehr denn je! Ich habe einen Video-Kurs für Euch mit allen Inhalten, die ein guter Kurs braucht. 12 Stunden lang, ein Stream in übersichtlichen Kapitel-Häppchen zum bingen oder snacken, alles bei Euch auf dem heimischen Sofa, nach Eurer Zeiteinteilung, bequem, easy und evidenzbasiert. Hier findest Du mehr Infos & kannst Dich anmelden.

Online Geburtsvorbereitung
mit  Hebamme
Kareen Dannhauer

Podcast

Der Hebammen-Salon 

– ein Podcast mit
Kareen Dannhauer
& Sissi Rasche

Jeden Montag treffen sich Kareen und Sissi auf ihrem flauschigen Sofa im Hebammensalon und reden Klartext über alle Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit. Insgesamt über 40 Jahre Hebammenerfahrung, zusammen 5 eigene Kinder und viele tausend betreute Frauen – alles pures Gold und nur für Euch.

Corona – und nun?

Wie kannst Du, schwanger oder nicht, Dein Immunsystem wirklich sinnvoll unterstützen? Hilft Vitamin D und wenn ja wieviel? Zink? Vitamin C? Und: Der Test ist positiv – oh shit. Und jetzt? Wann sollte ich doch lieber ins Krankenhaus fahren? Hier geht es zum ausführlichen Blogartikel.

Was ist ein Corona-Schnelltest?

Wie der Name schon sagt: Ein Antigen-Test ist schnell, da er direkt vor Ort am “Point of Care” innerhalb von 15-20 Minuten ein aktuelles und verwertbares Ergebnis über das Vorliegen einer akuten Infektion liefert. Der Antigen-Test kommt ohne logistisches Drumherum aus und ohne, dass ein Labor dafür notwendig ist. Anders als die PCR (polimerase chain reaction) detektiert ein Antigen-Test nicht direkte DNA(-Stücke) des Virus, sondern virale Proteine. Ein Test ist dann positiv, wenn das Virus im Abstrichmaterial vorhanden ist, also eine akute Infektion vorliegt, unabhängig davon, ob Symptome vorhanden sind oder nicht.

Wie genau ist ein Schnelltest?

Über diesen Punkt wird in den Weiten des Laien-Internets am meisten herumspekuliert und dabei einige Halbwahrheiten in einen Topf geworfen und falsche Schlüsse daraus abgeleitet. Ein Antigen-Test gilt als weniger genau als eine PCR. Das ist labortheoretisch korrekt, es macht ihn aber nicht weniger wertvoll, da er für völlig andere Zwecke eingesetzt wird (und dafür eine Reihe ganz anderer Vorteile hat) und es um mathematische Größen geht, die ich weiter unten noch genauer am konkreten Beispiel aufdröseln werde.

Ein Antigen-Schnelltest dient grundsätzlich gewissermaßen der Vortestung primär erst mal nicht infektionsverdächtiger Personen. Er eignet sich daher für schnelle Massentestungen. Für dieses erste “Sieb” ohne primären Infektionsverdacht sind “etwas gröbere Maschen” absolut hinnehmbar. Ähnlich wie bei anderen Phänomenen der “großen Zahlen”, denen wir auch an anderen Stellen in der Pandemie begegnen, dürfen wir uns Unschärfen leisten: Weder ist es notwendig, dass sich ALLE Menschen an ALLE vernünftigen infektionsvermeidenden Regeln halten, noch braucht es für die viel herbeibeschworene Herdenimmunität eine 100 (oder nicht mal 80) -prozentige Durchseuchung. Konkret: Wenn die Wahrscheinlichkeit sowieso gering ist, dass die getestete Person positiv ist (da keine Symptome vorhanden und auch kein infektionsverdächtiger Kontakt stattgefunden hat), ist das Restrisiko, dass sehr selten ein positiver Mensch “übersehen” wird, sehr sehr gering! Wie gering am Rechenbeispiel gleich unten.

Wie genau ist ein Schnelltest?

Über diesen Punkt wird in den Weiten des Laien-Internets am meisten herumspekuliert und dabei einige Halbwahrheiten in einen Topf geworfen und falsche Schlüsse daraus abgeleitet. Ein Antigen-Test gilt als weniger genau als eine PCR. Das ist labortheoretisch korrekt, es macht ihn aber nicht weniger wertvoll, da er für völlig andere Zwecke eingesetzt wird (und dafür eine Reihe ganz anderer Vorteile hat) und es um mathematische Größen geht, die ich weiter unten noch genauer am konkreten Beispiel aufdröseln werde.

Ein Antigen-Schnelltest dient grundsätzlich gewissermaßen der Vortestung primär erst mal nicht infektionsverdächtiger Personen. Er eignet sich daher für schnelle Massentestungen. Für dieses erste “Sieb” ohne primären Infektionsverdacht sind “etwas gröbere Maschen” absolut hinnehmbar. Ähnlich wie bei anderen Phänomenen der “großen Zahlen”, denen wir auch an anderen Stellen in der Pandemie begegnen, dürfen wir uns Unschärfen leisten: Weder ist es notwendig, dass sich ALLE Menschen an ALLE vernünftigen infektionsvermeidenden Regeln halten, noch braucht es für die viel herbeibeschworene Herdenimmunität eine 100 (oder nicht mal 80) -prozentige Durchseuchung. Konkret: Wenn die Wahrscheinlichkeit sowieso gering ist, dass die getestete Person positiv ist (da keine Symptome vorhanden und auch kein infektionsverdächtiger Kontakt stattgefunden hat), ist das Restrisiko, dass sehr selten ein positiver Mensch “übersehen” wird, sehr sehr gering! Wie gering am Rechenbeispiel gleich unten.

Spezifität und Sensitivität

Auch diese Begriffe sind mittlerweile schon ins Allgemeinverständnis durchgesickert, aber nochmal der Vollständigkeit halber: Die Spezifität eines Tests sagt etwas darüber, wieviele Nicht-Infizierte auch korrekt als negativ angezeigt werden. Die Sensitivität eines Tests sagt aus, wieviele Positivproben korrekt detektiert werden, wieviele tatsächlich Positive also als solche erkannt werden. Der von mir verwandte zertifizierte Test ist der Abbott Panbio Covid-19 Ag Rapid Test. Ermittelt mit einer FDA-EUA Rt-PCR Referenzmethode liegt die Spezifität bei diesem Test bei 99,4%, die Sensitivät bei 93,9-98,2% (abhängig von der Viruslast, s. Schwellenwert und CT-Wert gleich unten), die Kreuzreaktivität für 20 humane Viren wurde ausgeschlossen. Der Test reagiert also nicht “versehentlich positiv”, wenn eines der anderen (harmlosen Erkältungs-) Coronaviren, Adeno- oder Influenzaviren im Abstrich vorhanden wären.

[edit 11. Februar 2021: Anwendungszahlen zeigen mittlerweile, dass die Sensitivität bei asymptomatischen Personen (die meistens präsymptomatisch sind) deutlich niedriger ist, als in der Rechnung angenommen. Sie liegt – je nach Literatur – eher um die 70-80%, sehr abhängig vom exakten Zeitfenster des Tests (sehr steiler Anstieg der Viruslast in den Stunden vor Symptombeginn). Das verändert natürlich die Berechnung unten im Rechenbeispiel, ändert aber überhaupt nichts an der Grundsätzlichkeit, vor allem, weil “kein Test” fast immer die Alternative ist zum Test.]

Schwellenwerte …

Ein wichtiges Detail in der Frage der Nachweisbarkeitsgrenzen ist der so genannte CT-Wert (threshold cycle) in einer Probe. In der PCR wird damit eine Quantifizierung der DNA-Moleküle vorgenommen, man misst also gleichzeitig auch die Virusmenge. Eine PCR ist also entgegen missverständlicher Behauptungen nicht einfach “positiv oder negativ, egal wie viel Virus drin ist”. In der SARS-CoV-2-Diagnostik wird häufig ein cut-off-CT-Wert von 30 bis etwa 33 genannt. Oberhalb dieser Grenze ist die Viruslast immerhin so gering, dass sie nach heutigem Wissen mit einem Verlust der Anzüchtbarkeit einhergeht und sehr wahrscheinlich auch in etwa die Grenze der Infektiosität darstellt. Das macht bei einer PCR der Laborarzt, es ist seine Aufgabe, den Test auszuwerten, zu interpretieren und zu befunden.

100% sicher?

Nein, 100% sicher ist so ungefähr gar nichts. Ich beantworte diese Fragen anhand der konkreten Situation eines Geburtsvorbereitungskurses an einem Wochenende in Berlin-Mitte. Es geht mir darum, unter den derzeit herrschenden Bedingungen ein Kurs-Setting für Euch herzustellen, in dem Ihr Euch so sicher fühlen könnt, dass der Kurs zu einem guten Gefühl beiträgt und dass das Risko, dass mein Kurs zu einem Superspreader-Event wird (wie zuletzt hauptsächlich private Feiern) so gering ist wie möglich.

Rechenbeispiel.

Um eine Zahl vor Augen zu haben, wie unwahrscheinlich es ist, dass in einem Kurs mit 12 Teilnehmer*innen ein viruspositiver Mensch sitzt – mit und ohne Test – rechnen wir doch einfach mal. Ich bin keine Epidemiologin, daher könnte sich der eine oder andere statistische Fehler einschleichen, wer es besser weiß, schreibt mir gern eine Mail.

In Berlin gibt es (Stand 5.10.2020) 2.146 aktive – bekannte – Coronafälle. Die nehmen aber vermutlich ihre Isolation Ernst und laufen gerade nicht draußen herum. Gehen wir bei einer derzeitigen Testpositivenquote von ungefähr 1% von einer relativ geringen Dunkelziffer unerkannter Coronafälle aus, nehmen wir einmal – großzügig gerechnet bei einem derzeitigen R-Wert von 1,1 und 40 Neuansteckungen pro 100.000/ 7 Tage – 3mal so viele Coronapositive, die unerkannt in der Stadt unterwegs sind. Also rund 6.500 potentielle Coronaüberträger (Achtung, spekulative Zahl). Wie hoch die Zahl derer ist, die davon asymptomatisch (Bedingung für die Kursteilnahme), aber ansteckend sind, ist ebenfalls eine Unbekannte. Rechnen wir einmal mit 30 % (ebenfalls großzügig) komplett asymptomatischer Verläufe. Diese Zahl ist vermutlich deutlich geringer, wir müssen ja aber noch die präsymptomatischen hinzuzählen, also vielleicht morgen oder übermorgen Erkrankte (aber jetzt schon Ansteckende). Mit all diesen Variablen rechnen wir mal mit etwa 2.000 asymptomatischen Menschen in freier Wildbahn in Berlin, potentiellen Kursteilnehmer*innen. Alle diese Variablen sind unklar, sie können auch genau so gut doppelt- oder halb so groß sein. Aber nach Stand der Dinge: Nehmen wir die mal an.

Diese Annahmen ergeben bei 3,8 Millionen Einwohnern: 3,8 Mio : 2.000 Infizierte mal 12 (Teilnehmer*innenzahl) ein Hintergrundrisiko, dass ein Mensch im Kurs dabei ist, der positiv ist, von 1:900/ 12, also 1:75. Wie ansteckend dieser Mensch ist, ist wiederum fraglich, aber das ist jetzt mal unsere Ausgangszahl: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein coronapositiver Mensch im Kurs sitzt, liegt mit diesen Grundannahmen bei 1,3 %.

Könnt Ihr noch folgen?

Wenn wir 1000 (positive!) Menschen mit einem CT-Wert von >33 testen, verpasst der Test bei einer Sensitivität von 98,2% 18 Personen, die nicht als positiv angezeigt werden. 1,8% der oben angenommenen 1,3% Coronapositiver werden nicht herausgefischt. Alle anderen schon. Das bedeutet:

Das Risiko, dass eine coronapositve Person im Raum ist – OHNE TEST – liegt bei 1,3%. Wenn alle Teilnehmer*innen getestet sind, sinkt dieses Risko auf 0,0234% – MIT TEST.

Wir wissen alle, dass wir in einem dynamischen Geschehen unterwegs sind und dass sich diese Zahlen bereits bis zum Ende des Monats – meine persönliche Schätzung – verdoppeln werden. Wir nähern uns also mit größer werdenden Schritten einer Situation, in der Geburtsvorbereitungskurse ohne Test aus meiner Sicht mindestens schwierig werden.

Wahrscheinlichkeiten …

Es geht also um Wahrscheinlichkeiten. Und in dem Rahmen um praktikable Lösungen. Wenn also das Tragen eines Mund-Nasenschutzes in einem langen Kurs über einige Stunden lang faktisch nicht praktikabel ist und ein stetiger Luftzug wegen der Jahreszeit mit ungemütlichen Außentemperaturen auch nicht, steigt – wie überall – die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung in einem Kurs. Berlin etabliert sich gerade als Hotspot und wird sicher auch als “gesamte Stadt” Mitte des Monats Oktober die derzeitig gültigen Kriterien eines “Risikogebietes” mit wöchentlichen >50 Neuinfektionen/ 100.000 Einwohner erfüllen. “Meine” schwangeren Frauen und ihre Partner gehen in meiner Wahrnehmung sehr achtsam und nach allen geltenden Kriterien sehr vernünftig und kooperativ mit den Entscheidungen in ihrem Alltagsleben um. Gleichzeitig gehören sie zur Altersgruppe mit den höchsten Fallzahlen. Sie meiden eher größere Familienfeiern und Restaurantbesuche – und im Geburtsvorbereitungskurs?

Der Schnelltest in der Geburtsvorbereitung – mein Procedere

Ein Geburtsvorbereitungskurs ist kein Event, keine Party und auch kein Fußballspiel. Geburtsvorbereitung ist eine medizinische Leistung, die im Rahmen der Gebührenordnung des Krankenkassenkatalogs erbracht wird und die in Deutschland zur medizinischen Grundversorgung gehört, deren Erbringungung grundgesetzlich verankert ist (Recht auf körperliche Unversehrtheit Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG und das Sozialstaatprinzip Art. 20 Abs. 1 GG).

Über die Wochen des Lockdowns haben wir in der Geburtshilfe viele dramatische Folgen der Corona-Pandemie gesehen und miterlebt, auch wir Hebammen waren und sind schwer getroffen von diesem beschissenen Virus. Es ist meine Verantwortung, die Kursteilnehmer*innen weitestmöglich zu schützen. Niemand von Euch wird – bei einem Kurs evtl. nah an der Geburt – unter Quarantäne- oder Isolationsbedingungen gebären wollen. Aber Ihr braucht natürlich gute Geburtsvorbereitung, vielleicht sogar mehr als sonst. Wir Hebammen nehmen derzeit – nachvollziehbar – ein noch höheres Informationsbedürfnis in unwägbaren Zeiten wahr und sind gerne für Euch da!

An dieser Stelle sei vor allem nochmal erwähnt, dass es sich bei meinen Kursen um Wochenendkurse handelt, so dass ein Test ermöglicht, eine relative Sicherheit herzustellen, die – auch klar – bereits am 2. Kurstag schon wieder etwas gesunken ist. Aber auch dieses statistische Risiko ist noch immer hinnehmbar niedrig genug. Für wöchentliche Kurse funktioniert dieses Testkonzept natürlich nicht.

[edit 11. Februar 2021: Wegen des oben aufgeführten Absinken der Testsicherheit/ steilen Anstieg der Viruslast innerhalb von wenigen Stunden vor Symptombeginn gibt es bei mir seit Dezember Kurse nur noch am Tag der Testung. Also kein Kurstermin mehr am Sonntag, wenn der Test am Samstag stattgefunden hat. Wochenendkurse also: Samstag live, Sonntag zoom.]

Wie schützen wir uns – oldschool

Abstand:

hilft in erster Linie gegen die Übertragung im Sinne einer Tröpcheninfektion. Gegen Aerosole hilft er nicht.

Masken:

Alltagsmasken verringern sowohl die Abgabe von Tröpfchen, vermutlich auch ein wenig die von Aerosolen. Eine Maske schützt neben den Umstehenden wahrscheinlich gleichfalls auch zu einem kleineren Teil den Träger selbst vor einer höheren Viruslast. In welchen Grenzen dies genau geschieht, ist derzeit Gegenstand der erhitzten wissenschaftlichen Debatte. Meine Erfahrungen mit “meinen” Schwangeren in den letzten Monaten haben gezeigt, dass das Tragen von Masken über eine absehbare Zeit (Supermarkt, öffentlicher Nahverkehr, Praxisbesuch) natürlich problemlos möglich und absolut zumutbar ist, ein Kurs über mehrere Stunden hinweg jedoch nicht.

Lüften:

Derzeit wird ein Stoßlüften alle 50 Minuten, 10 Minuten lang, empfohlen. Bis jetzt gar kein Problem: Aber nun wird es kühl, nach 10-minütigem Lüften ist die Luft im Raum genau so kalt wie draußen.

Da wir in einem Geburtsvorbereitungskurs immerhin ca. 14 Stunden an einem Wochenende mit 8 Paaren in einem Raum verbringen, sind mir alle praktikablen und verhältnismäßigen Maßnahmen recht, die das Risiko eines “Superspreader-Events” signifikant verringern.

Ein Test dient dem Schutz jedes Einzelnen. Einen Test zur Bedingung einer Kursteilnahme zu machen, macht den Kurs zu einem sicheren Ort, der sich auch so anfühlt.

Natürlich ist die Altersstruktur der typischen Teilnehmerinnen so, dass ein schwerer Verlauf unwahrscheinlich ist (gleichzeitig ist es auch die sozial aktive Altersgruppe mit der höchsten Inzidenz). Auf der anderen Seite hat eine Infektion mit Corona bezüglich der nah bevorstehenden Geburt Konsequenzen.

Sicherheit – für alle.

Die Gefahr, dass ein coronapositiver Mensch im Kurs sitzt, ist – ohne Test – mit den obigen Zahlen etwa 56-mal höher, als dann, wenn sich alle Kursteilnehmer*innen testen lassen. Aber eben nur dann. Und wir testen uns für die Sicherheit der anderen – jeweils. Deshalb möchte ich gern alle Kursteilnehmer*innen testen. Ich biete den Test zum Selbstkostenpreis von 25,-/ Paar an. Ihr erhaltet eine Quittung und eine Bescheinigung über das Testergebnis, die Ihr bei der Krankenkasse einreichen könnt. Ich rechne damit, dass diese die Kosten auch erstattet werden, das wird die nahe Zukunft zeigen, dann aktualisiere ich die Infos hier.

Noch sicherer: Ein Online-Geburtsvorbereitungskurs

Für diejenigen unter Euch, denen das immernoch alles unheimlich ist, bleibt natürlich ein Onlinekurs, den man auf dem heimischen Sofa, zu beliebig wählbaren Zeiten gemütlich wegbingen kann. Das geht überall und zu beliebigen Zeiten, am Stück oder in Häppchen und mit der Option, nochmal zurückzuspulen, wenn man drei Wochen später nochmal gucken will, wie Damm-Massage geht. Zu meinem Online Geburtsvorbereitungskurs geht es hier.

Der Test ist positiv – und nun?

Die derzeitige Situation (incl. der Rechtslage innerhalb des Infektionsschutzgesetzes) definiert einen positiven Schnelltest noch nicht als “Corona-Fall”, der in die Statistik eingeht. Der laborbasierte PCR-Test (mit einem Laborarzt im Hintergrund, der die Diagnostik interpretiert und befundet) ist weiterhin der Goldstandard der Diagnostik. Wenn ein Schnelltest also positiv ausfällt, wird ein PCR-Test unmittelbar in die Wege geleitet. Bis zum Befund gilt die getestete Person als “positiv” und muss sich in häusliche Isolation begeben.

Schnelltests im Kreisaal

Ich hoffe sehr, dass sich die Schnelltests sehr bald auch in der Geburtshilfe direkt im Kreißsaal etablieren und dort flächendeckend zu Verfügung stehen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind sehr unterschiedlich geregelt und variieren unter anderem natürlich entlang des regional unterschiedlichen Infektions- oder gar Ausbruchsgeschehens in Kliniken. In fast allen Krankenhäusern dürfen die werdenden Väter (oder eine vorher angegebene Begleitperson) ihre Frauen zur Geburt begleiten. Dennoch ist es in einigen Kliniken so, dass die Männer erst ab einem bestimmten, unterschiedlich definierten Zeitpunkt mit dazu kommen können. Auch bei ambulanten Untersuchungen und Geburtsbesprechungen sind die Frauen allein (was natürlich auch nicht gut ist). Schlimm ist vor allem die Lösung, dass in einigen Krankenhäusern die Männer tatsächlich erst “ganz zum Schluss” der Geburt dabei sein dürfen, als gelte das “Herausschlüpfen des Babys” alleinig als Geburt. Die vielen Stunden Geburtsarbeit sind begleitungsbedürftig, und wir dürfen das nicht länger zulassen. Auch Besuche auf der Wochenbettstation sind mancherorts gar nicht möglich, überall aber sind sie eingeschränkt, auch Geschwisterkinder dürfen ihre Mütter üblicherweise nicht im Krankenhaus besuchen. Das ist alles schlimm, wir Hebammen setzen uns von Beginn für humane Lösungen ein und wissen gleichzeitig, dass die Vermeidung des Eintrags in vulnerable Strukturen, wie es ein Krankenhaus eben ist, enorm wichtig ist, nicht nur zum Schutz des Personals (das auch weitere Infektionsketten ingang setzt), sondern auch der Patient*innen in der geburtshilflichen Abteilung, der Neugeborenenstation, Intensivstation und OP, die ja alle mit dem Kreißsaal in Verbindung stehen. Es ist ein wirkliches Kack-Dilemma, und Schnelltests könnten Vieles davon lösen. Hier – und an den Toren der Senioren- und Pflegeheime – sind sie wirklich überfällig.

Daten und Quellen

Ich benutze den Abbott Panbio Covid-19 Ag Rapid Test. Dieser Test darf nur von HCP´s (Healthcare Professionals), also Angehörigen humanmedizinischer Heilberufe durchgeführt werden, dies sind Ärzt*innen, Zahnärzt*innen und Hebammen. Der Test ist CE-zertifiziert und ist für die Testung in Deutschland zugelassen.

RKI: Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARSCoV-2

Comparison of seven commercial SARS-CoV-2 rapid Point-of-Care Antigen tests; Victor M. Corman, Christian Drosten et al.; medRxiv doi: https://doi.org/10.1101/2020.11.12.20230292; November 13, 2020.

Pressemeldung der Abbott GmbH (deutsch)

Beipackzettel des Abbott Panbio

Vaginale Gesundheit – wichtig für eine unbeschwerte Schwangerschaft

Die orale Einnahme von Laktobazillen beeinflusst tatsächlich die vaginale Flora: Die Darmbakterien sind nämlich direkt an der Zusammensetzung der Vaginalflora beteiligt. Und diese wiederum ist wichtig für eine gesunde Schwangerschaft!

Laktobazil­len produzieren Milchsäure, einige von ihnen auch Wasserstoffperoxid (H2O2). Dieses reguliert den pH­-Wert und wirkt spezifisch als Bakteriozin, macht also die Umgebung ungastlicher für unerwünschte Bakte­rien und Pilze, sogar für Papilloma-Viren. Es schützt die Va­gina vor Fremdbesiedlungen etwa mit dem unerwünschten Gardnerella vaginalis und anderen Keimen, die im Kontext „Frühgeburtlichkeit“ (vorzeitige Wehen und frühe, vorzeitige Blasensprünge) eine Rolle spielen können. Auch bei Besiedelung mit B-Streptokokken können Probiotika einen günstigen Einfluss auf das Keimspektrum nehmen.

Mikrobentransfer unter der Geburt

Während einer vaginalen Geburt kommt das Baby zum allerersten Mal mit Bakterien direkt in Berührung – und es sind die aus der Vagina seiner Mutter und die aus ihrem Darm. Schon lange hängt man nicht mehr dem Ideal einer „keimfreien Geburt“ nach – heute weiß man es besser. Mama knows best – und Deine Bakterien sind das Beste, was es auf diesem Weg bekommen kann.

Muttermilch – ein probiotischer Drink für Dein Baby 

Früher hat man angenommen, Muttermilch sei steril, heute weiß man, dass dies ganz und gar nicht der Fall ist. Vor einigen Jahren hat man den so genannten entero-mammary-pathway entdeckt. Darmbakterien gelangen während der Schwangerschaft offenbar mit Hilfe so genannter dendritischer Zellen über die Blutbahn in das Drüsengewebe der Brust und besiedeln es.

Muttermilch ist ein in vielerlei Hinsicht hochkomplexes, für das Baby perfekt zusammengestelltes Nahrungsmittel mit allen erdenklichen Nährstoffen, aber auch unzähligen weiteren zellulären und epigenetischen Informationen. In einem Milliliter Milch sind neben mehr als 10 Millionen Bakterien, vor allem aus den Laktobazillen- und Bifidobakterien-Familien, auch Humane Milch-Oligosaccharide (HMO) enthalten, die die Bakterien „füttern“. Diese machen Muttermilch zu einem prä- und probiotischen Drink und leisten einen wesentlichen Beitrag zur physiologischen Besiedelung des Babydarms.

Das Busen-Mikrobiom und Infektionen

Diese „guten Bakterien“ sind nicht nur ideal für dein Baby, bestimmte Keimstämme (etwa L. salivarius und L. gasseri) können wirksam gegen eine Brustentzündung (Mastitis) sein und ihnen vorbeugen. Studien* haben gezeigt, dass sich der Zustand von Frauen, die diese Bakterien mindestens drei Wochen lang einnahmen, deutlich verbesserte, während sich bei den Placebo-Gruppen nichts Wesentliches änderte.

Vaginal Seeding

Wird ein Baby per Kaiserschnitt geboren, kommt es während der Geburt nicht mit mütterlichen Vaginalkeimen in Kontakt. Es ist bekannt, dass Kaiserschnitt-Babys im Laufe ihres Lebens häufiger unter Allergien, allergischem Asthma, Übergewicht und verschiedenen Autoimmunerkrankungen leiden als Babys, die vaginal auf die Welt gekommen sind. 

So wurde von Mikrobiomforschern in den USA vor einigen Jahren die Idee des Vaginal Seeding geboren. Die frisch per Bauchgeburt geschlüpften Babys werden dazu nach der Geburt bereits im OP im Mund, im Gesicht und an den Händchen mit dem Vaginalsekret ihrer Mütter benetzt, um diesen Keimtransfer zu imitieren. Auch einige Kliniken in Deutschland bieten das mittlerweile an. Sollte das aus unterschiedlichen Gründen keine Option sein, ist das MAMA & BABY FLOR eine Idee, um dies zu ersetzen.

Baby´s Bauch …

Die Besiedelung mit einem besonders günstigen, physiologischen Keimspektrum, das wir von unserer Mutter weitergegeben bekommen, ist tatsächlich die Wiege unserer Mikrobiota, vermutlich lebenslang. Sie ist eine wichtige Voraussetzung für unsere Gesundheit und beeinflusst alle nur denkbaren Organsysteme, von der wichtigen Barrierefunktion der Darmschleimhaut bis zur Gut-Brain-Axis.

Schon allein der Magen-Darm-Trakt eines frisch geborenen Babys muss Enormes leisten: Nahrung aufnehmen, sie peristaltisch weiterleiten, verstoffwechseln, wieder ausscheiden. Es dauert etwa 3 Monate, bis sich diese Vorgänge gut eingespielt haben. In dieser Zeit mühen sich viele Babys mit ihrer Verdauung. Das ist in einem gewissen Rahmen normal und auch nicht therapiebedürftig. Sollten aber gewisse Umstände für eine Dysbiose sprechen, kann die gezielte Gabe gewisser probiotischer Stämme dem Baby beim Aufbau einer gesunden, stabilen Darmflora helfen.

Ein Probiotikum für Mama & Baby

Und weil die Bakterienstämme von schwangerer Frau, stillender Mutter und Baby auf diese wundersame Weise voneinander abhängen und sich bedingen, haben wir ein Probiotikum entwickelt, dass auf diese besonderen Zusammenhänge rund um Schwangerschaft und Geburt abgestimmt ist: Das Mama Baby Flor.

Mama & Baby Flor

Tropfen mit Bifidusbakterien (Bifidobacterium infantis) und Lactobazillen (Lactobacillus fermentum (cect 5716), Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus reutreri, Lactobacillus salivarius) für Schwangere, Stillende, Babys und Kleinkinder, gelöst in Bio-MCT-Öl aus der Kokosnuss. 30 Tropfen enthalten 1×10^9 CFU 

22,90€

Mikrobiom für Mama und Baby

20 ml (114.5 € / 100 ml)

Entdecken

Welche Bakterienstämme sind enthalten?

Lactobacillus rhamnosus

Ein wichtiger Keim der gesunden vaginalen Flora, in der Darmflora ist er assoziiert mit einer positiven Wirkung auf das Immunsystem, vor allem die Inzidenz von Atemwegserkrankungen.

Lactobacillus fermentum 

Kommt natürlicherweise in der Muttermilch vor. Dieser Keim konnte in einer Studie Beschwerden durch schmerzhafte Milchstaus, ausgelöst durch Staphylokokken, lindern. Babys profitieren von einer probiotischen Gabe und weisen deutlich weniger Magen-Darm-Infekte im ersten Lebenshalbjahr auf. 

Lactobacillus reutreri

Eines der bestuntersuchten Keime mit vielfältigen positiven Wirkungen. Auch er kommt natürlicherweise in der Muttermilch vor, deren Menge ist unmittelbar abhängig von der Anzahl im mütterlichen Darm. L. reuteri produziert Reuterin, ein Bacteriozin gegen schädliche Bakterien (etwa Clostridien) und gegen Rotaviren.

Lactobacillus salivarius 

Ist der Signatur-Keim der Darmflora von gestillten Babys.

Bifidobacterium infantis

Dieses Bakterium ist ebenfalls als Probiotikum gegen Mastitiden bekannt. L. salivarius ist zudem ein Keim, der Wasserstoffperoxid (H2O2) synthetisiert, ein wichtiges Bakteriozin für die Vaginalflora und auch für die gesunde Babydarm-Barriere und sein Immunsystem.

Für wen sind die Tropfen?

Diese Tropfen sind ein Produkt für beide, also für Mama und Baby. Gründe, sie gegebenenfalls ergänzend zu eventuell medizinisch verordneten Therapien zu nehmen, können sein:

Mama

  • Alle Themen rund um vorzeitige Wehen oder (drohende) Frühgeburtlichkeit, auch in der Vorgeschichte
  • Wiederkehrende vaginale Infektionen oder Blaseninfekte
  • Infektionen mit B-Streptokokken
  • Nach Antibiotikagabe
  • Bei Brustentzündungen oder wiederkehrende Milchstaus/ Mastitiden, auch in der Vorgeschichte
  • Dosierung: 1-2 x tgl. eine halbe Pipette (30 Tropfen) vor einer Mahlzeit direkt in den Mund tropfen

Baby

  • Nach einer Bauchgeburt (Geburt mit einem Kaiserschnitt)
  • Nach einer Antibiotikagabe unmittelbar vor oder während der Geburt oder später in der Babyzeit
  • Nach wiederholten Candida-Infektionen in der Schwangerschaft
  • Wenn Dein Baby nicht gestillt wird
  • Ergänzend bei Mund- und/ oder Windelsoor
  • Bei „Dreimonatskoliken“, wenn ein Ungleichgewicht der Darmflora dahintersteckt.
  • Dosierung: 1-2 x tgl. eine viertel Pipette (15 Tropfen) vor einer Mahlzeit in den Mund tropfen

30 Tropfen enthalten 1×10^8 KBE 

Auch für uns Hebammen hat sich vieles verändert. Der Alltag in Hausbesuchen, in den Praxen und natürlich auch im Kreißsaal steht unter neuen Vorzeichen. Unsere wichtige Arbeit in unterschiedlichen Kursen ist auf die zuvor vertraute Weise sicher noch für viele weitere Wochen unmöglich, derzeit finden so gut wie gar keine Präsenzkurse statt, da die behördlichen Auflagen (alle im Sinne der sinnvollen Regeln zur Eindämmung des Infektionsgeschehens) in so gut wie allen Hebammenpraxen nicht umsetzbar sind.
Damit Euch nun nicht diese wichtige Konstante, nämlich ein guter und qualifizierter Geburtsvorbereitungskurs wegbricht, bieten viele Hebammen nun diese Kurse online an. 

Online-Kurs? Was genau ist das?

Mitte März, tatsächlich wenige Stunden vor dem Lockdown, haben Nora & Ralph, (howwow.tv), zwei professionelle Filmleute und ich, geistesgegenwärtig, improvisiert und spontan, wie es unsere Art ist, meinen vorerst letzten „real-life“-Geburtsvorbereitungskurs aufgezeichnet. 

Drei Paare waren „in echt“ anwesend, die anderen damals schon per zoom zugeschaltet. So entstand ein echter, lebendiger und natürlich voll umfänglicher Geburtsvorbereitungskurs, so wie ich ihn sonst auch gebe. Das Ganze in top Ton- und Bildqualität, damit nichts rauscht oder knistert – und natürlich auch mit wichtigen Corona-Bezügen.

Ich sitze also nicht vor einer Wand und monologisiere in die Kamera.

Zusätzlich zu diesem Kurs, den Nora in Windeseile aus diesem Material produziert hat, und den Ihr als Stream in Eurem Tempo wahlweise in kleinen Häppchen gucken oder  wegbingen könnt, gibt es (optimalerweise dann, wenn Ihr den Video-Kurs fertig geguckt habt) zusammen mit ein paar anderen Paaren eine gemeinsame 2-stündige „live-Einheit“ als Video-Call.

Darin könnt Ihr mir live und in Farbe alle Eure übrig gebliebenen Fragen stellen und ich werde Euch alle aktuellen Entwicklungen der Corona-Situation und deren Auswirkung auf die Geburt (Updates zu Themen wie: Partner im Kreißsaal, Maskenpflicht im Krankenhaus, ambulante Geburt, Versorgung durch freiberufliche Kolleginnen, Konsequenzen für Euer Baby, etc.) erzählen. Die TeilnehmerInnenzahl für diesen Livecall ist natürlich begrenzt, deshalb sucht Ihr Euch bei der Kursbuchung am besten gleich schon einen Termin aus.

Wenn Du schon jetzt sicher bist, dass Du den Kurs machen möchtest und sofort loslegen magst: Dann ist das hier die Abkürzung.

Für detaillierte Infos: lies einfach weiter.

Warum so und nicht als „zoom-Kurs“ live?

Diese Frage stellt sich in erster Linie deshalb, weil zoom-live-Kurse die einzige Art Kurse sind, die derzeit problemlos und direkt mit den Krankenkassen abzurechnen sind, dazu unten gleich mehr. Nicht, weil es meine Lieblingsvariante wäre, aber natürlich ist das auch eine Option.

Direkt in den ersten Wochen des Lockdown habe ich mit verschiedenen Varianten an Kursen experimentiert und mich natürlich auch mit Kolleginnen lebhaft ausgetauscht. Zu Beginn war alles noch total aufregend und man fand es toll, was denn „nun doch noch alles geht“. Nach kurzer Zeit aber stellte sich (wohl bei uns allen) eine gewisse zoom-Müdigkeit ein, hier und da bekamen wir es mit recht wackeligen Ton- und Bildqualitäten zu tun. Nicht alle KursteilnehmerInnen haben Zugang zu einer ausreichenden, stabilen WLAN-Verbindung oder sie sitzen bereits den ganzen Tag im Homeoffice vor dem Bildschirm. Während eines live-Kurs ist technischer Support („Can you hear me?“) von meiner Seite aus nicht möglich, und wenn Ton oder Bild permanent wegbricht, ist das mindestens nervig. 

Ich bin also sehr glücklich mit dieser ganz anderen Variante des Kurses, unter anderem aus folgenden Gründen:

  • Das Anschauen eines Kurses in erstklassiger Ton- und Bildqualität erlaubt Euch, den Kurs in für Euch passenden Einheiten anzugucken, zu den Zeiten, wenn es Euer gerade möglicherweise recht turbulenter Alltag erlaubt. Ihr könnt Euch Notizen machen, noch mal zurückspulen, eine Übung in Eurem Tempo wiederholen, oder auch einfach mal ausschalten, alles das. 
  • Es gehen keine wertvollen Kursinhalte aus „technischen Gründen“ verloren, weil das WLAN wegen Überlastung zusammenbricht.
  • Ihr habt ein Jahr lang Zugriff auf den Kurs. Ihr könnt also zu unterschiedlichen Phasen der Schwangerschaft einzelne Kapitel nochmal gucken, wenn ein konkretes Interesse kurz nochmal „hochpoppt“.
  • Last but not least: Das Konzept geht glücklicherweise offenbar auf: Die bislang 80 teilnehmenden Paare sind bisher sehr happy mit dieser Lösung und wir erhalten tatsächlich umwerfendes Feedback J

Die Abrechnung

Viele Hebammenleistungen (nicht alle) sind grundsätzlich in einer Gebührenvereinbarung mit den gesetzlichen Krankenkassen verankert. Diese können von uns Hebammen innerhalb eines Vertrages mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Auch die genaue „Form“ der Leistung ist im Detail in jener Gebührenvereinbarung geregelt. Für Kurse gelten beispielsweise Höchstgrenzen der abzurechnenden Kursstunden, auch die Teilnehmerinnenzahl ist geregelt. Bis zum 30.9. gilt eine „SARS-CoV-2-Sonderfassung“, in der vorgegeben ist, wie mit Leistungen, die derzeit entweder nicht möglich oder nicht geraten sind, so lange ersatzweise umgegangen wird.

Nur dann, wenn die erbrachte Leistung im Gebührenkatalog vorkommt, darf (bindende Vereinbarung) und kann sie (technisch über das Abrechnungssystem) überhaupt abgerechnet werden. Ein Kurs per Stream in Verbindung mit einem Live-Call gehört nicht zu den Sonderfall-Leistungen, deshalb darf und kann ich diesen Kurs in keinem Fall direkt mit Eurer Kasse abrechnen, aber: Viele (nicht alle!) Kassen erstatten Euch nachträglich die Kursgebühr. Wie genau folgt gleich unten.

Anders ist das bei vollständigen live-zoom-Kursen. Diese können (zumindest bis zum 30.9.2020) direkt mit den Kassen abgerechnet werden. Mein Kurs ist aber eben kein live-zoom-Kurs.

Ich möchte den Kurs buchen – wie funktioniert das alles und was kostet der Kurs?

Ihr müsst also den Kurs zunächst selbst bezahlen. Ihr bekommt dann eine Rechnung, in der alles ganz genau aufgeschlüsselt ist und die alle abrechnungsrelevanten Details enthält, die Ihr dann Eurer Kasse zur Erstattung einreichen könnt.

Der Kurs kostet Eure Kassen exakt das Gleiche wie immer, ich berechne quasi die identische Gebühr, die ich sonst den Kassen in Rechnung stelle. 

Aufgefummelt sind das 14 Stunden Geburtsvorbereitung, nach der Gebührenziffer 0700 der Hebammenvergütungs-Vereinbarung mit 7,96 pro Stunde berechnet, insgesamt also 111,44 Euro. Dazu kommt die übliche Partnergebühr in Höhe von 125,- Euro (in meinen „echten“ Kursen in Berlin sind das 150,-), darauf wird dann wiederum Mehrwertsteuer berechnet und das Ganze dann abgerundet.
Alle zusätzlichen Kosten für die Produktion, die technische Bereitstellung, für die Bezahlsysteme sowie für meine Praxismiete, die ich weiterhin bezahlen muss, trage ich selbst und sind selbstverständlich im Kurspreis enthalten (das ist wichtig für Eure Kassen, nichts davon wird berechnet).

Insgesamt macht das eine Kursgebühr in Höhe von 269,- Euro. 

10% des Kurspreises spenden howwow und ich an Ärzte ohne Grenzen, die derzeit überall in der Welt gebraucht werden, um Menschen zu helfen, die in weniger privilegierten Gesundheitssystemen leben oder auf der Flucht sind. 

Übernahme durch die Krankenkassen

In den letzten Wochen haben etliche Krankenkassen (allen voran viele der AOK‘s und BKK‘s) die Kurskosten für die Frauen übernommen. Die Partnergebühr wird auch in den üblichen Präsenzkursen unterschiedlich behandelt, von „wird gar nicht bezahlt“ über „teilweise“ bis „komplett“ ist alles dabei. So auch hier bei dieser Sondervariante.

Die Tatsache, dass es bei einigen Kassen nach freundlichen, aber bestimmten Briefen eben doch klappt, zeigt, dass sich argumentieren lohnen kann, wir können und wollen dazu dennoch nichts versprechen. Meine Bemühungen, irgendwelche Informationen zur Weitergabe an Euch zu erhalten, werden natürlich konsequent abgeblockt. Offenbar wollen die Kassen keine Präzedenzfälle schaffen und antworten auf meine Anfragen gar nicht erst.

Sollten Eure Kassen also zunächst ablehnen, geht Ihr in den Widerspruch, und ab hier sind Argumente gefragt.

Hier ein paar Vorschläge, die Ihr in Euren individuellen Text einbauen könnt:

  • Die Versorgung mit medizinischer Grundversorgung ist für alle Kassenversicherte im Sozialgesetzbuch geregelt. Eure Krankenkassen unterliegen gemäß  §72 Abs. 1 SGB V dem so genannten Sicherstellungsauftrag. Das bedeutet, dass die Kassen gemeinsam mit allen Leistungserbringern dafür Sorge tragen müssen, dass Euch alle Leistungen der medizinischen Grundversorgung zugänglich gemacht werden. Dazu gehören auch sämtliche Hebammenleistungen, und eben auch ein Geburtsvorbereitungskurs einer Hebamme (nur Hebammenkurse fallen darunter!). Wenn Ihr also schlicht keinen live-zoom-Kurs findet, sind Eure Kassen verpflichtet, Euch bei Alternativen zu unterstützen. Natürlich können (oder wollen) nicht alle Hebammen mal eben umswitchen auf “Online-Kurs”, das wissen die Kassen natürlich auch ganz genau. Es wird also in der sowieso angespannten Hebammenlage weitere Engpässe und Unterversorgungen geben. Eure Kassen sind da in der Pflicht. Und eine Alternative – wäre zum Beispiel dieser Kurs.
  • Oder man möchte etwa aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht via zoom (dazu gab es in den letzten Wochen nach Hackerangriffen ja reichlich Presse) teilnehmen, ebenfalls im Gesundheitsbereich ein vulnerabler Punkt, auf den ich abzielen würde. Ihr glaubt gar nicht, was wir Hebammen an DSGVO-Auflagen erfüllen müssen für jeden Post-It, auf den wir was draufkritzeln – und jetzt soll plötzlich alles per whatsapp und zoom laufen, was sonst ausdrücklich verboten ist – weils grad in die Argumentation passt? 
  • Last but not least: Erwähnt unbedingt, dass Ihr diese Variante anstatt der anderen Varianten wahrnehmt und nicht eine weitere Hebamme noch einen Geburtsvorbereitungskurs abrechnet. Auch die Übernahme im Rahmen eines Präventionskurses wäre eine Idee, auf die Ihr Eure Kasse bringen könnt.

Diese etwas umständlichen, fein ziselierten Argumente sind die einzige Argumentationshilfe und Unterstützung, die wir Euch geben können, aber darin ist alles enthalten, was entscheidungsrelevant ist. Alles Weitere müsst Ihr mit Euren Kassen diskutieren. Bei einigen rennt Ihr sicher offene Türen ein und ihr habt binnen Tagen das Geld auf Eurem Konto, bei anderen beißt Ihr auf Granit und Ihr müsst die Kursgebühr vollständig selbst bezahlen. Wenn Ihr eine Zusage bekommt – lasst Sie Euch in jedem Fall schriftlich geben.

Und nur deshalb, weil wir vereinzelt danach gefragt wurden: Nein, wir können nicht stattdessen „irgendwas anderes“ abrechnen oder „irgendwas anderes“ auf die Rechnung schreiben. Unser System generiert die Rechnungen automatisch, und es steht genau das drauf, was Ihr bekommt.

Ihr möchtet gern den Kurs machen und sofort loslegen mit dem Gucken? Dann klickt hier!

Oder Ihr zögert noch und möchtet erstmal noch überlegen: Hier könnt Ihr Euch in die Mailingliste eintragen.

So oder so: ich würde mich sehr freuen, Euch im Onlinekurs und dann im Live-Call persönlich willkommen zu heißen! Bis ganz bald!

Online Geburtsvorbereitung
mit  Hebamme
Kareen Dannhauer

Dabei wird – meistens vom geburtshelfenden Arzt oder Ärztin – während der Wehe kräftiger Druck auf den oberen Teil der Gebärmutter ausgeübt. Je nach “Technik” des Anwenders geschieht dies entweder mit beiden Händen oder mit dem gesamten Unterarm. Um die aufgewendete Kraft zielgerichtet zu nutzen, ist ein guter Winkel notwendig, deshalb stellen sich die Anwender dazu oft auf ein Treppchen neben der Frau. Wird mit dem Unterarm kristellert (speziell an diesem Vorgehen gibt es die meiste Kritik, da weniger zielgerichtet gedrückt werden kann), greift sich der/ die AnwenderIn das Bettlaken auf der gegenüberliegenden Seite des Bettes, um einen kraftvollen Hebel zu haben.

Es ist also tatsächlich einer der wenigen Momente in der Geburtshilfe, wo wirklich Kraft ausgeübt wird.

Genau deshalb hat Kristellern keine besonders gute Lobby und ist kritisch zu hinterfragen: Frauen empfinden es oft als ausgesprochen übergriffig, fühlen sich ausgeliefert, manchmal empfinden sie diesen Eingriff auch als ziemlich schmerzhaft. Selbst die Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe warnt davor, die WHO empfiehlt es auch ausdrücklich nicht. Die Studienlage ist gemessen an der Häufigkeit der Anwendung erschreckend dünn.

Manchmal wirkt es tatsächlich, wie ein  hilfloser Versiuch “irgendetwas” zu tun, um die Geburt zu beschleunigen. Mancherorts wird der Handgriff auch relativ routinehaft eingesetzt, einfach nur deshalb, weil es dann “schneller” geht. Blinder Aktionismus ist natürlich selten gut. Denn natürlich braucht es eine handfeste Indikation, etwa kindlicher Stress, die ein Eingreifen rechtfertigt, und eine mütterliche Aufklärung und Einwilligung.

Letzte Woche habe ich mich mit Isabel von Littleyears über das Kristellern unterhalten. Isabel hat selbst dieses Kristller-Manöver erlebt und schreibt in einem Blogartikel anlässlich des Roses Revolution Day, der internationale Aktions- und Gedenktag  gegen Gewalt in der Geburtshilfe.

Das Interview folgt nun hier unten, den Blogartikel auf Littleyears lest Ihr hier.

Liebe Kareen, ist es wirklich so, dass der Kristeller Handgriff in vielen anderen Ländern verboten ist? Wenn ja, wie kann es sein, dass er hierzulande so populär ist?

Dass er verboten ist, habe ich tatsächlich noch nicht gehört und auch auf die Schnelle zumindest nichts dazu gefunden. Es ist aber schon ein besonderes Phänomen, dass es für diesen Handgriff wirklich nur ganz wenig Literatur gibt, also so wenig mit klaren Evidenzen belegt wird. Wenn man das ins Verhältnis dazu setzt, wie häufig es dann doch in den Kreißsälen gemacht wird, ist das in heutigen Zeiten schon wirklich ungewöhnlich, weil es ungefähr gar nichts mit dem Goldstandard der “evidence-based medicine”, die angestrebt wird, zu tun hat. Und: Es ist in Deutschland mit Sicherheit mehr verbreitet als irgendwo sonst.

Kristellern wird tatsächlich, so habe ich das in der Praxis jedenfalls erlebt, oft noch nicht mal besonders dokumentiert und läuft so ein bisschen unter “erweitertes Handauflegen” nach dem Motto “Wir helfen mal ein bisschen von oben”. Das ist mit Sicherheit mindestens eine Bagatellisierung eines umstrittenen Eingriffs. Es ist so ein bisschen Reptilienmedizin: Wir machen da mal was, um überhaupt etwas zu machen und weil wir das schon immer so machen – aber ob das überhaupt sinnvoll ist oder ob man gar ganz erhebliche Nebenwirkungen riskiert – das schauen wir uns nicht so genau an. Eigentlich gibt es so eine Herangehensweise in der modernen Medizin gar nicht mehr, das ist schon wirklich ziemlich erstaunlich.

Auch in der Fachliteratur taucht das Kristellern vorwiegend als anekdotisches Besipiel für umstrittene Inetrventionen und gut zu überlegende Manöver auf – oder in den Schilderungen von Frauen, wenn diese besonders verletzende oder traumatisierende Geburtserfahrungen gemacht haben.

Subjektiv wird es in diesen letzten Fällen dann tatsächlich ganz, ganz oft als massiver Übergriff erlebt und mündet dann in dem Satz: “Und dann hat sich der Arzt auf meinen Bauch geworfen.”

Ich habe den Griff bei mir selbst zwar auch als schmerzhaft und irgendwie „brutal“ empfunden, jedoch wurde mir glaubhaft die Notwendigkeit erklärt. Warum werden so wenige Frauen darauf vorbereitet, warum spricht man nicht mit ihnen, warum kommt es nicht im Geburtsvorbereitungskurs vor?

Im Geburtsvorbereitungskurs sind wir Hebammen ja in der besonderen und sehr schmalgradigen Situation, den Paaren zwei Dinge mitzugeben: Erstens das Vertrauen in eine gute Geburt, weil Frauen das nunmal können, gebären. Angst nehmen ist auch ein wirklich wichtiger Ansatz. Ich habe schon in Hypno-Birthing-Kursen hospitiert, in denen Paare saßen, die sich ganz bewusst gegen einen “klassischen” Geburtsvorbereitungskurs entschieden haben, um nicht mit zuviel Wissen, Kopf-Futter also, überfrachtet zu werden und sich damit aus dem Zustand der angstfreien Zuversicht herauszukatapultieren.

Ich verstehe diesen Ansatz total und teile ihn auch durchaus auch in mancher Hinsicht. Gleichzeitig und zweitens weiß ich auch, was geschehen kann, wenn Paare total naiv und blauäugig in den Kreißsaal kommen und eine etwas überromantisierte Vorstellung haben von der Realität in deutschen Geburtskliniken.

Es ist in der Geburtsvorbereitung auch unsere Aufgabe, das zu tun was der Name verspricht: die Leute gut vorzubereiten. Das heißt auch, eine informierte Basis für Entscheidungen herzustellen, die vermutlich nicht ganz Augenhöhe bedeutet, aber eben eine gemeinsame Vison von Geburt klarer formuliert.

Wenn ich aber alles an nur denkbaren (und teilweise auch ganz und gar nicht seltenen) Maßnahmen, Szenarien, medizinischen Interventionen aufzähle, kann das beide Ansätze miteinander in Konflikt bringen und hier und da auch abschreckend wirken, so dass Gefühl aufkommen kann: Oh Gott, was machen die den da in den Kliniken? Hoffentlichen bekomme ich da nicht grundlos eine Geburtseinleitunginleitung, eine PDA, einen Damm- oder Kaiserschnitt verpasst! Da kann man ja nur bis an die Zähne bewaffnet mit guten Argumentationssträngen hingehen, sonst kommt man da ja unter die Räder.

Und das torpediert natürlich das eben gesagte “Vertrauensding”, auch den begleitenden Personen, also dem Klinikpersonal gegenüber. Dieser Balanceakt ist also nicht immer so leicht, deshalb lässt man vielleicht auch mal das eine oder andere Detail weg.

Zudem betreffen solcherlei Interventionen manchmal auch Szenarien, in denen eine ganz kurzfristige medizinische Entscheidung getroffen wird oder getroffen werden muss und die Frauen in der Situation dann mit einer Entscheidung eh “draußen” sind und nicht mehr wirklich gefragt werden. Wenn man so will, ist Kristellern dann eine Notfallindikation und es wird üblicherweise auch nicht mehr diskutiert.

Du hast es so erlebt, dass Du vertrauensvoll aufgehoben warst, fühltest Dich respektiert und gesehen. Das zeigt eben, dass es oft wirklich um das “wie” geht, Interventionen müssen eben nicht unbedingt mit einem besonders schlimm erlebten Geburtserlebnis verbunden sein.

Fehlt aber diese Grundlage, ist es für das Geburtserlebnis oft fatal und wird als massiver und sehr körperlicher Übergriff erlebt.

Zudem hatte ich keinerlei „Nebenwirkungen“. Wenn ich so höre, was andere hatten: die Haut ist zerrissen, blaue Brüste, noch lange starke Schmerzen… Ist es so, dass man den Kristeller-Handgriff „richtig“ und „falsch“ machen kann?

Man kann mit Anwendung von Kraft unter der Geburt sehr sehr viel falsch machen, natürlich. Ich habe eine Frau mit einnem Milzriss nach Kristellerhandgriff erlebt und ungefähr drei oder vier mit Rippenfrakturen. Hämatome, also blaue Flecken, habe ich noch nicht mal mitgezählt. Wenn man in der Literatur nachliest, findet man da Dinge, die man hier gar nicht wissen will. Also: Ja, man kann das falsch machen und manchmal – selten – geschieht das auch.

Ich könnte jetzt hier schildern, wie man den Kristeller-Handgriff laut Lehrbuch korrekt und schonend macht, und dass die meisten Autoren vor der ziemlich weit verbreiteten Praxis warnen, ihn mit dem gesamten Unterarm statt mitt flachen Händen auszuführen.

Aber was nützt dieses Wissen? Wenn der Assistenzarzt auf diesem ihm vertrauten Weg loslegt, wird er kaum der fachkundige Anleitung des Ehemannes folgen, weil dieser das so im Geburtsvorbereitungskurs gehört hat. Intervenieren gelingt ja noch nicht mal der diensthabenden Hebamme, die im geburtshilflichen Team seit Jahren so ihre Pappenheimer kennt. Ich habe in meiner Hebammenausbildungen Anfang der 90er an einer Klinik gelernt, wo es Assistenzärzte gab, die bei JEDER Geburt kristellert haben. “Schneller mit Kristeller” war da einfach das Motto. Und ich habe nur sehr sehr wenige Ärzte erlebt, die das wirklich sanft und gleichzeitig effektiv können.

Ich würde mal behaupten, dass es immernoch große regionale Unterschiede gibt, oder was in dieser Hinsicht eben so der “Stil des Hauses” ist. Es gibt sicher Kliniken, da ist das immer noch so, wie ich es vor über zwei Jahrzehnten erlebt habe. Und andere, fortschrittliche Häuser, da ist jegliches überflüssiges oder gar übergriffiges Hands-On – sei es Kristellern, Dammschnitt oder routinemäßige vaginale Untersuchungen – absolut verboten, verpönt und wird vom Chefarzt mit nicht unter Drei-Jahre-Briefe-Diktieren bestraft. Solche Kliniken sollte man sich zum Gebären aussuchen, das muss man vorher intensiv abklopfen.

Gibt es Momente, wo auch du ihn anwenden würdest und wo du ihn für notwendig hältst?

Ein Kristellermanöver braucht immer eine Indikation, so wie jede Intervention unter der Geburt. Und sie braucht auch Aufklärung und Einwilligung der Frau, nicht wegen der guten Sitten, sondern aus streng juristischen Gründen. Kristellern ohne erfüllt ansonsten den Tatbestand der Körperverletzung.

Manchmal gibt es unter der Geburt Indikationen auch für unpopuläre Maßnahmen. Manchmal muss es auch schnell gehen, und manchmal sind zügige medizinische Handlungen notwendig, Situationen, in denen wenig Zeit und auch wenige Alternativen bleiben. Manchmal will ein Baby einfach raus, und zwar schneller, als der natürliche Weg nun noch dauern würde.

Im Einzelfall kann man dann darüber streiten, was die bessere Intervention sei: Dem Baby per Saugglocke oder per Kristellern gut und – in dem möglichen Rahmen – sanft auf die Welt zu helfen. Kristeller – das war übrigens ein Frauenarzt, der vor 150 Jahren diese Manöver zum ersten Mal beschrieb – sagte selbst nicht ganz zu Unrecht, dass ein Schub, ein Druck von außen, dem natürlichen Geburtsvorgang näher sei, als am Kind zu ziehen, damals ging das allerdings auch nur eher unsanft per Geburtszange.

Aber das sollte letztlich immer die gleiche Fragestellung sein: Braucht es eine schnelle Geburtsbeendigung, die diese Maßnahme rechtfertigt? Und nur dann, wenn die Antwort “ja” lautet, darf man irgendetwas tun. Diese Situation ist natürlich außerordentlich selten, glücklicherweise. Es rechtfertigt jedenfalls schon zahlenmäßig in keiner Weise den achtlosen Umgang mit diesem Manöver.

Und immer, immer muss man in der Situation angemessen ruhig und klar, aber feinfühlig, respektvoll und achtsam mit der Frau sprechen. So etwas wie: “Ok, wir haben jetzt Folgendes vor, das ist jetzt notwendig, viellleicht auch etwas doof, aber don´t worry, gleich ist Dein Baby da. Wir passen gut auf Euch auf.”

Und dann geht es ja auch meistens so aus, wie Du es erlebt hast. Warum das nicht immer so geschieht, ist mir ein absolutes Rätsel. Aber es geschieht eben, und den Schuh müssen wir uns als geburtshilfliches Personal anziehen. Trauma ist nicht Trauma, wenn wir es dafür halten.

Was ist das Hauptproblem, warum kommt es zu „Gewalt unter der Geburt“, was können wir tun, damit die Frauen sich wohl fühlen und keine Angst haben müssen? Was kann jede Frau selbst präventiv tun?

Ich glaube, dass sich in den letzten Jahren Vieles tut, um uns Geburtshelfer zu sensibilisieren, dass das überhaupt ein Thema ist, so bitter wie das vielleicht erstmal klingt. Jahrzehntelang wurde einfach Geburtshilfe “über die Köpfe der Frauen hinweg” gemacht. Damit Frauen sich nicht mehr alles gefallen lassen, “weil man das so macht”, ist es wichtig, gut aufgeklärt zu sein und etwa die Wahl des Geburtsortes sorgsam und angemessen kritsch zu treffen, Fragen zu stellen.

Wir haben uns neulich ja in unserem Podcast (den Artikel mit dem Soundcloud-Link findet Ihr hier) schon darüber unterhalten. Wenn das geschehen ist, nehmt die Geburtsklinik mit ins Boot, verfasst einen Geburtsplan, in dem alles das drinsteht, was man im Vorwege besprechen möchte, was man will und was nicht, über welche Maßnahmen man kurzfristig aufgeklärt werden möchte, welche Wünsche und Visionen man für die Geburt hat. Um dann auch wieder “abgeben”, ich der Geburt hingeben zu können, weil man weiß, dass ein paar grundlegende Dinge geklärt sind. Und dann: gut begleitet sicher gebären!

Vielleicht auch, weil es erstmal einen spektakulären Versuchsaufbau beschreibt, der mit Körperflüssigkeiten zu tun hat. Auf die geweckte Neugier konnte ich also eigentlich wetten. Und sicher auch deshalb, weil es auch irgendetwas mit dem „Mikrobiom“ (der Gesamtheit aller Bakterien im und am Menschen) zu tun hat, dem heißesten Scheiß gerade in der Medizin, der spätestens seit Giulia Enders´ „Darm mit Charme“ auch  im Mainstream-Bewusstsein angekommen ist.

Vaginal Seeding ist komplex. Es offenbart in dem großen Buch namens “Was hat die Natur sich wohl dabei gedacht” viele kleine Puzzleteile, die sich auf eine Weise zusammenfügen, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommt.

Was ist Vaginal Seeding?

Vaginal Seeding heißt wörtlich übersetzt vaginale Aussaat. Esbeschreibt den Prozess, unmittelbar nach einer Kaiserschnitt-Geburt die frisch geschlüpften Babys mit den vaginalen Bakterien der eigenen Mutter in Kontakt zu bringen. Dazu wird vor dem Kaiserschnitt ein Tupfer in die Vagina gelegt, der sich dann eine Stunde mit den gesunden Vaginalkeimen besiedeln kann. Mit diesem Tupfer wird dann das Baby unmittelbar nach der Geburt vor allem im Mund, im Gesicht und an den den Händen eingerieben.

Wie kam man darauf?

Schon lange weiß man, dass Kaiserschnitt-Babys im Laufe ihres Lebens häufiger unter Allergien, allergischem Asthma, Übergewicht und verschiedenen Autoimmunerkrankungen (etwa Diabetes Typ I oder Moorbus Crohn) leiden, als die Babys, die vaginal auf die Welt gekommen sind. Man wusste nur nie genau, warum. In den letzten 10 Jahren ist die Bedeutung des Mikrobioms intensiv beforscht worden, nicht zuletzt, weil die Labordiagnostik schneller, besser und billiger geworden ist. So weiß man mittlerweile um die Wichtigkeit der Darmflora und kann auch genau differenzieren, welche Keime welche besonders tollen Eigenschaften haben. Und wie sich die Flora von gesunden und kranken Menschen unterscheiden.

Kaiserschnittbabys, das ist in diesem Zusammenhang der entscheidende Unterschied, kommen während der Geburt – wie bei einer vaginalen Geburt zwangsläufig und intensiv – nicht mit den mütterlichen Bakterien, die in der Scheide gesunderweise reichlich vorhanden sind, in Kontakt. Kurioserweise sind sowohl in der Scheide als auch in der allerersten Babydarmflora Lactobazillen die sinnvolle Stammbesetzung.

In den verschiedenen Untersuchungen hat man herausgefunden, dass Kaiserschnittbabys “ohne” Vaginal Seeding noch Jahre nach der Geburt einen anders zusammengesetzte Darmflora aufweisen, als Babys, die spontan geboren werden. Die ersten Bakterien scheinen extrem wichtig zu sein. Sie haben beim “jungfräulichen Baby” den großen Startvorteil, sie sind die ersten, die das Territorium erobern und sich etablieren können, vermutlich mit lebenslangen Folgen für die Zusammensetzung der Darmflora. Die Darmflora von Kaiserschnittbabys ähnelt tatsächlich mehr der Hautflora des Klinikpersonals als dem der eigenen Mutter.

Diese und andere spektakulären Erkenntnisse wurden mittlerweile in renommierten Fachblättern publiziert und öffnen einen ganz neuen Blick auf dieses Thema. Toll ist auch die mehrfach preisgekrönten Dokumentation Microbirth die sich der Erforschung dieser spannenden Zusammenhänge widmet.

Was sind die Risiken?

In den offiziellen Statements, ob Vaginal Seeding generell zu empfehlen sei, werden eher zurückhaltende Aussagen gemacht. Meistens heißt es, es gäbe dazu noch zu wenige Studien, die den sicheren Nutzen beweisen. Das ist richtig, die Erkenntnisse sind schlichtweg noch ziemlich neu. Richtig ist aber auch: Es gibt keine Nachteile und es gibt auch keine Risiken, auch nicht theoretisch, wenn man mal wieder den gesunden Menschenverstand bemüht. Manchmal wird das Argument vorgebracht, es sei natürlich auch ein Mikrobentransfer mit möglicherweise pathogenen Keimen, also Krankheitserregern der Mutter, möglich. Theoretisch ist das natürlich in der Sache richtig. Praktisch aber wäre das Baby eben auch durch die Scheide seiner Mutter ungefragt hindurchgerutscht, wäre es kein Kaiserschnitt geworden, ohne, dass man dann nach einem speziellen Risiko gefahndet hätte. Zudem wird in der Schwangerschaft routinemäßig ein Screening auf Syphillis, Chlamydien, B-Streptokokken, Hepatitis B und oft auch HIV durchgeführt.

Wird das Vaginal Seeding überall gemacht?

Nein. Vor allem wird es Euch ziemlich sicher kaum irgendwo aktiv angeboten, ich ergänze mal: noch. Das ist immer so mit neuen Entwicklungen, die noch nicht Eingang gefunden haben in die gängige Lehrmeinung. Das dauert ein paar Jahre, Studien, klinische Erfahrungen, und es braucht in der Zwischenzeit immer Pioniere, die an die Grundlagen dahinter glauben und unter Abwägung aller Erkenntnisse, Hypothesen und Risiken solche Entwicklungen vertreten und etablieren. Solange es also noch keine qualitymanagementbegeleitete Prozessbeschreibung gibt, die irgendwelchen haftungsrechtlich relevanten Gutachtergremien standhält, wird die offizielle Verlautbarung dazu heißen: Wir empfehlen das nicht, die Zahlen sind noch nicht hinreichend aussagekräftig abgesichert.

Selber Denken ist aber erlaubt.

(Edit am 14.11.2018: Ich habe gerade gesehen, dass es einen relativ neuen deutschsprachigen Artikel aus der Fachzeitschrift Die Hebamme auch frei im Netz zu lesen gibt, den Link dorthin findet Ihr hier.)

Ich kenne mittlerweile Berichte von Frauen, die das dann selbst in die Hand nehmen konnten, denn das geht natürlich. Möglicherweise musst Du auch unterschreiben, dass Du das Vaginal Seeding auf eigenen Wunsch, auf eigene Verantwortung (und möglicherweise gegen ärztlichen Rat) durchführen möchtest.

Manchmal ist ein Kaiserschnitt ungeplant und relativ zügig aus der Geburtssituation heraus nötig. Dann bleibt schlicht nicht genug Zeit für die Vorbereitung des Vaginal Seeding oder andere Prioritäten (etwa das Baby schnell und ohne Verzögerung auf diese Welt zu bringen) sind wichtiger.

Ich hatte einen Kaiserschnitt und wusste nichts vom Vaginal Seeding. Kann ich das irgendwie nachholen?

Ja, das kann man. Je weiter die Geburt zurückliegt, um so weniger notwendig und auch effektvoll wird das sein: Keime, die sich gut etabliert haben, werden immer wesentliche Bestandteile der Stammflora bleiben. Einen wichtigen Beitrag und – wenn man so will – eine natürliche Fortsetzung der vaginalen Bakterien für das Baby ist dann möglichst ausgiebiger Körperkontakt, und zwar unbedingt mit nackter Haut und das Stillen.

Nackte Mama- und Papa-Haut im direkten Kontakt liefert ebenfalls wichtige Hautbakterien. Beim Stillen bekommt das Baby zusätzlich eine mehrfach-täglich-Dosis nützlicher Keime, zum einen über die Haut der Mutter im Mund und auch die probiotische, also ebenfalls keimbesiedelte Muttermilch.

Du kannst Deinem Baby aber auch probiotische Tropfen oder Pulver geben, wenn Du das möchtest oder noch andere Aspekte, wie etwa eine allergisch belastete Familie oder Antibiotika während der Geburt oder der Stillzeit, hinzukommen. In diesen Probiotika sollten Bifidus- und Lactobazillus-Stämme vorhanden sein. Präparate, die für Säuglinge zugelassen sind, sind etwa Bigaia (Lactobacillus reuteri), Omni-Biotic Panda (Lactococcus lactis, Bifidobacterium lactis, Bifidobacterium bifidum) oder Lactobact Baby (Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium breve, Lactobacillus casei), es gibt weitere.

Eine konkrete Produktempfehlungen für Erwachsene, etwa Schwangere, die ihr eigenes Mikrobiom pimpen möchten (etwa bei einer Besiedelung mit B-Streptokokken oder bei einer allergischen Präisposition) wären etwa Nupure probiflor oder, wer Wert legt auf Bio-Qualität, das Edubily Probiotikum. (Werbung ungefragt, unbezahlt, kein Afffiliate).

Eine ausführliche Beschreibung für Fachpersonal oder eigeninitiative Eltern sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis und weitere Zusammenhänge rund um das menschliche Mikrobiom im Kontext Kinderkriegen (vaginale Infektionen, Frühgeburtlichkeit, B-Streptokokken, Mastitisprophylaxe) findet Ihr übrigens auch ausführlich in meinem Buch.

Diesen Artikel hat übrigens meine Tochter illustriert, mit einem sicheren Gespür dafür, was “Bagterien” alles so können. Sie lässt ausrichten: Das eine trägt eine rote Handtasche, das andere eine goldene Krone, ein weiteres schiebt einen Kinderwagen.

Das, was auf den ersten Blick ein unglücklicher Kompromiss aus Alleingeburt und und städteplanerischem Versagen in Sachen Sechsspurigkeit der gängigen Ausfallstraßen anmutet, wird bei genauerem Hinsehen eine echte Alternative für eine selbstbestimmte und autarke Geburt. Immerhin werden in Deutschland schon jetzt über 3.000 Kinder im Jahr ohne geburtshilfliche Versorgung allein geboren. Vorbild-Land Schweden mit seiner maximal zentralisierten Geburtshilfe macht Mut: Da geht noch mehr!

Wie auch in ihren vorangegangenen Büchern zeichnet sich auch dieses durch eine  pfiffige und sehr praktische Umsetzung des neuen Themenfeldes aus. Werdende Eltern erfahren alles, um einen selbständigen und guten Start ins Elternsein zu erleben.

Das reicht von einfachen Tips, wie das Innere eines Autos es mit jedem Kreißsaal aufnehmen kann, wie etwa die smarte Umwidmung der Mittelkonsole als Gebärhocker oder die Möglichkeiten an Lagerungshilfen, die ein Airbag bieten kann. Auch praktische Dinge, an die man möglicherweise nicht direkt denkt, wie etwa das Parken unter Straßenlaternen zur Batterieschonung finden ihren Platz.

Natürlich muss der medizinische Laie auch ein paar fachliche Dinge wissen. Glücklicherweise ist in so einem Auto ja alles da, was gebraucht wird. So erfahren Leserinnen und Leser, wie sich mit wenigen Handgriffen aus dem Inhalt eines Erste-Hilfe-Kastens ein vollständiges Geburtenset improvisieren lässt, dass sich die Scheibenwaschanlagenflüssigkeit durchaus auch aushilfsweise als Händedesinfektionsmittel eignet, wie man mit dem Eiskratzer fachgerecht die Nabelschnur durchtrennen kann und dass sich die Plazenta selbst hervorragend als Wärmeaggregat eignet, um eine inkubatorähnliche Umgebung für ein womöglich frühgeborenes Baby zu schaffen, vor allem bei winterlichen Bedingungen ohne Standheizung.

Auch ein paar schlaue Lifehacks für besondere Situationen sind dabei, wie sich etwa eine mobile Absaugevorrichtung mithilfe der Stromversorgung des Zigarettenanzünders, eines iPhone-Ladekabels und den Strohhalmen vom letzten Schnellrestaurant-Drive-In-Besuches, die noch irgendwo im Fußraum zu finden sein dürften, basteln lässt. Diese Buchteile dürften vor allem für Risikoschwangere wichtig sein und für diejenigen werden Eltern, die sich alternativ besser in einem Perinatalzentrum Level 1 am besten aufgehoben gefühlt hätten.

Getreu der Linie der beiden erfolgreichen Autorinnen finden auch bindungsorientierte Ansätze ihren wohlverdienten Platz: “Erste Bindungserfahrung mithilfe des Sicherheitsgurtes” ist nur ein Beispiel für diese Gedanken, die auch im Auto ihre zielgerichtete Umsetzung finden.

Das ausführliche Inhaltsverzeichnis findet sich hier auf der Verlags-Seite des Buches.

Jens Spahn, den die beiden Autorinnen folgerichtig als Autor des Vorwortes gewinnen konnten, zeigt sich in seinem einfühlsamen Vorwort als Experte. Ganz zutreffend konstatiert er auch an dieser Stelle noch einmal seine Blickrichtung als neuer Gesundheitsminister auf die geburtshilfliche Lage:

„Eine Geburt passiert ja nicht plötzlich und auch nicht alle zwei Wochen. Da kann man schon mal bereit sein weiter zu fahren.“

Recht hat der Mann, halten sich immerhin die Mehrheit von 3 % aller Babies an den errechneten Termin. An dieser Zahl gibt es natürlich Optimierungsbedarf. Spahn zeigt noch einmal auf, wie dies trotz sicher notwendiger Personaleinsparungen zukünftig noch verbessert werden kann, eine Erhöhung der Einleitungsquote und der geplanten Kaiserschnitte sind nur zwei der denkbaren Lösungsansätze.

Vor allem die Zahlen der großen, zentralisierten Geburtskliniken zeigen, dass wir da bereits auf dem richtigen Weg sind.

Alles in allem: Ein gelungenes Buch, das Maßstäbe setzen wird, wie trendgerechtes Auto-Birthing gelingen kann!

5 Sterne!

Weitere begeisterte Rezensionen finden Sie unter anderem hier bei:

Patricia Cammarata dasnuf

Christine Finke Mama arbeitet

Fast alle Frauen bekommen schon zu Beginn der Schwangerschaft von der besten Freundin eine angebrochene, übrig gebliebene  Tüte mit einem Rest dieser Kräuter geschenkt. “Die hier sind gut, die brauchst du!” Aber was genau heißt das? Wozu genau sind sie gut? Himbeerblätter sind in der gesamten Schwangerschaft von Bedeutung. Schon beim Kinderwunsch sind sie Kraut, dass die Gebärmutterschleimhaut weich und aufnahmefähig für eine befruchtete Eizelle,  für dein Baby, machen soll. Demnach sind in der Blätter auch in den meisten Fruchtbarkeitstest oder auch “Nestreinigungstees” enthalten.

Himbeerblätter können die Durchsaftung, so wird es in alten geburtshilflichen Büchern genannt, gut unterstützen.

Sie machen aus deiner Gebärmutter ein gemütliches, weiches Nest für Dein Baby.

Am Ende der Schwangerschaft geht es wiederum um das Weicher-Werden. Hier ist es nun das untere Uterinsegment, also der Gebärmutterhals und der Muttermund, die im Laufe der letzten Schwangerschaftswochen weicher und nachgiebiger werden. So kann Dein Baby tiefer nach unten rutschen und das Gewebe bereitet sich auf das Öffnen während der Geburt vor. Man könnte also sagen dein Baby kommt mit Himbeerblättern gut in deine Gebärmutter hinein und auch gut wieder heraus.

Wirklich geklärt ist die Wirkungsweise von Himbeerblättern auf wissenschaftlicher Ebene nicht. Es gibt keine wirklichen aussagefähigen Studien dazu. Ob die Blätter überhaupt etwas machen oder nicht, und wie genau sie wirken – auch darüber findet man wenig.

Ein interessanter Effekt könnte möglicherweise sein, dass Himbeerblätter eine stabilisierende Wirkung auf die Insulinresistenz und eine leicht blutzuckersenkende Wirkung haben.

Dieser Mechanismus könnte ein Erklärungsansatz sein, wie man die geburtsvorbereitende Wirkung möglicherweise verstehen könnte. Vielleicht hast du auch schon darüber gehört oder gelesen (in meinem Buch habe ich es näher erklärt), dass der Insulinstoffwechsel am Ende der Schwangerschaft tatsächlich wohl eine Wirkung auf die Geburtsreife hat. Einige Autoren gehen sogar soweit, dass sie empfehlen, am Ende der Schwangerschaft auf kurzkettige Kohlenhydrate zu verzichten, weil das möglicherweise einen günstigen Effekt auf die Geburtsreife und damit das in Gang kommen der Geburt haben kann. Ich gehe hier nicht näher darauf ein, weil es ein relativ komplexes extra Thema ist, werde das aber demnächst noch mal tun. (Interessanterweise war genau das heute in meiner #dienstagssprechstunde in der Insta-Story das Thema mit den meisten Nachfragen.)

Und wie soll man nun die Himbeerblätter als Tee trinken?

Wenn du dir den geburtsvorbereitenden Wirkung von den Blättern zu Nutze machen möchtest, ist es sinnvoll einen Tee aus dem Blättern zu kochen, ungefähr ab der 36. Schwangerschaftswoche kannst Du 1 – 2 Tassen davon trinken. In dieser Phase bereitet sich dein Körper natürlicherweise auf die Geburt vor, und genau diese Entwicklung unterstützt Du mit dem Himbeerblättertee. Gibt zwei gehäufte Teelöffel des Krautes auf einen großen Teebecher und lass den Tee 10 Minuten ziehen.

Himbeerblätter sind eher pelzig, sie haben einen feinen Flaum an der Blattunterseite. Dieser lässt die Blätter oft ein wenig “wollig” zusammenhaften, keine Sorge, das gehört so (und es waren keine Motten im Tee). Himbeerblätter schmecken nicht etwa fruchtig (es sind ja auch die Blätter und nicht die Früchte, klaro eigentlich), sondern durch den recht hohen Gerbstoffgehalt relativ herb. Viel feiner schmeckt der Tee, wenn er frisch gekocht (Achtung Thermoskanne) und mit entkalktem Wasser zubereitet ist. Du kannst auch etwas Fruchtsaft oder Honig dazugeben, ganz nach Geschmack.

Mischen mit anderen Kräutern

Du kannst Himbeerblätter auch mit anderen Kräutern mischen, sei es aus geschmacklichen Gründen oder um die Wirkung mit der anderer Kräuter zu kombinieren. In meiner geburtsvorbereitenden Teemischung Guter Hoffnung 2  habe ich die geburtsvorbereitenden Himbeerblätter mit anderen, vor der Geburt ebenso wichtigen Kräutern und Aspekten verbunden. Einer dieser Aspekte ist zum Beispiel: Runterkommen! Auch Ängste oder Sorgen keimen oft in dieser letzten Phase noch mal auf. Was, wenn doch irgendetwas ist? Schaffe ich das alles? Die Geburt – und alles, was dann kommt? Die Nächte sind kurz und unterbrochen, das ist schon mal eine Vorbereitung auf die Zeit nach der Geburt. Hier sind Kräuter, die Körper und Seele entspannen, eine gute Ergänzung zu dem hohen Himbeerblätteranteil! Orangenblüte, Lavendel und Melisse und Johanniskraut sind einige davon. Sie verbinden sich in dieser Mischung und helfen, der Geburt weich und gelassen entgegenzusehen.

Wie auch immer und was die Wissenschaft dazu sagt: Wenn Dir der Tee schmeckt, ist es sicher eine gute Idee, das Ende der Schwangerschaft durchaus mit der einen oder anderen Tasse Kräutertee auch zu zelebrieren. Denn auch das ist sicher ein Teil der Wirkung: Das Ritualhafte, das Innehalten, das bewusste Vorbereiten, für sich zu sorgen, alle diese wichtigen Dinge. Auch das Gefühl, selbst etwas zu tun, um eine “gute Geburt” zu erleben. Und selbst wenn es nur dazu gut ist (ich persönlich bin dennoch sicher, es ist viel mehr als das), ist das doch schon ganz wunderbar!

Hab eine ganz schöne letzte Schwangerschaftsphase, sie ist wichtig, weil danach Großes beginnt!

An diesem Tag legen Frauen, die unter der Geburt Verletzungen durch das Krankenhauspersonal erfahren haben, vor der Kreißsaaltür eine rosa Rose nieder. Als Symbol für die Schönheit und Zartheit ihrer verletzten Frauenseele und ihres Körpers.

Manch eine legt auch einen Brief dazu, in dem die stumme Entrüstung Worte und ein Gegenüber finden kann. Ein Foto davon kann dann über die sozialen Netzwerke verbreitet werden, um dem stillen Leid eine Stimme zu geben.

Bevor Du weiterliest, beachte bitte dies: Dieser folgende Artikel kann auf schwangere Frauen beängstigend wirken, oder Gefühle wieder an die Oberfläche spülen von Erfahrungen, die Du möglicherweise bei einer zurückliegenden Geburt gemacht hast. Überlege also an dieser Stelle, ob Du weiterlesen möchtest, oder Dich vor einem “Zuviel an Information” schützen möchtest.

Genau in diesem Zwiespalt befinde ich mich als Hebamme, vor allem in meiner Arbeit mit Erstgebärenden, permanent.

Ich weiß um die Zustände in den geburtshilflichen Kliniken in weiten Teilen der Republik. Ich habe lange selbst in der klinischen Geburtshilfe gearbeitet. Ich weiß, dass es an vielen unterschiedlichen Punkten wichtig ist, im Vorweg für sich selbst zu überlegen, was man gern möchte und was nicht. Dies auch mit dem Partner (oder der Partnerin) zu besprechen und es gemeinsam dem Klinikpersonal zu kommunizieren.

Wichtiger, als man möglicherweise vorher denkt. Weil es immer noch einen großen Gap gibt zwischen evidenzbasierten Wissen, was eine gute und interventionsarme Geburtsbegleitung ist, das, was man in der Medizin “Goldstandard” nennt und dem, was vielerorts, vermutlich an fast jeder Geburtsklinik in Deutschland in der Praxis immer noch tagtäglich stattfindet. Weil das, was in den Infoabenden der Kliniken oft als “die Athmosphäre einer Haugeburt mit der Sicherheit einer Klinik” verklärt wird, mit der Realität wenig zu tun hat. Es ist das Blaue vom Himmel.

Ich weiß, dass man ein Recht hat auf romantische, unbelastete Vorfreude auf die Geburt.Und ein Recht auf Nicht-Wissen.

Ich weiß, dass Geschichten über die Details, was alles blöd laufen kann unter der Geburt, ängstigen und verunsichern können, und ich als Hebamme möchte in der Vorbereitung auf die Geburt das Gegenteil davon tun.

Vermutlich hat man als Laie mehr Angst vor einer um den Hals gewickelten Nabelschnur (häufig und so gut wie immer vollkommen ungefährlich) oder einem blitzeblau aus der Mutter herausschlüpfenden Baby (häufig und so gut wie immer vollkommen ungefährlich), als vor einer übergriffigen Hebamme oder einem proaktiven Geburtshelfer.

Das ist in etwa so, als hätte man Angst vorm Flugzeugfliegen und nicht davor, mit 180 km/h bei Dauerregen über die Autobahn zu brettern: irrational und gegen die Gesetze der Statistik.

Vor einigen Tagen hörte ich ein bewegendes Radiofeature im Deutschlandfunk von Marie von Kuck. Es wird die Geschichte von .einer jungen Ärztin erzählt, in freudiger Erwartung, die unter der Geburt ein Desaster erlebt.. Sie beschreibt,  wie eine gut, eine physiologisch laufende Geburt durch Interventionen massiv ge- und zerstört wird.

Das Schlimme beim Hören dieser Geschichte ist für mich auch mit all meiner praktischen Erfahrung, dass es ein massives Auseinanderdriften der Wahrnehmung einer Geburt gibt, und dass genau das relativ häufig ist. Die Geburt, von jener Frau als absolutes Trauma erlebt, steht als “Spontangeburt” im Geburtenbuch und Arzt und Hebamme klopfen sich auf die Schultern.

Oft in solchen Situationen eskaliert die Lage mit zunächst harmlos scheinenden Routinemaßnahmen. Da wird die Frau erstmal gebeten sich hinzulegen, “nur fürs CTG”. Sie wird nicht gefragt, in welcher Körperhaltung sie gerade den Wehen am besten begegnen kann. Es wird ein venöser Zugang gelegt, “zur Sicherheit”. Klingt alles gut und nachvollziehbar, kann aber schon die Frau aus ihrem Rhythmus bringen. Eine Geburt ist leicht störbar.

Mit dem Gebären unerfahren, KANN man nicht verstehen, warum so schon eine ungünstige Weiche gestellt wird. Hebammen wissen das, alle, denn das ist Konsens. Das sagt die Lehrmeinung, das sagt die WHO.

Und munter weiter geht es: Durch eine eingeschränkte Mobilität werden die Schmerzen richtig doof, ein Opiat wird gespritzt. Die Wehen lassen durch die Opiatswirkung nach, im Quality-Handbuch-Kreißsaal stehen Vorgaben, wann wie schnell die Muttermundseröffnung fortschreiten muss. Die Geburt kommt ins Schleppen, einWehentropf “nur zur Unterstützung, da fehlt gerade die Kraft” wird angelegt (die häufigste Folge von routinehaften venösen Zugängen übrigens, denn man hat ihn ja schon mal). Dadurch werden die Wehen zwar nicht kräftiger, aber häufiger. Das Kind kriegt Stress. Jetzt erstrecht: Bitte unbedingt liegenbleiben, wir müssen das Kind gut überwachen. Eine PDA wird nötig, und am Ende brauchen dann nicht wenige dieser Geburten handfeste Unterstützung durch einen Saugglocke, oder am Ende doch noch einen Kaiserschnitt.

Das ist genau das, was ich dann eine “schuldhaft vergurkte Geburt” nenne. Hausgemacht. Iatrogen, es gibt sogar ein schickes Fachwort dafür.

Wenn dann noch Worte wie Messer dazu kommen, die der Frau das Gefühl geben, sie sei an allem Schuld (“Nun atmen Sie mal vernünftig, denken Sie mal an Ihr Kind”, “Jetzt müssen Sie wirklich mitmachen, sonst wird das hier nichts” “Pressen Sie mal richtig, wie zum Klo – nee, so doch nicht”) und konkret verletzende medizinische Maßnahmen wie schmerzhafte vaginale Untersuchungen, bei denen der Muttermund gedehnt wird (“gleich hab ich ihn auf”) oder ein Dammschnitt gemacht wird, um das Kind da endlich “rauszuholen”, obwohl er nicht indiziert war (bei nur 5-10 % aller Geburten, das sagen die Studien, ist ein Dammschnitt medizinisch indiziert), mit roher Kraft auf den Bauch der Frau gedrückt wird (“ich helfe mal n bisschen von oben mit”), ist das eingetreten, was man Trauma nennt. Körperverletzung, im wörtlichen strafrechtlichen Sonne, ist es auch sicher nicht selten.

Alles das ist schlimm, so schlimm, dass mir beim Schreiben die Tränen kommen. Das ich mich schäme für alle Kolleginnen und Kollegen, die so arbeiten, ohne etwas dabei zu finden oder es noch nicht mal zu merken (ich weiß gerade nicht, was ich schlimmer finde). Tränen, die ich mit den Frauen weine, um ihre verletzten Körper, ihre Seelen, ihr Recht auf eine achtsam begleitete Geburt.

Alles das findet sich auch in dem drastischen Wort “Birthrape” wieder. Ich finde, das trifft es in diesen Fällen präzise. Es ist Gewalt. Und es ist ein Verbrechen.

Vielleicht hilft das Wissen darum, dass es solche Verläufe gibt, damit Du Dich im Vorwege besser schützen kannst. Benenne Dinge, die Dir wichtig sind, Du wirst in Gesprächen mit Deiner Hebamme, mit geburtserfahrenen Freundinnen, im Geburtsvorbereitungskurs einiges darüber erfahren. Mittlerweile rate ich sogar: Mache das schriftlich, und zwar gemeinsam mit Deinem Partner. Schreibt einen Geburtsplan! (Das Wort ist ein Witz, planen lässt sich natürlich gar nichts) Ihr müsst beide wissen, was Euch (Euch selbst und dem jeweils anderen) wichtig ist, Dein Mann wird möglicherweise derjenige sein, der wichtige Dinge im Kreißsaal kommuniziert. Mischt Euch ein, fragt nach, sagt, was Ihr wollt (und was nicht). Tut es schon im Anmeldegespräch, tut es beim Ankommen mit Geburtsbeginn, tut es bei jedem Schichtwechsel, tut es, wenn der Arzt im Raum ist. Möglicherweise rennt Ihr offenen Türen ein. Vielleicht aber auch nicht, und dann kommt Ihr in der 08/15-Klinikroutine mit Euren individuellen Wünschen leicht unter die Räder.

Wichtig: Man muss so eine Geburt, die jetzt vielleicht nicht die Erfüllung einer Traumgeburt war, im Nachhinein nicht zwangsläufig als “schlimm” wahrnehmen.

Zum Glück. Da helfen uns Endorphine, nicht zuletzt die oxytocingetränkte Situation nach der Geburt, in denen uns vieles egal ist und sich ein gnädiger Schleier des: “Was solls, das war jetzt gerade echt ein Brett und nicht Ponyhof, aber – hier ist mein Baby und ich habe geschafft” über alles legt. Danke, Hormone, die bügeln so manches wieder glatt, und zwar spontan und ohne Psychotherapie.

Wenn Du aber eine solche traumatische Geburtserfahrung gemacht hast, und es auch so empfindest, gibt es Hilfe.

Der erste wichtige Schritt ist es, zu verstehen und anzuerkennen, dass Du traumatisierte worden bist. Es kann sein, dass Du dissoziierte Erinnerungen an die Geburt hast und alles wie durch Glas wahrnimmst, von außen, als sei das alles ein falsche Film. Oder innerlich sogar ganz ausgestiegen bist und einen richtigen “Filmriss” erlebt hast. Oder einfach nur empfindest, dass es das Schrecklichste war, was Dir jemals widerfahren ist. Vielleicht rutscht Du in eine Depression, der Kontakt zu Deinem Baby ist “irgendwie unterbrochen”, Du fühlst Dich schlecht. Sprich mit Deiner Hebamme. Suche Kontakt zu Frauen, die Ähnliches erlebt haben. Und vielleicht, morgen am RoseRevolution Day: Lege eine Rose nieder. dort, wo Dir Leid angetan wurde. Und falls nicht: Meine Rose oben im Bild ist auch für Dich.

Ein wesentlicher Begleiter für diese übermenschliche Aufgabe ist das Oxytocin.

Oxytocin kommt während der Geburt dann ins Spiel, wenn die aktive Geburt begonnen hat, also etwa ab der zweiten Hälfte der Eröffnungsphase. Wörtlich übersetzt bedeutet es »schnelle Geburt«, die Oxytocin-Phase ist also die Phase der Geburt, nachdem die Latenzphase beendet ist und es nun ordentlich zur Sache geht. Es ist ein ganz zentrales Geburtshormon, das nicht nur dafür sorgt, dass deine Gebärmutter kontrahiert und kräftige Geburtswehen macht, es hat auch enorm wichtige psychoemotionale Wirkungen, die für dein Verhalten unter der Geburt und in der gesamten Stillzeit ungemein wichtig für sämtliche Bindungsaspekte sind.

Oxytocin wird verschiedentlich auch »Kuschelhormon« oder »Hormon der Liebe« genannt. In all diesen Kontexten, immer dann, wenn die Natur findet, dass dieses sinnvoll-arterhaltende Verhalten belohnt werden sollte, wird Oxytocin ausgeschüttet. Liebe fühlt sich gut an, auch biochemisch. Oxytocin macht Bindungsverhalten, und das ist ein zentrales Konzept menschlichen Miteinanders, der Fortpflanzung und der Fürsorge für unsere Babys. Im Experiment bewirkt es bei jungfräulichen Schafen Muttertierverhalten, Autisten können plötzlich menschliche Regungen in Gesichtern deuten und sozial interagieren.

Aus uns evolutionsverzärtelten Homo-sapiens-Frauen macht Oxytocin Löwinnen, die Kinder gebären können. Es hebt die Schmerzgrenze, macht uns mutig und versetzt uns in die Lage, alle die, unter modernen Aspekten »Zumutungen« zu nennenden Umstände einer Geburt anzunehmen und in diesen Momenten nicht einmal infrage zu stellen. Es versetzt uns in Gebärtrance, einen wirklich komplett anderen Zustand in irgendeiner Zwischenwelt. Ein psychedelisches Ereignis, das man allen Ernstes auch ziemlich abgefahren-toll finden kann.

Mit Oxytocin bis unter die Hutkante können wir ungebremst schamlos sein, alle Hemmungen über Bord kippen, Zugang zu den Welten zu bekommen, in denen wir komplett instinktgesteuert reagieren – und uns nicht stören lassen von unserem Intellekt, guter Kinderstube oder gar dem dünnen Firnis von »kultiviertem Verhalten«, der über allem liegt. Das Denken hört auf, du kannst dich gehen lassen, alles loslassen, auch dich selbst, und kannst dennoch darauf vertrauen, nicht verloren zu gehen, auch wenn es sich phasenweise so anfühlt, als würdest du den Boden unter den Füßen verlieren.

Ein wichtiger Punkt, den es im Innersten zu verstehen gilt: Frau kann Gebären nicht „machen“. Gebären geschieht uns tatsächlich. Auch wenn gesundes, kraftvolles Gebären von außen bisweilen wild und ungezähmt aussieht, ist wenig Aktionistisches daran. Weder kannst du besonders viel „falsch machen“ noch „richtig“. Es spielen während des Geburtsprozesses tatsächlich in erster Linie die Hebammenvokabeln „Zulassen“, „Loslassen“ und „Gehenlassen“ eine ganz zentrale Rolle. Diese Blickrichtung ist uns modernen Menschen unvertraut, regelrecht unheimlich. Es geht nämlich um so herausfordernde Dinge wie die oben beschriebene Abgabe von Kontrolle, und da wird es uns dann doch ein bisschen mulmig. Wir sind das einfach nicht gewohnt.

Deshalb hilft es, für dieses rückhaltlose Gehenlassen, mit allem, was dazugehört, eine offizielle Experten-Erlaubnis zu bekommen. Die kriegst du hier an dieser Stelle, von deiner Hebamme in deinem Geburtsvorbereitungskurs und dann im Kreißsaal noch ein weiteres Mal. Hebammen wissen, dass Gebären nur so geht. Deshalb reden wir so viel davon.

  • Du kannst stöhnen, in Kopfkissen beißen, ins Badewasser pinkeln, laut jammern, Hände quetschen, schreien, Wimperntusche verschmieren lassen und über allem hoffentlich in Ekstase geraten. Bella figura geht anders, aber darum geht es genau ausnahmsweise eben nicht.
  • Sorge dich noch nicht mal um das richtige Atmen, die richtigen Körperpositionen, die richtige Tonlage oder den passenden Vokal fürs Tönen. Das kommt alles von ganz allein – wenn du es lässt. Das ist kein Eso-Gespinne, das ist wirklich mein voller Ernst.
  • Verlasse dich ein weiteres Mal darauf, dass dein Körper weiß, was er tut. Genau so, wie es dir vermutlich nicht in den Sinn kommt, dich in deinen Verdauungsprozess einzumischen, nachdem du gefrühstückt hast. Dein Körper weiß, wann er welche Magensäfte und Enzyme ausschüttet und wann welche Peristaltik in Gang gesetzt werden soll. Selbst, wenn du dich dann aufs Klo setzt, kämen die wenigsten auf die Idee, den „Geburtsprozess“ mit bestimmten Vorkehrungen oder gar Atemtechniken zu initiieren und zu begleiten. Weil es schlicht nicht notwendig ist. Dein Körper kann das ganz allein. Etwas vereinfacht gesagt, ist Gebären letztlich genau so eine Körperfunktion.

In diesem Zustand von Ekstase, auf dem Höhepunkt der Oxytocinwelle, mündet eine Geburt in den Fetus Ejection Reflex (dazu mehr demnächst mal in einem weiteren Blog-Artikel!).

Auch von den geburtshelfenden Personen, uns Hebammen und den Ärzten, ist Geduld, Zeit und Ruhe gefragt, also ebenfalls eine eher passivische Haltung, weil dieser Prozess von Sich-gehen-Lassen eben enorm störanfällig ist – und diese Art von entrückten Zuständen üblicherweise nicht halb-öffentlich stattfinden. Was ja nicht bedeutet, dass wir nichts »machen«, nur dies eben auch nicht vordringlich im handelnden, aktionistischen Sinn. Im besten Fall schaffen wir den Raum, dass eine Frau sich so gehen lassen kann, und machen uns sozusagen unsichtbar.

In diesem oxytocingeschwängerten, rauschhaften Zustand nimmst du dein Baby in Empfang. Berührst es das erste Mal, so kann man sich nur verlieben! Der ungestörte Hautkontakt hält weiterhin die Oxytocinkaskade in Gang, was super ist für alles, was mit Bindung oder neudeutsch Bonding zu tun hat.

Auch synthetisches Oxytocin, Bestandteil des Wehentropfes, wurde bereits auf seine Wirkung im Vergleich zu natürlichem Oxytocin untersucht. Tatsache ist, dass eine routinehafte oder kritiklose Gabe, wie es mancherorts gehandhabt wird, einen Eingriff in ein fragiles hormonelles Geschehen darstellt, der bislang noch nicht hinreichend in seinen Konsequenzen untersucht ist. Tatsache ist, dass die mütterliche Hormonsituation natürlich auch für das Baby relevant ist, es gibt Hypothesen, dass sie eine starke epigentische Wirkung auf die Stresstoleranz und Bindungsfähigkeit in späteren Lebensjahren haben kann. Sowohl »gar kein Oxytocin« – etwa bei einem Kaiserschnitt – als auch »sehr viel (künstliches) Oxytocin« – etwa bei der Gabe über einen Wehentropf, fast immer notwendig bei einer PDA – scheint auf bisher nicht ganz vollständig geklärte Weise das Bindungsverhalten von Müttern und Babys zu beeinflussen, was man an der Dauer des Im-Arm-Haltens in den ersten Lebenstagen, an der Stilldauer über die nächsten Monate, aber auch an Parametern wie etwa der Häufigkeit von Wochenbettdepressionen ablesen kann.

Dieser Auszug entstammt zum Teil meinem Buch “Guter Hoffnung – Hebammenwissen für Mama und Baby”, das am 4.9.2017 im Kösel-Verlag erschienen ist.

Buchtipp: Michel Odent, Geburt und Stillen – Über die Natur elementarer Erfahrungen, C.H. Beck Verlag, 5. Auflage 2016.

Auch auf youtube gibt es viele tolle Videos von Michel Odents Vorträgen. Sehr berührend und toll, um inspiriert in die Geburt zu gehen.

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Lothian, Judith A., Do Not Disturb, The Importance of Privacy in Labor. The Journal of Perinatal Education, Volume 13, Number 3, 2004, S. 4–6 (3)
Duden, Barbara, Die Kunst zu warten. DHZ 06/2014
Bell, Aleeca F. / Erickson, Elise N. / Carter, C. Sue, Beyond Labor: The Role of Natural and Synthetic Oxytocin in the Transition to Motherhood, J Midwifery Womens Health. 2014 Jan; 59 (1): 35–42.
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