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Magazin . Baby | Das Leben | Geburt | Mama | Schwangerschaft

Das Mikrobiom in Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

Vaginale Gesundheit – wichtig für eine unbeschwerte Schwangerschaft

Die orale Einnahme von Laktobazillen beeinflusst tatsächlich die vaginale Flora: Die Darmbakterien sind nämlich direkt an der Zusammensetzung der Vaginalflora beteiligt. Und diese wiederum ist wichtig für eine gesunde Schwangerschaft!

VON Kareen Dannhauer

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Laktobazil­len produzieren Milchsäure, einige von ihnen auch Wasserstoffperoxid (H2O2). Dieses reguliert den pH­-Wert und wirkt spezifisch als Bakteriozin, macht also die Umgebung ungastlicher für unerwünschte Bakte­rien und Pilze, sogar für Papilloma-Viren. Es schützt die Va­gina vor Fremdbesiedlungen etwa mit dem unerwünschten Gardnerella vaginalis und anderen Keimen, die im Kontext „Frühgeburtlichkeit“ (vorzeitige Wehen und frühe, vorzeitige Blasensprünge) eine Rolle spielen können. Auch bei Besiedelung mit B-Streptokokken können Probiotika einen günstigen Einfluss auf das Keimspektrum nehmen.

Mikrobentransfer unter der Geburt

Während einer vaginalen Geburt kommt das Baby zum allerersten Mal mit Bakterien direkt in Berührung – und es sind die aus der Vagina seiner Mutter und die aus ihrem Darm. Schon lange hängt man nicht mehr dem Ideal einer „keimfreien Geburt“ nach – heute weiß man es besser. Mama knows best – und Deine Bakterien sind das Beste, was es auf diesem Weg bekommen kann.

Muttermilch – ein probiotischer Drink für Dein Baby

Früher hat man angenommen, Muttermilch sei steril, heute weiß man, dass dies ganz und gar nicht der Fall ist. Vor einigen Jahren hat man den so genannten entero-mammary-pathway entdeckt. Darmbakterien gelangen während der Schwangerschaft offenbar mit Hilfe so genannter dendritischer Zellen über die Blutbahn in das Drüsengewebe der Brust und besiedeln es.

Muttermilch ist ein in vielerlei Hinsicht hochkomplexes, für das Baby perfekt zusammengestelltes Nahrungsmittel mit allen erdenklichen Nährstoffen, aber auch unzähligen weiteren zellulären und epigenetischen Informationen. In einem Milliliter Milch sind neben mehr als 10 Millionen Bakterien, vor allem aus den Laktobazillen- und Bifidobakterien-Familien, auch Humane Milch-Oligosaccharide (HMO) enthalten, die die Bakterien „füttern“. Diese machen Muttermilch zu einem prä- und probiotischen Drink und leisten einen wesentlichen Beitrag zur physiologischen Besiedelung des Babydarms.

Das Busen-Mikrobiom und Infektionen

Diese „guten Bakterien“ sind nicht nur ideal für dein Baby, bestimmte Keimstämme (etwa L. salivarius und L. gasseri) können wirksam gegen eine Brustentzündung (Mastitis) sein und ihnen vorbeugen. Studien* haben gezeigt, dass sich der Zustand von Frauen, die diese Bakterien mindestens drei Wochen lang einnahmen, deutlich verbesserte, während sich bei den Placebo-Gruppen nichts Wesentliches änderte.

Vaginal Seeding

Wird ein Baby per Kaiserschnitt geboren, kommt es während der Geburt nicht mit mütterlichen Vaginalkeimen in Kontakt. Es ist bekannt, dass Kaiserschnitt-Babys im Laufe ihres Lebens häufiger unter Allergien, allergischem Asthma, Übergewicht und verschiedenen Autoimmunerkrankungen leiden als Babys, die vaginal auf die Welt gekommen sind.

So wurde von Mikrobiomforschern in den USA vor einigen Jahren die Idee des Vaginal Seeding geboren. Die frisch per Bauchgeburt geschlüpften Babys werden dazu nach der Geburt bereits im OP im Mund, im Gesicht und an den Händchen mit dem Vaginalsekret ihrer Mütter benetzt, um diesen Keimtransfer zu imitieren. Auch einige Kliniken in Deutschland bieten das mittlerweile an. Sollte das aus unterschiedlichen Gründen keine Option sein, ist das BABY FLOR eine Idee, um dies zu ersetzen.

Baby´s Bauch …

Die Besiedelung mit einem besonders günstigen, physiologischen Keimspektrum, das wir von unserer Mutter weitergegeben bekommen, ist tatsächlich die Wiege unserer Mikrobiota, vermutlich lebenslang. Sie ist eine wichtige Voraussetzung für unsere Gesundheit und beeinflusst alle nur denkbaren Organsysteme, von der wichtigen Barrierefunktion der Darmschleimhaut bis zur Gut-Brain-Axis.

Schon allein der Magen-Darm-Trakt eines frisch geborenen Babys muss Enormes leisten: Nahrung aufnehmen, sie peristaltisch weiterleiten, verstoffwechseln, wieder ausscheiden. Es dauert etwa 3 Monate, bis sich diese Vorgänge gut eingespielt haben. In dieser Zeit mühen sich viele Babys mit ihrer Verdauung. Das ist in einem gewissen Rahmen normal und auch nicht therapiebedürftig. Sollten aber gewisse Umstände für eine Dysbiose sprechen, kann die gezielte Gabe gewisser probiotischer Stämme dem Baby beim Aufbau einer gesunden, stabilen Darmflora helfen.

Ein Probiotikum für Mama & Baby

Und weil die Bakterienstämme von schwangerer Frau, stillender Mutter und Baby auf diese wundersame Weise voneinander abhängen und sich bedingen, haben wir ein Probiotikum entwickelt, dass auf diese besonderen Zusammenhänge rund um Schwangerschaft und Geburt abgestimmt ist: Das Baby Flor.

Welche Bakterienstämme sind enthalten?

Lactobacillus rhamnosus

Ein wichtiger Keim der gesunden vaginalen Flora, in der Darmflora ist er assoziiert mit einer positiven Wirkung auf das Immunsystem, vor allem die Inzidenz von Atemwegserkrankungen.

Lactobacillus fermentum

Kommt natürlicherweise in der Muttermilch vor. Dieser Keim konnte in einer Studie Beschwerden durch schmerzhafte Milchstaus, ausgelöst durch Staphylokokken, lindern. Babys profitieren von einer probiotischen Gabe und weisen deutlich weniger Magen-Darm-Infekte im ersten Lebenshalbjahr auf.

Lactobacillus reutreri

Eines der bestuntersuchten Keime mit vielfältigen positiven Wirkungen. Auch er kommt natürlicherweise in der Muttermilch vor, deren Menge ist unmittelbar abhängig von der Anzahl im mütterlichen Darm. L. reuteri produziert Reuterin, ein Bacteriozin gegen schädliche Bakterien (etwa Clostridien) und gegen Rotaviren.

Lactobacillus salivarius

Ist der Signatur-Keim der Darmflora von gestillten Babys.

Bifidobacterium infantis

Dieses Bakterium ist ebenfalls als Probiotikum gegen Mastitiden bekannt. L. salivarius ist zudem ein Keim, der Wasserstoffperoxid (H2O2) synthetisiert, ein wichtiges Bakteriozin für die Vaginalflora und auch für die gesunde Babydarm-Barriere und sein Immunsystem.

Für wen sind die Tropfen?

Diese Tropfen sind ein Produkt für beide, also für Mama und Baby. Gründe, sie gegebenenfalls ergänzend zu eventuell medizinisch verordneten Therapien zu nehmen, können sein:

Mama

  • Alle Themen rund um vorzeitige Wehen oder (drohende) Frühgeburtlichkeit, auch in der Vorgeschichte
  • Wiederkehrende vaginale Infektionen oder Blaseninfekte
  • Infektionen mit B-Streptokokken
  • Nach Antibiotikagabe
  • Bei Brustentzündungen oder wiederkehrende Milchstaus/ Mastitiden, auch in der Vorgeschichte
  • Dosierung: 1-2 x tgl. eine halbe Pipette (30 Tropfen) vor einer Mahlzeit direkt in den Mund tropfen

Baby

  • Nach einer Bauchgeburt (Geburt mit einem Kaiserschnitt)
  • Nach einer Antibiotikagabe unmittelbar vor oder während der Geburt oder später in der Babyzeit
  • Nach wiederholten Candida-Infektionen in der Schwangerschaft
  • Wenn Dein Baby nicht gestillt wird
  • Ergänzend bei Mund- und/ oder Windelsoor
  • Bei „Dreimonatskoliken“, wenn ein Ungleichgewicht der Darmflora dahintersteckt.
  • Dosierung: 1-2 x tgl. eine viertel Pipette (15 Tropfen) vor einer Mahlzeit in den Mund tropfen

30 Tropfen enthalten 1×10^8 KBE

Mama Flor ist ein spezifisches Probiotikum, bestehend aus 10 wertvollen Stämmen verschiedener Bifidusbakterien und Lactobazillen

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Ambulante Geburt

Eine ambulante Geburt bedeutet, dass du dich nach der Geburt noch einige Stunden im Kreißsaal ausruhen kannst, dann aber nicht auf die Wochenbettstation wechselst, sondern nach Hause gehst. Geburten im Geburtshaus sind immer ambulante Geburten, in der Klinik ist das eine Wahloption, wenn die Geburt spontan und gut verlaufen ist.

VON Kareen Dannhauer

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Medizinische Indikationen, die eine ambulante Geburt ausschließen, sind im Prinzip selbsterklärend. Nach einem Kaiserschnitt geht niemand ambulant heim und käme vermutlich auch nicht auf diese Idee. Verstärkte Blutungen der Mutter, Anpassungsstörungen des Babys, Fieber, eine PDA, eventuell ein länger zurückliegender vorzeitiger Blasensprung oder eine Geburtseinleitung können weitere Gründe sein – das Team in der Klinik wird euch dazu beraten.

Eine Bedingung ist immer, dass ihr eine verlässliche Hebammenbetreuung habt – das bedeutet, dass die Hebamme spätestens am folgenden Tag und kontinuierlich für die nächsten Tage zu euch nach Hause kommen kann. Ihr solltet euch zutrauen, allein zu Hause auch mal einige Stunden mit ein paar Fragezeichen zu leben. Warum hat das Baby Schluckauf? Es schläft so lange. Oder viele Stunden gar nicht. Halte ich es so richtig? Es hat schon wieder gespuckt. Diese Dinge sind alle nicht weiter wild (als Hebamme weiß ich das und habe leicht reden), aber diese Unsicherheiten, diese offenen Fragen müsst ihr zu Hause auch aushalten können. Eure Hebamme kommt einmal, manchmal zweimal am Tag bei euch vorbei, die restlichen 23 Stunden werdet ihr irgendwie alleine klarkommen, ihr habt keine telefonische Standleitung oder erreicht sie mitten in der Nacht. Allerdings ist das nach drei Tagen Klinikaufenthalt auch nicht so wesentlich anders. Noch immer werdet ihr das Gefühl haben: »OmG. Und wie macht man das jetzt alles?«

Ambulante Geburten sind toll, ihr könnt die Zeit von Beginn an als kleine Familie in Eurem vertrauten Zuhause verbringen. Viele Umstellungs- und Heilungsprozesse harmonieren schneller und besser. Weil es wegen verschiedener organisatorischer Prozesse im ambulanten Gesundheitswesen – wenige kurzfristige Termine, keine ärztlichen Hausbesuche – und des generellen Hebammenmangels aber zunehmend kompliziert geworden ist, braucht auch das wieder eine gute Vorbereitung und verbindliche Absprachen.

Checkliste ambulante Geburt

  • Kläre mit deiner Hebamme ab– vor allem, wenn es nicht deine Beleghebamme oder deine Hausgeburtshebamme ist, die sowieso Rufbereitschaft für dich hat –, ob sie ambulante Geburten in deinem ET-Zeitfenster betreut und welche organisatorischen Dinge es zu beachten gibt. Auch freiberufliche Hebammen sind nicht 24/7 im Dienst und haben durchaus mal freie Wochenenden, an denen es – aufgrund der sich zunehmend verschlechternden berufspolitischen Situation und durch den allgemeinen Hebammenmangel – möglicherweise keine Vertretung gibt. Rufe oder texte deine Hebamme also unbedingt aus dem Kreißsaal noch mal an, bevor ihr nach Hause geht!
  • In den Schulferien oder an verlängerten Wochenenden findet man in vielen Gegenden der Republik als Hebamme mittlerweile schlicht gar keine Vertretung mehr, weil die Kolleginnen entweder selbst weggefahren oder bis zur Oberkante voll mit Arbeit sind. Andererseits verzichtet eure Hebamme vermutlich auch nicht zugunsten von »Baby X könnte ja geboren werden und die Familie könnte dann ambulant nach Hause gehen« auf ein paar freie Tage am Stück und bleibt nur vorsichtshalber zu Hause. An einem Wochenende ohne Hebamme solltest du aus medizinischer Sicht – das betrifft dich, aber vor allem auch dein Baby – nicht auf eigene Faust ambulant nach Hause gehen.
  • Nach der Geburt werden bei allen Babys in Deutschland einige Untersuchungen standardmäßig gemacht. Sie finden in den ersten Lebenstagen statt, bei einem Klinikaufenthalt noch dort in den ersten drei Tagen. Dies ist zum einen der Bluttest auf verschiedene angeborene Stoffwechselerkrankungen (früher: Guthrie-Test), ein Hörscreening, bei dem die Innenohrschwerhörigkeit sehr früh erkannt werden kann, und die U2, die zweite Untersuchung des Babys nach der Geburt. Wenn ihr also nach Hause gehen wollt, müsst ihr euch darum kümmern, wer diese Untersuchungen entweder bei euch zu Hause oder in der kinderärztlichen Praxis durchführt.
  • Vor allem die Organisation des Stoffwechseltestes ist wichtig, da das Zeitfenster eng und der empfohlene Zeitpunkt sehr früh ist. Zwischen 36 und 72 Stunden nach der Geburt soll dieser Test abgenommen werden, Die U2 kann bis zum 10. Lebenstag durchgeführt werden, der Hörtest auch noch wenige Wochen nach der Geburt, diese beiden sind terminlich also deutlich entspannter. Verlasse dich beim Guthrie-Test auf keinen Fall auf: »Ach, das macht dann schon irgendjemand.« Das Screening auf diese seltenen angeborenen Erkrankungen unterliegen dem Gendiagnostikgesetz und brauchen zwingend eine vorherige Aufklärung, die dokumentiert sein muss. Wenn die entsprechenden »Aufklärungspapiere« von der Kinderärztin nicht da sind, kann und darf deine Hebamme den Test nicht ins Labor versenden, und dann habt ihr am Ostersamstag ein Problem. Je nach Region in Deutschland ist das mehr oder weniger kompliziert und eine Sache mehr, um die du dich im Vorwege unbedingt kümmern musst.
  • Wenn du rhesusnegativ bist, benötigst du vermutlich in den ersten 72 Stunden nach der Geburt eine Anti-D-Serumgabe, um eine Antikörperbildung bei dir zu verhindern. Auch das ist sehr wichtig – und gleichermaßen ärztliche Tätigkeit. Wenn deine Frauenärztin kein Rezept ausstellt oder sich deine Hebamme nicht bereit erklärt, das Serum zu spritzen (weil die Gabe von Seren durch nicht-ärztliche Berufe eine rechtliche Grauzone ist), wird auch das kompliziert oder erfordert einen Klinikaufenthalt bis zu diesem Zeitpunkt.
  • Falls du auf die naheliegende Idee kommst: »Ach, dann fahre ich für solche Dinge einfach noch mal kurz in der Klinik vorbei.« – Das geht leider nicht, weder für den Stoffwechseltest noch für die Serumgabe. Wegen der Abrechnung, wegen der Haftung, irgendetwas in dieser Schublade.

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Checkliste – Klinikkoffer: Luxus-Klopapier und mehr …

Etwa drei oder vier Wochen vor der Geburt kannst du schon mal ein paar Dinge für den großen Tag zusammenpacken. Wenn es losgeht, bist du vermutlich ziemlich aufgeregt und vergisst die Hälfte. Deshalb hier ein kleiner Spickzettel. Schreibe die Sachen, die dir persönlich wichtig sind, noch dazu, und lege ihn auf die Tasche obendrauf. Alles, was noch im täglichen Gebrauch ist, kann dann schnell dazugepackt werden, auch von deiner Begleitperson, wenn du dich um solche Dinge nicht mehr kümmern möchtest.

VON Kareen Dannhauer

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Wenn die Kreißsäle in »deinem« Krankenhaus sehr klein sind, kann es eine gute Idee sein, zwei Taschen zu packen: Eine, die du direkt im Kreißsaal brauchst, und eine weitere für die Wochenbettstation, die mit Babyautositz, Stillkissen und weiteren sperrigen Dinge erst mal im Auto warten kann.

1. Kliniktasche für den Kreißsaal:

  • Ein Mäppchen mit Papierkram: Mutterpass, Krankenkassenkarte. Vielleicht ein Spickzettel aus dem Geburtsvorbereitungskurs, dein Geburtsplan oder weitere Notizen. Dann, für die Geburtsurkunde zur Anmeldung beim Standesamt: Kopien von euren Geburtsurkunden, das Familienstammbuch oder die Heiratsurkunde, wenn du verheiratet bist, oder die Vaterschaftsanerkennung/gemeinsame Sorgeerklärung.
  • Gemütliche Kleidung, und zwar für euch beide.
  • Für dich: weiche Hose mit weichem Bund, B. Yogahose, Leggins etc. Bequemes, weites Hemd oder T-Shirt, das den Po bedeckt. Schlappen. Bademantel oder gemütliche Strickjacke. Warme Socken. Weiches Haargummi bei langen Haaren.
  • (Ersatz)Brille, wenn du eine im Alltag brauchst, auch für Kontaktlinsenträgerinnen.
  • Für deine Begleitperson: Auch sie soll es bequem haben, möglicherweise muss auch sie in verschiedenen Positionen auf dem Bett stundenlang verharren, um dich gut festzuhalten, mit enger Jeans oder Maßanzug geht das nicht gut. Deshalb auch für sie: bequeme Hose, Schlappen, frische Socken, Zahnbürste.
  • Du wirst während des Klinikaufenthaltes mit Essen von dort versorgt, wenn dir danach ist und du dann Lust auf Klinikessen verspürst, was auch immer dich unter dem Plastikdeckel erwartet. Frauen unter der Geburt haben meistens keinen Hunger und beißen höchstens mal vom Apfel ab oder essen einen Löffel Joghurt. Alles Leckere in dieser Snackrichtung, frisches Obst, Saft, Schokolade, Kekse, Energie-Riegel, würde ich lieber mitbringen, um sich nicht komplett auf Angebot und Öffnungszeiten des Klinikkiosks verlassen zu müssen.
  • Tee – in der Thermoskanne– du kannst ihn aber auch in der Klinik frisch von deinem Besuch kochen lassen, auch auf der Wochenbettstation.
  • Begleitpersonen kriegen keine Komplettverpflegung. Damit alle Anwesenden kreislaufstabil und belastbar bleiben, ist manchmal ein Stullenpaket durchaus eine gute Idee. Pizza lässt sich aber auch in den Kreißsaal ordern, fragt die Hebamme bei Bedarf danach. (»Döner mit allem« lieber draußen essen und Kaugummi nicht vergessen.)
  • Mit allem, was du so brauchst. Auch ob und welche Schminksachen für dich dazugehören und welche Sorte Zahnseide: Nimm genau das mit. Dein Nachtserum und dein Glätteisen wirst du sicher in den nächsten Tagen eher vernachlässigen, weil es Wichtigeres gibt. Nicht vergessen: Waschlappen (dick und flauschig), Lippenbalsam, Deo am besten ohne Parfum – dein Baby findet deinen naturgemäßen Hautduft am tollsten!
  • Abteilung Feelgood: Dinge, die »Geburtsatmosphäre« verbreiten. Dazu gehört alles, was schön aussieht, riecht, sich anfühlt, anhört, z. : Musik auf einer Spotify-Playlist, kleine Bluetoothbox. Mixe dir gerne vorher die eine oder andere Kreißsaal-Compilation mit verschiedenen Grundstimmungen. Außerdem nützlich sind Massageöl (z. B. das Geburtsöl von into life), Lieblingsbadezusatz, Massageball, Wärmflasche, Lieblingskuschelkissen, Damm-Massageöl.
  • Eventuell ein Buch, Heft, Tagebuch, Spiel zum Zeitvertreib, wenn die Geburt dauert und dauert … Während der Wehen ist da nicht dran zu denken, aber in Situationen wie einer Geburtseinleitung oder einem Blasensprung ohne Wehen ist so etwas eine hilfreiche Zerstreuung und so viel besser als Smartphone-Daddeln.
  • Smartphone kommt mit, das ist klar, aber während der Geburt bleibt es im Flugmodus oder am besten ganz aus. Mit allen Ladekabeln, In-Ears und Adaptern, die du so brauchst.
  • Das Wichtigste ist: Den Kreißsaalkoffer gleich beim Ankommen auspacken – wichtige Aufgabe der Begleitperson – und in Benutzung nehmen. Musik anmachen, Tee einschenken, Massageöl aufschrauben und in Sichtweite hinstellen. Sonst verrottet alles am Boden in der Tasche, was euch dann aber erst nach der Geburt auffallen wird.

2. Kliniktasche für die Wochenbettstation:

  • Schlafanzüge oder ein paar T-Shirts und Leggins/Yogahosen oder Ähnliches. Bei Oberteilen ist es praktisch, wenn diese sich zum Stillen entweder hochschieben (T-Shirt), aufknöpfen oder mit (tieferem) Ausschnitt über die Brust ziehen lassen. Nimm schöne Sachen mit, in denen du dich wohl- und auch bei Besuch und Visiten nicht total verlottert fühlst.
  • Handtücher.
  • Stoff- oder Strick-Stilleinlagen ausWolle/Seide oder Baumwolle sind in den ersten Tagen viel angenehmer auf der Haut bei empfindlichen Brustwarzen als die Einmal-Einlagen. Letztere wiederum bekommst du im Krankenhaus zur Verfügung gestellt.
  • Zwei Rollen supersoftes, mindestens vierlagiges Toilettenpapier. Im Krankenhaus gibt es meistens nur das dünne, raue mit Schmirgelpapieranmutung.
  • Feuchtes Toilettenpapier, auch in der Flauschig-sensitive-Deluxe-Variante, möglichst ohne Duftstoffe und Co.
  • Tagebuch und Schreibzeug für Listen, Notizen und Gedanken.
  • Nachtlicht, Kopfhörer, Schlafbrille.
  • Thermoskanne, Lieblingstee: Damit kannst du dir auf der Station immer frischen Tee selber kochen.
  • Für dein Baby: etwas Kuscheliges, Nestiges von zu Hause, gern schon »eingeschlafen« mit Mama-Papa-Geruch: ein Lammfell, ein Mützchen, ein Kuscheltier.
  • Eine kleine Baby-Kuscheldecke zum Stillen und Einwickeln auf zugigen Krankenhausfluren.

Für eine ambulante Geburt oder spätestens für den Heimweg:

  • Ein komplettes Set Babykleidung und frische (Umstands-)Kleidung für dich.
  • Baby-Autositz: Probiert den Baby-Autositz-Einbau unter Originalbedingungen unbedingt vorher aus, damit ihr bei der ersten Fahrt wisst, wo und wie man die Gurte einfädelt – und nicht erst bei strömendem Regen auf dem Klinikparkplatz daran herumbastelt. Ist nicht schwer, muss man aber einmal gemacht haben.

Was du in der Klinik nicht brauchst (weil vorhanden):

  • Binden, Stilleinlagen und Einmalhöschen bekommstdu während deiner Klinikzeit von dort. Auch dein Baby hat dort üblicherweise Klinik-Anziehsachen an. Handtücher gibt es zumindest im Kreißsaal, aber besonders groß und flauschig sind die nicht. Letztere also besser mitbringen.

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Ein Geburtsplan

Ein Geburtsplan ist eigentlich natürlich schon ein Widerspruch in sich. Eine Geburt lässt sich nicht planen, gerade das Ungezügelte, Unberechenbare, Kontrollverlustige ist wesentlicher Teil einer Geburt. Du wirst nicht wissen oder in wesentlichen Dingen beeinflussen können, was auf dich zukommt. Dennoch ist es gut, zu träumen, sich Dinge zu wünschen und zu erspüren, was dir wichtig ist – und ein paar Dinge ganz konkret mit dem Klinikpersonal zu besprechen und deine Ideen mit den Vorstellungen deiner Geburtsklinik abzugleichen.

VON Kareen Dannhauer

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Manche Dinge, die du dir wünschst und vorstellst, sind in so manchem Klinikalltag (noch) nicht selbstverständlich, obwohl z. B. die best practice in den Leitlinien etwas anderes sagt. Andere sind leider nicht realistisch mit der derzeitigen Situation im Gesundheitswesen vereinbar, weil der Betreuungsschlüssel oder bauliche Gegebenheiten (z. B. nur eine Badewanne für drei Kreißsäle) bestimmte Dinge nicht erlauben. Aber es ist deine Geburt, und deine Wünsche sind wichtig! Überlege dir also – gern zusammen mit der Person, die dich zur Geburt begleiten wird – so etwas wie eine Wunschversion: Schreibe auf, wie du dir den Verlauf der Geburt vorstellst, welche Wünsche du hast, welche Medikation du in Erwägung ziehst oder ausschließen möchtest, was dir aus dem Geburtsvorbereitungskurs oder Gesprächen mit deiner Hebamme und geburtserfahrenen Freundinnen als besonders wichtig oder eindrucksvoll in Erinnerung geblieben ist.

Welche Form du wählst und was du mit diesem Plan machst, ist individuell verschieden. Manche Paare machen sich eine gemeinsame Liste und kommen dadurch fokussiert ins Gespräch über die herannahende Geburt, auch über alle eigenen Wünsche, Bedürfnisse und vielleicht Sorgen. Je mehr ihr von den Vorstellungen des anderen wisst, umso besser. Du kannst so eine Liste in den Notizen deines Telefons einspeichern, als Spickzettel für euch selbst dann im Kreißsaal, du kannst einen Brief an die Hebamme schreiben oder eine lange detaillierte Liste zum Anmeldegespräch mitbringen. Alles Mögliche kann darin Thema sein: Du hast eine Lieblings-Geburtsposition, wünscht dir eine Wassergeburt, das ganze »Damm-Thema«, was möchte deine Begleitperson sehen oder miterleben oder was eben genau nicht, was möchtest du, was nicht … Und neben allgemeineren Themen gibt es ein paar ganz konkrete Dinge, die du der Hebamme sagen solltest, wenn sie dir wichtig sind.

Mögliche Punkte könnten sein:

  • Ich möchte keinen prophylaktischen venösen Zugang (Flexüle) bekommen.
  • Ich möchte in Bewegung bleiben und auch für ein CTG oder eine vaginale Untersuchung nicht meine Position aufgeben müssen.
  • Ich weiß, dass es Schmerzmittel gibt, und werde danach fragen, wenn ich sie brauche.
  • Wenn ich eine PDA benötige, möchte ich dennoch in meiner Mobilität unterstützt werden.
  • Ich möchte keinen Dammschnitt, wenn es nicht dringend notwendig ist.
  • Ich möchte mein frisch geborenes Baby selbst zu mir nehmen, wenn möglich.
  • Ich möchte keine routinehafte Gabe von Oxytocin zur Plazentalösung bekommen.
  • Ich möchte, dass die Nabelschnur auspulsieren darf oder erst nach der Geburt der Plazenta abgenabelt wird.
  • Und eben alles, was dir wichtig ist.

Wenn du einen Geburtsplan als »Brief an die Hebamme« formulierst, sei dir dessen bewusst, dass die Empfängerin ein Mensch ist, der per se vollkommen auf deiner Seite steht und dessen höchstes Ziel es ist, dir zu helfen und dich zu unterstützen, in allem, was ihm möglich ist, sodass du eine »gute Geburt« erleben kannst. Sei also freundlich und nicht in erster Linie fordernd und schroff.

Manche Geburtspläne im Netz bestehen aus zusammengeklöppelten Foren-Einträgen von 1998, die veraltete Infos enthalten oder Interventionen thematisieren, die seit Jahren in allen Kreißsälen ausgestorben sind und ganz offensichtlich nicht von Fachpersonen zusammengestellt worden sind. Oder die per Google Translate aus dem Amerikanischen übersetzt sind, wo ganz andere Bedingungen gelten als in Deutschland. Kein Baby bekommt mehr schleimhautreizende Augentropfen (Credé-Prophylaxe, bis 1992 gesetzlich verankern, danach abgeschafft), und es ist auch nicht notwendig, darauf hinzuweisen, dass ihr »bei einem Kaiserschnitt nicht möchtet, dass die Gebärmutter entfernt wird«, denn niemand, der noch ganz bei Trost ist, wird das – außer in einer lebensbedrohlichen Notfallsituation – auch nur in Erwägung ziehen. Besprecht diesen Plan dann mit der Hebamme, am besten schon beim Anmeldegespräch einige Wochen vor der Geburt, spätestens dann bald nach dem Ankommen im Krankenhaus.

Deine Begleitperson kann möglicherweise für die Umsetzung einzelner Wünsche gegenüber dem Klinikpersonal eine große Hilfe sein. Gebärende Frauen können während der Geburt nicht diskutieren, falls das notwendig sein sollte, sie sollen sich ungestört dem Gebären hingeben und nicht auf rationalen Ebenen und in akademischen Diskursen unterwegs sein. Und: Sei dir darüber im Klaren, dass es sich um eine Wunschversion handelt und dass es oft ganz anders kommt als gedacht …

 

Magazin . Baby | Das Leben | Geburt | Papa

Männer im Kreißsaal

In heterosexuellen Beziehungen sind in Deutschland fast 90 Prozent der werdenden Väter bei der Geburt dabei. Wenn ich an dieser Stelle von »Männern« schreibe, meine ich in erster Linie den cis-heterosexuellen Mann als Partner der gebärenden Frau, werdende Väter also. Zu queeren Paaren gibt es zur Geburtsbegleitung so gut wie gar keine Literatur. Die Empfindung von erlebten oder zugeschriebenen Geschlechterrollen ist in nicht-heterosexuellen oder nicht-binären Kontexten sehr wahrscheinlich eine andere als die hier beschriebene.

VON Kareen Dannhauer

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Viele Väter möchten die Geburt ihres Babys mit ihrer Partnerin gemeinsam erleben und sie nach Kräften bei dieser harten Geburtsarbeit unterstützen, wenngleich auch gemischte Gefühle durchaus an der Tagesordnung sein dürften. Die meisten dieser Väter beschreiben dies als klaren, eigenen Wunsch. Auch der »gesellschaftliche Druck«, dass es also die statistische Normalität ist, dass Partner ihre Frauen begleiten, spielt natürlich eine Rolle, zumindest wird es Männern dadurch nicht einfacher gemacht, auch ihre Ambivalenzen und Zweifel zu thematisieren. Immerhin 13 Prozent aller Männer sagen, dass ein »Nein« keine ernsthafte Option sei.

Mit »Unterstützung« assoziieren wir oft zuerst Dinge im konkreten und handelnden Sinne. Mache dir bewusst, dass deine Möglichkeiten für die Begleitung einer Geburt im »aktiven Handeln« gleichzeitig sehr begrenzt sind. Für alle geburtsbegleitenden Menschen ist das schwer, das gilt sogar für die professionelle Begleitung.

Das Wesen einer Geburt ist tatsächlich sehr viel passivischer, als es auf den ersten Blick scheint, und zwar für alle Beteiligten: Die große Aufgabe der Frau unter der Geburt ist Loslassen, Geschehenlassen, Kontrolle-Abgeben – oder es sich zu gestatten, sie zu verlieren. Auch für uns Geburtshelfende geht es darum, die Frau in ihrem Gebären zu unterstützen, ohne das intuitive Geschehen zu stören. Das heißt oft: Nicht etwas tun im klassischen Sinn. Das gilt auch für dich: Machen, um das Gebären zu erleichtern, kannst du eigentlich nichts. Das ist ungewohnt, wir haben uns so viele Strategien erarbeitet, um die Kontrolle zu behalten über unser Leben. Bei einer Geburt zerbröselt das alles.

Menschen, die eine Geburt begleiten und die Außenperspektive erleben, nehmen in Kauf, auch Situationen von Überforderung zu erfahren. Sie haben vielleicht zwischendurch Zweifel, dass alles gut läuft, oder dann doch Schiss, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Oder sind einfach unsicher, was denn von ihnen erwartet wird.

Die Aufgabe für die Begleitperson ist das empathische Da-Sein, das Begleiten dieser hoch aufgeladenen, maximal emotionalen Situation. Dazu ist es hilfreich und wichtig, wenn auch du Vertrauen gefunden hast in die Fähigkeit einer Frau zu gebären und in die Robustheit von Babys, geboren zu werden. Und zu verstehen, wie wichtig es ist, dass die gebärende Frau in ihrer Trance unterstützt und beschützt werden muss, damit sie diesen Zustand halten kann. Dafür ist unter anderem ein gemeinsamer Geburtsvorbereitungskurs hilfreich. Sämtliche Unwägbarkeiten, die eine Geburt mit sich bringen könnte, werden dort erklärt, und es werden dabei diverse Mythen und Sagen entzaubert. Das kann ausgesprochen beruhigend sein: Die Nabelschnur um den Hals bedeutet keine Lebensgefahr für das Baby, eine Saugglocke ist kein merkwürdiges Instrumentarium, mit dem das Baby aus den Tiefen der Frau herausgezogen wird, es spritzt auch kein Blut, und das Baby kann nicht im Geburtskanal stecken bleiben.

In einem Geburtsvorbereitungskurs erfährst du wichtige Dinge über die Intensität einer normalen, aber auch heftigen Geburt. Du bekommst eine Ahnung davon, wie Wehen eine Frau und ihr Verhalten verändern, wie ekstatisch und laut eine Geburt sein kann, eben davon, wie sich kraftvolles, gesundes Gebären anhört und darstellt. Und das ist gut zu wissen, damit du wirklich realistisch einschätzen kannst, was da auf dich zukommt – und dass das ganz normal und vollkommen gesund ist. Wissen hilft.

Dennoch macht Nichtstun oft hilflos. Rechne also mit dem Gefühl von »daneben stehen und nichts tun können« – das ist, je nach Persönlichkeitsstruktur, für nicht wenige Männer (und Frauen) eine wirkliche Herausforderung. Vor allem in der Übergangsphase, in der Frauen wirklich das erleben, was man gemeinhin »Grenzerfahrung« nennt, und manchmal sehr intensiv an dem Punkt kämpfen, an dem es »um alles geht«. Manche Frauen wollen dann kurzfristig einen Kaiserschnitt oder mindestens eine PDA, nach Hause oder wahlweise auch sterben. Das aus dem Mund der geliebten Frau zu hören, ist sicher wirklich heavy. 80 Prozent aller Männer geben an, davor Respekt zu haben – kein Wunder. Und doch: Vertraue. Auch das gehört dazu.

Du hast Anteil an einem wahrhaft archaischen Erlebnis und bist selbst Teil davon. Es ist eine starke gemeinsame Erfahrung, die euch miteinander verbindet. Du musst keine bestimmte Rolle erfüllen, du bist einfach da und Teil des Ganzen.


Ganz praktische Dinge für alle Begleitpersonen im Kreißsaal

  • Als Allererstes: Richte den Kreißsaal mit allem ein, was ihr mitgebracht habt, das volle Programm: die richtige Playlist aktivieren, Massageöl auspacken und aufschrauben, Kerze anzünden, Tee einschenken, Kissen aufschütteln, Licht dimmen. Nehmt den Kreißsaal in Beschlag, und bringt etwas Eigenes, Lebendiges hinein. Mach dich nützlich – das hilft, die Anfangsnervosität abzubauen.
  • Bitte die Hebamme um einen Pezziball und eine Matte sowie um so viele Kissen wie möglich und richte auf dem Fußboden eine »Wehenlandschaft« ein, die mehr parat hält, als nur »im Bett liegen«. All das habt ihr in einem guten Geburtsvorbereitungskurs gelernt.
  • Transparenz und Kommunikation ist wichtig. Wenn du ernsthafte Sorgen hast, »ob alles okay ist«, zögere nicht und stelle der Hebamme diese Frage. Am besten draußen vor der Tür.
  • Eine Geburt kann dauern– lange. Kläre mit dem Personal, wo es auch für dich einen Platz gibt, an dem du dich ausruhen und Kraft schöpfen kannst, dich erfrischen, etwas essen, duschen, einen Espresso trinken. Gönne dir Pausen, wenn du sie brauchst, gehe zwischendurch an die frische Luft, und lasse dir kurz den Kopf frei pusten, wenn dir danach ist. Sage immer der Hebamme Bescheid, damit sie weiß, dass deine Frau gerade allein ist.
  • Wenn die Geburtssituation festgefahren erscheint und du durch das, was du zum Beispiel im Geburtsvorbereitungskurs oder irgendwo sonst gehört hast, den Eindruck hast, ein Ortswechsel (zum Beispiel in die Badewanne oder auf den Pezziball) oder eine andere Körperhaltung (knien, Vierfüßler) könnte die eingefahrene Situation wieder beleben – schlage das ruhig vor. Gebärende Frauen sind in der Situation manchmal nicht so besonders kreativ. Und frage auch die Hebamme konkret danach.
  • Was du noch tun kannst: Hilfe bei Lageveränderungen und Wehenpositionen, beim Aufstehen, beim Gang zur Toilette. Die Lippen, das Gesicht, die Stirn mit einem dicken Waschlappen kühlen oder befeuchten, das Kreuzbein massieren – möglicherweise Stunden am Stück –, Schmerzpunkte massieren. Festhalten, motivieren, anspornen, beschwichtigen, bestärken. Mitatmen, Halt geben, liebkosen, Hand halten. Äpfel schütteln. Wasser oder Tee anbieten.

Alles Wohlmeinende kann in dieser Grenzsituation aber auch einmal zu viel sein: Rechne dabei durchaus mit unwirschen Reaktionen (»Atme mich nicht so an!«, »Nicht anfassen!«). Gebärende geben sehr authentische Hinweise, was gerade guttut – und was nicht. Und manchmal ist dann Still-daneben-Sitzen eben genau das, was gerade richtig ist.

Eine Geburt ist ein tief berührendes Erlebnis, und das auf allen denkbaren Ebenen in ungeahnter Intensität. Wenn ihr den Weg geht, sie zu teilen, ist es auch eine starke gemeinsame Erfahrung, die euch lebenslang begleiten wird.


Erfahrungen von Vätern

Es gibt nicht besonders viele Untersuchungen, die sich systematisch mit dem Geburtserleben von Vätern beschäftigen. Ein paar Zahlen und Fakten aus Befragungen von Vätern sind aber bestimmt interessant:

  • Die meisten Väter haben intensive und positive Erfahrungen: 98 Prozent sagen, sie seien glücklich, dabei gewesen zu sein. Sie schildern intensive Gefühle von Freude, Erleichterung und Rührung. Viele Männer sagen, ihre Teilhabe bei der Geburthabe ihren Respekt gegenüber ihrer Partnerin erhöht.
  • Auch die Gleichzeitigkeit ganz unterschiedlicher oder gar konträr empfundener Emotionen ist typisch für eine Geburt, für alle Beteiligten. Dies trägt auch dem Rechnung, was Väter berichten: Neben den oben genannten 98 Prozent, die die Geburt insgesamt großartig fanden, sagen 56 Prozent ebenfalls, ihre überwältigendste Erinnerung an die Geburt sei die an den Schmerz, den ihre Partnerin ertragen musste, und die eigene Unfähigkeit, ihr dabei zu helfen. Auch negative Gefühle kommen durchaus vor: Hier werden Angst um das Leben von Frau und Kind, Schock, Hilflosigkeit am häufigsten genannt. Gegenüber dem neugeborenen Kind dominierte meist tiefe Freude und Rührung – es traten aber auch Hilflosigkeits- und Entfremdungsgefühle auf. Eher selten – aber auch das gibt es – wurden Erschrecken über den Anblick der Vulva bei der Geburt, das Blut, die Plazenta oder das Aussehen des Neugeborenen geäußert.
  • Männerversuchen tendenziell, die eigenen negativen Gefühle vor ihren Partnerinnen zu verstecken, um diese nicht noch zusätzlich zu belasten. Wahrscheinlich klug in diesem Moment.
  • Männer scheinen nach der Geburt eher nicht die Kriterien für eine Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) zu erfüllen, bei Frauen ist das zu 1 bis 3 Prozent der Fall.
  • Einzelne Symptome (z.  Déjà-vus nach Triggerreizen, Derealisationsgefühle, Entfremdung, Einschränkung emotionaler Reaktionen) werden gelegentlich berichtet. Ein höheres Risiko besteht bei Männern, die sich zur Anwesenheit bei der Geburt gedrängt fühlten.
  • Eine PDA für die Frau reduziertStress und Angst für die Männer und verbessert ihre Zufriedenheit mit dem Geburtserlebnis.
  • Einige Männer berichten genau dazu von einem Loyalitätskonflikt: Sie wünschen sich einerseits eine schnelle Beendigung des angenommenen Leidens der Frau. Nicht wenige Frauen aber wünschen sich explizit eine Geburt ohne PDA. Gerade dann, wenn Frauen sehr in Gebärtrance sind und scheinbar nicht mehr gut rational zugänglich, fürchten Männer, die Situation nicht richtig einschätzen zu können und vielleicht gegenüber dem Klinikpersonal Maßnahmen einzufordern oder ihnen zuzustimmen, die ihre Frau ursprünglich nicht gewollt hat.
  • Das fast schon standardisiert-symbolhafte Durchschneiden der Nabelschnur durch den Vater wurde von immerhin 10 Prozent der befragten Männer nicht gewollt.

Offenbar gibt es aber neben aller Liebe auch größere geschlechtsbezogene Unterschiede in der Geburtsbegleitung durch Männer oder durch Frauen, als man annehmen möchte:

Weibliche Begleitpersonen, vor allem gebärerfahrene Frauen, haben offenbar besonders gute Qualitäten, eine Frau bei der Geburt zu unterstützen. Beobachtungsstudien zeigen, dass begleitende Frauen tatsächlich mehr Zeit mit der Gebärenden verbringen, sie viel mehr berühren und mehr mit ihr sprechen als männliche Partner (95 Prozent vs. 20 Prozent der Zeit). Über die Gründe könnte man spekulieren: Schöpfen diese begleitenden Frauen aus ihrer eigenen Geburtserfahrung und wissen vielleicht besser, was ihnen gutgetan hat oder hätte? Sind Frauen empathischer? Haben Frauen weniger Angst vor körperlicher und emotionaler Intensität? Begleitende Frauen nehmen beim Voranschreiten der Geburt und der Intensivierung der Wehen auch zunehmend Kontakt zur Gebärenden auf, während männliche Partner dazu neigen, sich gerade dann zurückzuziehen oder sogar den Kreißsaal zu verlassen. Wenn während der Wehen eine kundige weibliche Begleitperson (z. B. eine Doula) präsent ist, verhalten sich Männer gegenüber ihren Partnerinnen stärker unterstützend, als wenn keine Geburtsbegleiterin anwesend ist, und die Geburt verläuft mit signifikant weniger Interventionen.

Vielleicht kann auch das eine Idee sein: ein Begleitungsteam. Vielleicht fühlt es sich gut für euch an, wenn deine Schwester, beste Freundin oder Doula zusammen mit dem Vater die unterstützende Begleitung ist? Überlegt gemeinsam, ob das ein entlastender Gedanke sein kann.

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Vaginal Seeding

Schon wieder so etwas Neumodisches, von dem man noch nie gehört hat. Es gab bislange wenige der #dienstagssprechstunden, die so viel Resonanz ausgelöst haben, wie die in der vergangenen Woche zum Thema Vaginal Seeding.

VON Kareen Dannhauer

into-life-into-life-

Vielleicht auch, weil es erstmal einen spektakulären Versuchsaufbau beschreibt, der mit Körperflüssigkeiten zu tun hat. Auf die geweckte Neugier konnte ich also eigentlich wetten. Und sicher auch deshalb, weil es auch irgendetwas mit dem „Mikrobiom“ (der Gesamtheit aller Bakterien im und am Menschen) zu tun hat, dem heißesten Scheiß gerade in der Medizin, der spätestens seit Giulia Enders´ „Darm mit Charme“ auch  im Mainstream-Bewusstsein angekommen ist.

Vaginal Seeding ist komplex. Es offenbart in dem großen Buch namens “Was hat die Natur sich wohl dabei gedacht” viele kleine Puzzleteile, die sich auf eine Weise zusammenfügen, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommt.

Was ist Vaginal Seeding?

Vaginal Seeding heißt wörtlich übersetzt vaginale Aussaat. Esbeschreibt den Prozess, unmittelbar nach einer Kaiserschnitt-Geburt die frisch geschlüpften Babys mit den vaginalen Bakterien der eigenen Mutter in Kontakt zu bringen. Dazu wird vor dem Kaiserschnitt ein Tupfer in die Vagina gelegt, der sich dann eine Stunde mit den gesunden Vaginalkeimen besiedeln kann. Mit diesem Tupfer wird dann das Baby unmittelbar nach der Geburt vor allem im Mund, im Gesicht und an den den Händen eingerieben.

Wie kam man darauf?

Schon lange weiß man, dass Kaiserschnitt-Babys im Laufe ihres Lebens häufiger unter Allergien, allergischem Asthma, Übergewicht und verschiedenen Autoimmunerkrankungen (etwa Diabetes Typ I oder Moorbus Crohn) leiden, als die Babys, die vaginal auf die Welt gekommen sind. Man wusste nur nie genau, warum. In den letzten 10 Jahren ist die Bedeutung des Mikrobioms intensiv beforscht worden, nicht zuletzt, weil die Labordiagnostik schneller, besser und billiger geworden ist. So weiß man mittlerweile um die Wichtigkeit der Darmflora und kann auch genau differenzieren, welche Keime welche besonders tollen Eigenschaften haben. Und wie sich die Flora von gesunden und kranken Menschen unterscheiden.

Kaiserschnittbabys, das ist in diesem Zusammenhang der entscheidende Unterschied, kommen während der Geburt – wie bei einer vaginalen Geburt zwangsläufig und intensiv – nicht mit den mütterlichen Bakterien, die in der Scheide gesunderweise reichlich vorhanden sind, in Kontakt. Kurioserweise sind sowohl in der Scheide als auch in der allerersten Babydarmflora Lactobazillen die sinnvolle Stammbesetzung.

In den verschiedenen Untersuchungen hat man herausgefunden, dass Kaiserschnittbabys “ohne” Vaginal Seeding noch Jahre nach der Geburt einen anders zusammengesetzte Darmflora aufweisen, als Babys, die spontan geboren werden. Die ersten Bakterien scheinen extrem wichtig zu sein. Sie haben beim “jungfräulichen Baby” den großen Startvorteil, sie sind die ersten, die das Territorium erobern und sich etablieren können, vermutlich mit lebenslangen Folgen für die Zusammensetzung der Darmflora. Die Darmflora von Kaiserschnittbabys ähnelt tatsächlich mehr der Hautflora des Klinikpersonals als dem der eigenen Mutter.

Diese und andere spektakulären Erkenntnisse wurden mittlerweile in renommierten Fachblättern publiziert und öffnen einen ganz neuen Blick auf dieses Thema. Toll ist auch die mehrfach preisgekrönten Dokumentation Microbirth die sich der Erforschung dieser spannenden Zusammenhänge widmet.

Was sind die Risiken?

In den offiziellen Statements, ob Vaginal Seeding generell zu empfehlen sei, werden eher zurückhaltende Aussagen gemacht. Meistens heißt es, es gäbe dazu noch zu wenige Studien, die den sicheren Nutzen beweisen. Das ist richtig, die Erkenntnisse sind schlichtweg noch ziemlich neu. Richtig ist aber auch: Es gibt keine Nachteile und es gibt auch keine Risiken, auch nicht theoretisch, wenn man mal wieder den gesunden Menschenverstand bemüht. Manchmal wird das Argument vorgebracht, es sei natürlich auch ein Mikrobentransfer mit möglicherweise pathogenen Keimen, also Krankheitserregern der Mutter, möglich. Theoretisch ist das natürlich in der Sache richtig. Praktisch aber wäre das Baby eben auch durch die Scheide seiner Mutter ungefragt hindurchgerutscht, wäre es kein Kaiserschnitt geworden, ohne, dass man dann nach einem speziellen Risiko gefahndet hätte. Zudem wird in der Schwangerschaft routinemäßig ein Screening auf Syphillis, Chlamydien, B-Streptokokken, Hepatitis B und oft auch HIV durchgeführt.

Wird das Vaginal Seeding überall gemacht?

Nein. Vor allem wird es Euch ziemlich sicher kaum irgendwo aktiv angeboten, ich ergänze mal: noch. Das ist immer so mit neuen Entwicklungen, die noch nicht Eingang gefunden haben in die gängige Lehrmeinung. Das dauert ein paar Jahre, Studien, klinische Erfahrungen, und es braucht in der Zwischenzeit immer Pioniere, die an die Grundlagen dahinter glauben und unter Abwägung aller Erkenntnisse, Hypothesen und Risiken solche Entwicklungen vertreten und etablieren. Solange es also noch keine qualitymanagementbegeleitete Prozessbeschreibung gibt, die irgendwelchen haftungsrechtlich relevanten Gutachtergremien standhält, wird die offizielle Verlautbarung dazu heißen: Wir empfehlen das nicht, die Zahlen sind noch nicht hinreichend aussagekräftig abgesichert.

Selber Denken ist aber erlaubt.

(Edit am 14.11.2018: Ich habe gerade gesehen, dass es einen relativ neuen deutschsprachigen Artikel aus der Fachzeitschrift Die Hebamme auch frei im Netz zu lesen gibt, den Link dorthin findet Ihr hier.)

Ich kenne mittlerweile Berichte von Frauen, die das dann selbst in die Hand nehmen konnten, denn das geht natürlich. Möglicherweise musst Du auch unterschreiben, dass Du das Vaginal Seeding auf eigenen Wunsch, auf eigene Verantwortung (und möglicherweise gegen ärztlichen Rat) durchführen möchtest.

Manchmal ist ein Kaiserschnitt ungeplant und relativ zügig aus der Geburtssituation heraus nötig. Dann bleibt schlicht nicht genug Zeit für die Vorbereitung des Vaginal Seeding oder andere Prioritäten (etwa das Baby schnell und ohne Verzögerung auf diese Welt zu bringen) sind wichtiger.

Ich hatte einen Kaiserschnitt und wusste nichts vom Vaginal Seeding. Kann ich das irgendwie nachholen?

Ja, das kann man. Je weiter die Geburt zurückliegt, um so weniger notwendig und auch effektvoll wird das sein: Keime, die sich gut etabliert haben, werden immer wesentliche Bestandteile der Stammflora bleiben. Einen wichtigen Beitrag und – wenn man so will – eine natürliche Fortsetzung der vaginalen Bakterien für das Baby ist dann möglichst ausgiebiger Körperkontakt, und zwar unbedingt mit nackter Haut und das Stillen.

Nackte Mama- und Papa-Haut im direkten Kontakt liefert ebenfalls wichtige Hautbakterien. Beim Stillen bekommt das Baby zusätzlich eine mehrfach-täglich-Dosis nützlicher Keime, zum einen über die Haut der Mutter im Mund und auch die probiotische, also ebenfalls keimbesiedelte Muttermilch.

Du kannst Deinem Baby aber auch probiotische Tropfen oder Pulver geben, wenn Du das möchtest oder noch andere Aspekte, wie etwa eine allergisch belastete Familie oder Antibiotika während der Geburt oder der Stillzeit, hinzukommen. In diesen Probiotika sollten Bifidus- und Lactobazillus-Stämme vorhanden sein. Um unterschiedliche Stämme und den wesentlichen Signaturkeimen einer gesunden Baby-Darmflora in ein Produkt zu packen, das sich zudem leicht anwenden lässt, habe ich das MAMA BABY FLOR mit einer praktischen Tropf-Pipette entwickelt. Es kann von Müttern und Babys gleichermaßen genommen werden.

Und schon in der Schwangerschaft kannst Du dafür sorgen, Dein eigenes Mikrobiom gesund und artenreicht aufzubauen, bei bestimmten Indikationen (etwa bei einer Besiedelung mit B-Streptokokken, gehäuften vaginalen Infektionen oder bei einer allergischen Prädisposition) ist das eine besonders gute Idee. Auch hier gab es keine so richtig guten Kombi-Produkte mit allen guten Stämmen, die rund um die Geburt eine wichtige Rolle spielen. Daher auch hier: gibt es unsere eigens entwickeltes MAMA FLOR in Kapselform zum schlucken. Auch eine vaginale Anwendung ist möglich.

Eine ausführliche Beschreibung für Fachpersonal oder eigeninitiative Eltern sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis und weitere Zusammenhänge rund um das menschliche Mikrobiom im Kontext Kinderkriegen (vaginale Infektionen, Frühgeburtlichkeit, B-Streptokokken, Mastitisprophylaxe) findet Ihr übrigens auch ausführlich in meinem Buch.

Diesen Artikel hat übrigens meine Tochter illustriert, mit einem sicheren Gespür dafür, was “Bagterien” alles so können. Sie lässt ausrichten: Das eine trägt eine rote Handtasche, das andere eine goldene Krone, ein weiteres schiebt einen Kinderwagen.

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Schneller mit Kristeller

Der Geburtshelfer Samuel Kristeller beschrieb 1867 zum ersten Mal einen Handgriff, der am Ende der Geburt für ein schnelleres Herausschlüpfen des Babys sorgen sollte, und der bis heute angewandt wird. „Kristellern“bedeutet also: Dieses Manöver anwenden.

VON Kareen Dannhauer

into-life-into-life-

Dabei wird – meistens vom geburtshelfenden Arzt oder Ärztin – während der Wehe kräftiger Druck auf den oberen Teil der Gebärmutter ausgeübt. Je nach “Technik” des Anwenders geschieht dies entweder mit beiden Händen oder mit dem gesamten Unterarm. Um die aufgewendete Kraft zielgerichtet zu nutzen, ist ein guter Winkel notwendig, deshalb stellen sich die Anwender dazu oft auf ein Treppchen neben der Frau. Wird mit dem Unterarm kristellert (speziell an diesem Vorgehen gibt es die meiste Kritik, da weniger zielgerichtet gedrückt werden kann), greift sich der/ die AnwenderIn das Bettlaken auf der gegenüberliegenden Seite des Bettes, um einen kraftvollen Hebel zu haben.

Es ist also tatsächlich einer der wenigen Momente in der Geburtshilfe, wo wirklich Kraft ausgeübt wird.

Genau deshalb hat Kristellern keine besonders gute Lobby und ist kritisch zu hinterfragen: Frauen empfinden es oft als ausgesprochen übergriffig, fühlen sich ausgeliefert, manchmal empfinden sie diesen Eingriff auch als ziemlich schmerzhaft. Selbst die Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe warnt davor, die WHO empfiehlt es auch ausdrücklich nicht. Die Studienlage ist gemessen an der Häufigkeit der Anwendung erschreckend dünn.

Manchmal wirkt es tatsächlich, wie ein  hilfloser Versiuch “irgendetwas” zu tun, um die Geburt zu beschleunigen. Mancherorts wird der Handgriff auch relativ routinehaft eingesetzt, einfach nur deshalb, weil es dann “schneller” geht. Blinder Aktionismus ist natürlich selten gut. Denn natürlich braucht es eine handfeste Indikation, etwa kindlicher Stress, die ein Eingreifen rechtfertigt, und eine mütterliche Aufklärung und Einwilligung.

Letzte Woche habe ich mich mit Isabel von Littleyears über das Kristellern unterhalten. Isabel hat selbst dieses Kristller-Manöver erlebt und schreibt in einem Blogartikel anlässlich des Roses Revolution Day, der internationale Aktions- und Gedenktag  gegen Gewalt in der Geburtshilfe.

Das Interview folgt nun hier unten, den Blogartikel auf Littleyears lest Ihr hier.

Liebe Kareen, ist es wirklich so, dass der Kristeller Handgriff in vielen anderen Ländern verboten ist? Wenn ja, wie kann es sein, dass er hierzulande so populär ist?

Dass er verboten ist, habe ich tatsächlich noch nicht gehört und auch auf die Schnelle zumindest nichts dazu gefunden. Es ist aber schon ein besonderes Phänomen, dass es für diesen Handgriff wirklich nur ganz wenig Literatur gibt, also so wenig mit klaren Evidenzen belegt wird. Wenn man das ins Verhältnis dazu setzt, wie häufig es dann doch in den Kreißsälen gemacht wird, ist das in heutigen Zeiten schon wirklich ungewöhnlich, weil es ungefähr gar nichts mit dem Goldstandard der “evidence-based medicine”, die angestrebt wird, zu tun hat. Und: Es ist in Deutschland mit Sicherheit mehr verbreitet als irgendwo sonst.

Kristellern wird tatsächlich, so habe ich das in der Praxis jedenfalls erlebt, oft noch nicht mal besonders dokumentiert und läuft so ein bisschen unter “erweitertes Handauflegen” nach dem Motto “Wir helfen mal ein bisschen von oben”. Das ist mit Sicherheit mindestens eine Bagatellisierung eines umstrittenen Eingriffs. Es ist so ein bisschen Reptilienmedizin: Wir machen da mal was, um überhaupt etwas zu machen und weil wir das schon immer so machen – aber ob das überhaupt sinnvoll ist oder ob man gar ganz erhebliche Nebenwirkungen riskiert – das schauen wir uns nicht so genau an. Eigentlich gibt es so eine Herangehensweise in der modernen Medizin gar nicht mehr, das ist schon wirklich ziemlich erstaunlich.

Auch in der Fachliteratur taucht das Kristellern vorwiegend als anekdotisches Besipiel für umstrittene Inetrventionen und gut zu überlegende Manöver auf – oder in den Schilderungen von Frauen, wenn diese besonders verletzende oder traumatisierende Geburtserfahrungen gemacht haben.

Subjektiv wird es in diesen letzten Fällen dann tatsächlich ganz, ganz oft als massiver Übergriff erlebt und mündet dann in dem Satz: “Und dann hat sich der Arzt auf meinen Bauch geworfen.”

Ich habe den Griff bei mir selbst zwar auch als schmerzhaft und irgendwie „brutal“ empfunden, jedoch wurde mir glaubhaft die Notwendigkeit erklärt. Warum werden so wenige Frauen darauf vorbereitet, warum spricht man nicht mit ihnen, warum kommt es nicht im Geburtsvorbereitungskurs vor?

Im Geburtsvorbereitungskurs sind wir Hebammen ja in der besonderen und sehr schmalgradigen Situation, den Paaren zwei Dinge mitzugeben: Erstens das Vertrauen in eine gute Geburt, weil Frauen das nunmal können, gebären. Angst nehmen ist auch ein wirklich wichtiger Ansatz. Ich habe schon in Hypno-Birthing-Kursen hospitiert, in denen Paare saßen, die sich ganz bewusst gegen einen “klassischen” Geburtsvorbereitungskurs entschieden haben, um nicht mit zuviel Wissen, Kopf-Futter also, überfrachtet zu werden und sich damit aus dem Zustand der angstfreien Zuversicht herauszukatapultieren.

Ich verstehe diesen Ansatz total und teile ihn auch durchaus auch in mancher Hinsicht. Gleichzeitig und zweitens weiß ich auch, was geschehen kann, wenn Paare total naiv und blauäugig in den Kreißsaal kommen und eine etwas überromantisierte Vorstellung haben von der Realität in deutschen Geburtskliniken.

Es ist in der Geburtsvorbereitung auch unsere Aufgabe, das zu tun was der Name verspricht: die Leute gut vorzubereiten. Das heißt auch, eine informierte Basis für Entscheidungen herzustellen, die vermutlich nicht ganz Augenhöhe bedeutet, aber eben eine gemeinsame Vison von Geburt klarer formuliert.

Wenn ich aber alles an nur denkbaren (und teilweise auch ganz und gar nicht seltenen) Maßnahmen, Szenarien, medizinischen Interventionen aufzähle, kann das beide Ansätze miteinander in Konflikt bringen und hier und da auch abschreckend wirken, so dass Gefühl aufkommen kann: Oh Gott, was machen die den da in den Kliniken? Hoffentlichen bekomme ich da nicht grundlos eine Geburtseinleitunginleitung, eine PDA, einen Damm- oder Kaiserschnitt verpasst! Da kann man ja nur bis an die Zähne bewaffnet mit guten Argumentationssträngen hingehen, sonst kommt man da ja unter die Räder.

Und das torpediert natürlich das eben gesagte “Vertrauensding”, auch den begleitenden Personen, also dem Klinikpersonal gegenüber. Dieser Balanceakt ist also nicht immer so leicht, deshalb lässt man vielleicht auch mal das eine oder andere Detail weg.

Zudem betreffen solcherlei Interventionen manchmal auch Szenarien, in denen eine ganz kurzfristige medizinische Entscheidung getroffen wird oder getroffen werden muss und die Frauen in der Situation dann mit einer Entscheidung eh “draußen” sind und nicht mehr wirklich gefragt werden. Wenn man so will, ist Kristellern dann eine Notfallindikation und es wird üblicherweise auch nicht mehr diskutiert.

Du hast es so erlebt, dass Du vertrauensvoll aufgehoben warst, fühltest Dich respektiert und gesehen. Das zeigt eben, dass es oft wirklich um das “wie” geht, Interventionen müssen eben nicht unbedingt mit einem besonders schlimm erlebten Geburtserlebnis verbunden sein.

Fehlt aber diese Grundlage, ist es für das Geburtserlebnis oft fatal und wird als massiver und sehr körperlicher Übergriff erlebt.

Zudem hatte ich keinerlei „Nebenwirkungen“. Wenn ich so höre, was andere hatten: die Haut ist zerrissen, blaue Brüste, noch lange starke Schmerzen… Ist es so, dass man den Kristeller-Handgriff „richtig“ und „falsch“ machen kann?

Man kann mit Anwendung von Kraft unter der Geburt sehr sehr viel falsch machen, natürlich. Ich habe eine Frau mit einnem Milzriss nach Kristellerhandgriff erlebt und ungefähr drei oder vier mit Rippenfrakturen. Hämatome, also blaue Flecken, habe ich noch nicht mal mitgezählt. Wenn man in der Literatur nachliest, findet man da Dinge, die man hier gar nicht wissen will. Also: Ja, man kann das falsch machen und manchmal – selten – geschieht das auch.

Ich könnte jetzt hier schildern, wie man den Kristeller-Handgriff laut Lehrbuch korrekt und schonend macht, und dass die meisten Autoren vor der ziemlich weit verbreiteten Praxis warnen, ihn mit dem gesamten Unterarm statt mitt flachen Händen auszuführen.

Aber was nützt dieses Wissen? Wenn der Assistenzarzt auf diesem ihm vertrauten Weg loslegt, wird er kaum der fachkundige Anleitung des Ehemannes folgen, weil dieser das so im Geburtsvorbereitungskurs gehört hat. Intervenieren gelingt ja noch nicht mal der diensthabenden Hebamme, die im geburtshilflichen Team seit Jahren so ihre Pappenheimer kennt. Ich habe in meiner Hebammenausbildungen Anfang der 90er an einer Klinik gelernt, wo es Assistenzärzte gab, die bei JEDER Geburt kristellert haben. “Schneller mit Kristeller” war da einfach das Motto. Und ich habe nur sehr sehr wenige Ärzte erlebt, die das wirklich sanft und gleichzeitig effektiv können.

Ich würde mal behaupten, dass es immernoch große regionale Unterschiede gibt, oder was in dieser Hinsicht eben so der “Stil des Hauses” ist. Es gibt sicher Kliniken, da ist das immer noch so, wie ich es vor über zwei Jahrzehnten erlebt habe. Und andere, fortschrittliche Häuser, da ist jegliches überflüssiges oder gar übergriffiges Hands-On – sei es Kristellern, Dammschnitt oder routinemäßige vaginale Untersuchungen – absolut verboten, verpönt und wird vom Chefarzt mit nicht unter Drei-Jahre-Briefe-Diktieren bestraft. Solche Kliniken sollte man sich zum Gebären aussuchen, das muss man vorher intensiv abklopfen.

Gibt es Momente, wo auch du ihn anwenden würdest und wo du ihn für notwendig hältst?

Ein Kristellermanöver braucht immer eine Indikation, so wie jede Intervention unter der Geburt. Und sie braucht auch Aufklärung und Einwilligung der Frau, nicht wegen der guten Sitten, sondern aus streng juristischen Gründen. Kristellern ohne erfüllt ansonsten den Tatbestand der Körperverletzung.

Manchmal gibt es unter der Geburt Indikationen auch für unpopuläre Maßnahmen. Manchmal muss es auch schnell gehen, und manchmal sind zügige medizinische Handlungen notwendig, Situationen, in denen wenig Zeit und auch wenige Alternativen bleiben. Manchmal will ein Baby einfach raus, und zwar schneller, als der natürliche Weg nun noch dauern würde.

Im Einzelfall kann man dann darüber streiten, was die bessere Intervention sei: Dem Baby per Saugglocke oder per Kristellern gut und – in dem möglichen Rahmen – sanft auf die Welt zu helfen. Kristeller – das war übrigens ein Frauenarzt, der vor 150 Jahren diese Manöver zum ersten Mal beschrieb – sagte selbst nicht ganz zu Unrecht, dass ein Schub, ein Druck von außen, dem natürlichen Geburtsvorgang näher sei, als am Kind zu ziehen, damals ging das allerdings auch nur eher unsanft per Geburtszange.

Aber das sollte letztlich immer die gleiche Fragestellung sein: Braucht es eine schnelle Geburtsbeendigung, die diese Maßnahme rechtfertigt? Und nur dann, wenn die Antwort “ja” lautet, darf man irgendetwas tun. Diese Situation ist natürlich außerordentlich selten, glücklicherweise. Es rechtfertigt jedenfalls schon zahlenmäßig in keiner Weise den achtlosen Umgang mit diesem Manöver.

Und immer, immer muss man in der Situation angemessen ruhig und klar, aber feinfühlig, respektvoll und achtsam mit der Frau sprechen. So etwas wie: “Ok, wir haben jetzt Folgendes vor, das ist jetzt notwendig, viellleicht auch etwas doof, aber don´t worry, gleich ist Dein Baby da. Wir passen gut auf Euch auf.”

Und dann geht es ja auch meistens so aus, wie Du es erlebt hast. Warum das nicht immer so geschieht, ist mir ein absolutes Rätsel. Aber es geschieht eben, und den Schuh müssen wir uns als geburtshilfliches Personal anziehen. Trauma ist nicht Trauma, wenn wir es dafür halten.

Was ist das Hauptproblem, warum kommt es zu „Gewalt unter der Geburt“, was können wir tun, damit die Frauen sich wohl fühlen und keine Angst haben müssen? Was kann jede Frau selbst präventiv tun?

Ich glaube, dass sich in den letzten Jahren Vieles tut, um uns Geburtshelfer zu sensibilisieren, dass das überhaupt ein Thema ist, so bitter wie das vielleicht erstmal klingt. Jahrzehntelang wurde einfach Geburtshilfe “über die Köpfe der Frauen hinweg” gemacht. Damit Frauen sich nicht mehr alles gefallen lassen, “weil man das so macht”, ist es wichtig, gut aufgeklärt zu sein und etwa die Wahl des Geburtsortes sorgsam und angemessen kritsch zu treffen, Fragen zu stellen.

Wir haben uns neulich ja in unserem Podcast (den Artikel mit dem Soundcloud-Link findet Ihr hier) schon darüber unterhalten. Wenn das geschehen ist, nehmt die Geburtsklinik mit ins Boot, verfasst einen Geburtsplan, in dem alles das drinsteht, was man im Vorwege besprechen möchte, was man will und was nicht, über welche Maßnahmen man kurzfristig aufgeklärt werden möchte, welche Wünsche und Visionen man für die Geburt hat. Um dann auch wieder “abgeben”, ich der Geburt hingeben zu können, weil man weiß, dass ein paar grundlegende Dinge geklärt sind. Und dann: gut begleitet sicher gebären!

Magazin . Geburt

Was können Corona-Schnelltests – zum Beispiel in der Geburtshilfe

Seit Monaten erwartet und endlich verfügbar: Die Corona-Schnelltests, die auf Antigene des SARS-CoV-2 testen. Möglichkeiten, Grenzen, Vorurteile – in diesem Blogartikel schreibe ich ein paar wichtige Dinge dazu, was sie für unser Alltagsleben und die geburtshifliche Hebammenarbeit bedeuten – und wo sie demnächst Anwendung finden (in meinen Kursen) und wo sie dringend benötigt werden (im Kreißsaal).

VON Kareen Dannhauer

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Was ist ein Corona-Schnelltest?

Wie der Name schon sagt: Ein Antigen-Test ist schnell, da er direkt vor Ort am “Point of Care” innerhalb von 15-20 Minuten ein aktuelles und verwertbares Ergebnis über das Vorliegen einer akuten Infektion liefert. Der Antigen-Test kommt ohne logistisches Drumherum aus und ohne, dass ein Labor dafür notwendig ist. Anders als die PCR (polimerase chain reaction) detektiert ein Antigen-Test nicht direkte DNA(-Stücke) des Virus, sondern virale Proteine. Ein Test ist dann positiv, wenn das Virus im Abstrichmaterial vorhanden ist, also eine akute Infektion vorliegt, unabhängig davon, ob Symptome vorhanden sind oder nicht.

Wie genau ist ein Schnelltest?

Über diesen Punkt wird in den Weiten des Laien-Internets am meisten herumspekuliert und dabei einige Halbwahrheiten in einen Topf geworfen und falsche Schlüsse daraus abgeleitet. Ein Antigen-Test gilt als weniger genau als eine PCR. Das ist labortheoretisch korrekt, es macht ihn aber nicht weniger wertvoll, da er für völlig andere Zwecke eingesetzt wird (und dafür eine Reihe ganz anderer Vorteile hat) und es um mathematische Größen geht, die ich weiter unten noch genauer am konkreten Beispiel aufdröseln werde.

Ein Antigen-Schnelltest dient grundsätzlich gewissermaßen der Vortestung primär erst mal nicht infektionsverdächtiger Personen. Er eignet sich daher für schnelle Massentestungen. Für dieses erste “Sieb” ohne primären Infektionsverdacht sind “etwas gröbere Maschen” absolut hinnehmbar. Ähnlich wie bei anderen Phänomenen der “großen Zahlen”, denen wir auch an anderen Stellen in der Pandemie begegnen, dürfen wir uns Unschärfen leisten: Weder ist es notwendig, dass sich ALLE Menschen an ALLE vernünftigen infektionsvermeidenden Regeln halten, noch braucht es für die viel herbeibeschworene Herdenimmunität eine 100 (oder nicht mal 80) -prozentige Durchseuchung. Konkret: Wenn die Wahrscheinlichkeit sowieso gering ist, dass die getestete Person positiv ist (da keine Symptome vorhanden und auch kein infektionsverdächtiger Kontakt stattgefunden hat), ist das Restrisiko, dass sehr selten ein positiver Mensch “übersehen” wird, sehr sehr gering! Wie gering am Rechenbeispiel gleich unten.

Wie genau ist ein Schnelltest?

Über diesen Punkt wird in den Weiten des Laien-Internets am meisten herumspekuliert und dabei einige Halbwahrheiten in einen Topf geworfen und falsche Schlüsse daraus abgeleitet. Ein Antigen-Test gilt als weniger genau als eine PCR. Das ist labortheoretisch korrekt, es macht ihn aber nicht weniger wertvoll, da er für völlig andere Zwecke eingesetzt wird (und dafür eine Reihe ganz anderer Vorteile hat) und es um mathematische Größen geht, die ich weiter unten noch genauer am konkreten Beispiel aufdröseln werde.

Ein Antigen-Schnelltest dient grundsätzlich gewissermaßen der Vortestung primär erst mal nicht infektionsverdächtiger Personen. Er eignet sich daher für schnelle Massentestungen. Für dieses erste “Sieb” ohne primären Infektionsverdacht sind “etwas gröbere Maschen” absolut hinnehmbar. Ähnlich wie bei anderen Phänomenen der “großen Zahlen”, denen wir auch an anderen Stellen in der Pandemie begegnen, dürfen wir uns Unschärfen leisten: Weder ist es notwendig, dass sich ALLE Menschen an ALLE vernünftigen infektionsvermeidenden Regeln halten, noch braucht es für die viel herbeibeschworene Herdenimmunität eine 100 (oder nicht mal 80) -prozentige Durchseuchung. Konkret: Wenn die Wahrscheinlichkeit sowieso gering ist, dass die getestete Person positiv ist (da keine Symptome vorhanden und auch kein infektionsverdächtiger Kontakt stattgefunden hat), ist das Restrisiko, dass sehr selten ein positiver Mensch “übersehen” wird, sehr sehr gering! Wie gering am Rechenbeispiel gleich unten.

Spezifität und Sensitivität

Auch diese Begriffe sind mittlerweile schon ins Allgemeinverständnis durchgesickert, aber nochmal der Vollständigkeit halber: Die Spezifität eines Tests sagt etwas darüber, wieviele Nicht-Infizierte auch korrekt als negativ angezeigt werden. Die Sensitivität eines Tests sagt aus, wieviele Positivproben korrekt detektiert werden, wieviele tatsächlich Positive also als solche erkannt werden. Der von mir verwandte zertifizierte Test ist der Abbott Panbio Covid-19 Ag Rapid Test. Ermittelt mit einer FDA-EUA Rt-PCR Referenzmethode liegt die Spezifität bei diesem Test bei 99,4%, die Sensitivät bei 93,9-98,2% (abhängig von der Viruslast, s. Schwellenwert und CT-Wert gleich unten), die Kreuzreaktivität für 20 humane Viren wurde ausgeschlossen. Der Test reagiert also nicht “versehentlich positiv”, wenn eines der anderen (harmlosen Erkältungs-) Coronaviren, Adeno- oder Influenzaviren im Abstrich vorhanden wären.

[edit 11. Februar 2021: Anwendungszahlen zeigen mittlerweile, dass die Sensitivität bei asymptomatischen Personen (die meistens präsymptomatisch sind) deutlich niedriger ist, als in der Rechnung angenommen. Sie liegt – je nach Literatur – eher um die 70-80%, sehr abhängig vom exakten Zeitfenster des Tests (sehr steiler Anstieg der Viruslast in den Stunden vor Symptombeginn). Das verändert natürlich die Berechnung unten im Rechenbeispiel, ändert aber überhaupt nichts an der Grundsätzlichkeit, vor allem, weil “kein Test” fast immer die Alternative ist zum Test.]

Schwellenwerte …

Ein wichtiges Detail in der Frage der Nachweisbarkeitsgrenzen ist der so genannte CT-Wert (threshold cycle) in einer Probe. In der PCR wird damit eine Quantifizierung der DNA-Moleküle vorgenommen, man misst also gleichzeitig auch die Virusmenge. Eine PCR ist also entgegen missverständlicher Behauptungen nicht einfach “positiv oder negativ, egal wie viel Virus drin ist”. In der SARS-CoV-2-Diagnostik wird häufig ein cut-off-CT-Wert von 30 bis etwa 33 genannt. Oberhalb dieser Grenze ist die Viruslast immerhin so gering, dass sie nach heutigem Wissen mit einem Verlust der Anzüchtbarkeit einhergeht und sehr wahrscheinlich auch in etwa die Grenze der Infektiosität darstellt. Das macht bei einer PCR der Laborarzt, es ist seine Aufgabe, den Test auszuwerten, zu interpretieren und zu befunden.

100% sicher?

Nein, 100% sicher ist so ungefähr gar nichts. Ich beantworte diese Fragen anhand der konkreten Situation eines Geburtsvorbereitungskurses an einem Wochenende in Berlin-Mitte. Es geht mir darum, unter den derzeit herrschenden Bedingungen ein Kurs-Setting für Euch herzustellen, in dem Ihr Euch so sicher fühlen könnt, dass der Kurs zu einem guten Gefühl beiträgt und dass das Risko, dass mein Kurs zu einem Superspreader-Event wird (wie zuletzt hauptsächlich private Feiern) so gering ist wie möglich.

Rechenbeispiel.

Um eine Zahl vor Augen zu haben, wie unwahrscheinlich es ist, dass in einem Kurs mit 12 Teilnehmer*innen ein viruspositiver Mensch sitzt – mit und ohne Test – rechnen wir doch einfach mal. Ich bin keine Epidemiologin, daher könnte sich der eine oder andere statistische Fehler einschleichen, wer es besser weiß, schreibt mir gern eine Mail.

In Berlin gibt es (Stand 5.10.2020) 2.146 aktive – bekannte – Coronafälle. Die nehmen aber vermutlich ihre Isolation Ernst und laufen gerade nicht draußen herum. Gehen wir bei einer derzeitigen Testpositivenquote von ungefähr 1% von einer relativ geringen Dunkelziffer unerkannter Coronafälle aus, nehmen wir einmal – großzügig gerechnet bei einem derzeitigen R-Wert von 1,1 und 40 Neuansteckungen pro 100.000/ 7 Tage – 3mal so viele Coronapositive, die unerkannt in der Stadt unterwegs sind. Also rund 6.500 potentielle Coronaüberträger (Achtung, spekulative Zahl). Wie hoch die Zahl derer ist, die davon asymptomatisch (Bedingung für die Kursteilnahme), aber ansteckend sind, ist ebenfalls eine Unbekannte. Rechnen wir einmal mit 30 % (ebenfalls großzügig) komplett asymptomatischer Verläufe. Diese Zahl ist vermutlich deutlich geringer, wir müssen ja aber noch die präsymptomatischen hinzuzählen, also vielleicht morgen oder übermorgen Erkrankte (aber jetzt schon Ansteckende). Mit all diesen Variablen rechnen wir mal mit etwa 2.000 asymptomatischen Menschen in freier Wildbahn in Berlin, potentiellen Kursteilnehmer*innen. Alle diese Variablen sind unklar, sie können auch genau so gut doppelt- oder halb so groß sein. Aber nach Stand der Dinge: Nehmen wir die mal an.

Diese Annahmen ergeben bei 3,8 Millionen Einwohnern: 3,8 Mio : 2.000 Infizierte mal 12 (Teilnehmer*innenzahl) ein Hintergrundrisiko, dass ein Mensch im Kurs dabei ist, der positiv ist, von 1:900/ 12, also 1:75. Wie ansteckend dieser Mensch ist, ist wiederum fraglich, aber das ist jetzt mal unsere Ausgangszahl: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein coronapositiver Mensch im Kurs sitzt, liegt mit diesen Grundannahmen bei 1,3 %.

Könnt Ihr noch folgen?

Wenn wir 1000 (positive!) Menschen mit einem CT-Wert von >33 testen, verpasst der Test bei einer Sensitivität von 98,2% 18 Personen, die nicht als positiv angezeigt werden. 1,8% der oben angenommenen 1,3% Coronapositiver werden nicht herausgefischt. Alle anderen schon. Das bedeutet:

Das Risiko, dass eine coronapositve Person im Raum ist – OHNE TEST – liegt bei 1,3%. Wenn alle Teilnehmer*innen getestet sind, sinkt dieses Risko auf 0,0234% – MIT TEST.

Wir wissen alle, dass wir in einem dynamischen Geschehen unterwegs sind und dass sich diese Zahlen bereits bis zum Ende des Monats – meine persönliche Schätzung – verdoppeln werden. Wir nähern uns also mit größer werdenden Schritten einer Situation, in der Geburtsvorbereitungskurse ohne Test aus meiner Sicht mindestens schwierig werden.

Wahrscheinlichkeiten …

Es geht also um Wahrscheinlichkeiten. Und in dem Rahmen um praktikable Lösungen. Wenn also das Tragen eines Mund-Nasenschutzes in einem langen Kurs über einige Stunden lang faktisch nicht praktikabel ist und ein stetiger Luftzug wegen der Jahreszeit mit ungemütlichen Außentemperaturen auch nicht, steigt – wie überall – die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung in einem Kurs. Berlin etabliert sich gerade als Hotspot und wird sicher auch als “gesamte Stadt” Mitte des Monats Oktober die derzeitig gültigen Kriterien eines “Risikogebietes” mit wöchentlichen >50 Neuinfektionen/ 100.000 Einwohner erfüllen. “Meine” schwangeren Frauen und ihre Partner gehen in meiner Wahrnehmung sehr achtsam und nach allen geltenden Kriterien sehr vernünftig und kooperativ mit den Entscheidungen in ihrem Alltagsleben um. Gleichzeitig gehören sie zur Altersgruppe mit den höchsten Fallzahlen. Sie meiden eher größere Familienfeiern und Restaurantbesuche – und im Geburtsvorbereitungskurs?

Der Schnelltest in der Geburtsvorbereitung – mein Procedere

Ein Geburtsvorbereitungskurs ist kein Event, keine Party und auch kein Fußballspiel. Geburtsvorbereitung ist eine medizinische Leistung, die im Rahmen der Gebührenordnung des Krankenkassenkatalogs erbracht wird und die in Deutschland zur medizinischen Grundversorgung gehört, deren Erbringungung grundgesetzlich verankert ist (Recht auf körperliche Unversehrtheit Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG und das Sozialstaatprinzip Art. 20 Abs. 1 GG).

Über die Wochen des Lockdowns haben wir in der Geburtshilfe viele dramatische Folgen der Corona-Pandemie gesehen und miterlebt, auch wir Hebammen waren und sind schwer getroffen von diesem beschissenen Virus. Es ist meine Verantwortung, die Kursteilnehmer*innen weitestmöglich zu schützen. Niemand von Euch wird – bei einem Kurs evtl. nah an der Geburt – unter Quarantäne- oder Isolationsbedingungen gebären wollen. Aber Ihr braucht natürlich gute Geburtsvorbereitung, vielleicht sogar mehr als sonst. Wir Hebammen nehmen derzeit – nachvollziehbar – ein noch höheres Informationsbedürfnis in unwägbaren Zeiten wahr und sind gerne für Euch da!

An dieser Stelle sei vor allem nochmal erwähnt, dass es sich bei meinen Kursen um Wochenendkurse handelt, so dass ein Test ermöglicht, eine relative Sicherheit herzustellen, die – auch klar – bereits am 2. Kurstag schon wieder etwas gesunken ist. Aber auch dieses statistische Risiko ist noch immer hinnehmbar niedrig genug. Für wöchentliche Kurse funktioniert dieses Testkonzept natürlich nicht.

[edit 11. Februar 2021: Wegen des oben aufgeführten Absinken der Testsicherheit/ steilen Anstieg der Viruslast innerhalb von wenigen Stunden vor Symptombeginn gibt es bei mir seit Dezember Kurse nur noch am Tag der Testung. Also kein Kurstermin mehr am Sonntag, wenn der Test am Samstag stattgefunden hat. Wochenendkurse also: Samstag live, Sonntag zoom.]

Wie schützen wir uns – oldschool

Abstand:

hilft in erster Linie gegen die Übertragung im Sinne einer Tröpcheninfektion. Gegen Aerosole hilft er nicht.

Masken:

Alltagsmasken verringern sowohl die Abgabe von Tröpfchen, vermutlich auch ein wenig die von Aerosolen. Eine Maske schützt neben den Umstehenden wahrscheinlich gleichfalls auch zu einem kleineren Teil den Träger selbst vor einer höheren Viruslast. In welchen Grenzen dies genau geschieht, ist derzeit Gegenstand der erhitzten wissenschaftlichen Debatte. Meine Erfahrungen mit “meinen” Schwangeren in den letzten Monaten haben gezeigt, dass das Tragen von Masken über eine absehbare Zeit (Supermarkt, öffentlicher Nahverkehr, Praxisbesuch) natürlich problemlos möglich und absolut zumutbar ist, ein Kurs über mehrere Stunden hinweg jedoch nicht.

Lüften:

Derzeit wird ein Stoßlüften alle 50 Minuten, 10 Minuten lang, empfohlen. Bis jetzt gar kein Problem: Aber nun wird es kühl, nach 10-minütigem Lüften ist die Luft im Raum genau so kalt wie draußen.

Da wir in einem Geburtsvorbereitungskurs immerhin ca. 14 Stunden an einem Wochenende mit 8 Paaren in einem Raum verbringen, sind mir alle praktikablen und verhältnismäßigen Maßnahmen recht, die das Risiko eines “Superspreader-Events” signifikant verringern.

Ein Test dient dem Schutz jedes Einzelnen. Einen Test zur Bedingung einer Kursteilnahme zu machen, macht den Kurs zu einem sicheren Ort, der sich auch so anfühlt.

Natürlich ist die Altersstruktur der typischen Teilnehmerinnen so, dass ein schwerer Verlauf unwahrscheinlich ist (gleichzeitig ist es auch die sozial aktive Altersgruppe mit der höchsten Inzidenz). Auf der anderen Seite hat eine Infektion mit Corona bezüglich der nah bevorstehenden Geburt Konsequenzen.

Sicherheit – für alle.

Die Gefahr, dass ein coronapositiver Mensch im Kurs sitzt, ist – ohne Test – mit den obigen Zahlen etwa 56-mal höher, als dann, wenn sich alle Kursteilnehmer*innen testen lassen. Aber eben nur dann. Und wir testen uns für die Sicherheit der anderen – jeweils. Deshalb möchte ich gern alle Kursteilnehmer*innen testen. Ich biete den Test zum Selbstkostenpreis von 25,-/ Paar an. Ihr erhaltet eine Quittung und eine Bescheinigung über das Testergebnis, die Ihr bei der Krankenkasse einreichen könnt. Ich rechne damit, dass diese die Kosten auch erstattet werden, das wird die nahe Zukunft zeigen, dann aktualisiere ich die Infos hier.

Noch sicherer: Ein Online-Geburtsvorbereitungskurs

Für diejenigen unter Euch, denen das immernoch alles unheimlich ist, bleibt natürlich ein Onlinekurs, den man auf dem heimischen Sofa, zu beliebig wählbaren Zeiten gemütlich wegbingen kann. Das geht überall und zu beliebigen Zeiten, am Stück oder in Häppchen und mit der Option, nochmal zurückzuspulen, wenn man drei Wochen später nochmal gucken will, wie Damm-Massage geht. Zu meinem Online Geburtsvorbereitungskurs geht es hier.

Der Test ist positiv – und nun?

Die derzeitige Situation (incl. der Rechtslage innerhalb des Infektionsschutzgesetzes) definiert einen positiven Schnelltest noch nicht als “Corona-Fall”, der in die Statistik eingeht. Der laborbasierte PCR-Test (mit einem Laborarzt im Hintergrund, der die Diagnostik interpretiert und befundet) ist weiterhin der Goldstandard der Diagnostik. Wenn ein Schnelltest also positiv ausfällt, wird ein PCR-Test unmittelbar in die Wege geleitet. Bis zum Befund gilt die getestete Person als “positiv” und muss sich in häusliche Isolation begeben.

Schnelltests im Kreisaal

Ich hoffe sehr, dass sich die Schnelltests sehr bald auch in der Geburtshilfe direkt im Kreißsaal etablieren und dort flächendeckend zu Verfügung stehen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind sehr unterschiedlich geregelt und variieren unter anderem natürlich entlang des regional unterschiedlichen Infektions- oder gar Ausbruchsgeschehens in Kliniken. In fast allen Krankenhäusern dürfen die werdenden Väter (oder eine vorher angegebene Begleitperson) ihre Frauen zur Geburt begleiten. Dennoch ist es in einigen Kliniken so, dass die Männer erst ab einem bestimmten, unterschiedlich definierten Zeitpunkt mit dazu kommen können. Auch bei ambulanten Untersuchungen und Geburtsbesprechungen sind die Frauen allein (was natürlich auch nicht gut ist). Schlimm ist vor allem die Lösung, dass in einigen Krankenhäusern die Männer tatsächlich erst “ganz zum Schluss” der Geburt dabei sein dürfen, als gelte das “Herausschlüpfen des Babys” alleinig als Geburt. Die vielen Stunden Geburtsarbeit sind begleitungsbedürftig, und wir dürfen das nicht länger zulassen. Auch Besuche auf der Wochenbettstation sind mancherorts gar nicht möglich, überall aber sind sie eingeschränkt, auch Geschwisterkinder dürfen ihre Mütter üblicherweise nicht im Krankenhaus besuchen. Das ist alles schlimm, wir Hebammen setzen uns von Beginn für humane Lösungen ein und wissen gleichzeitig, dass die Vermeidung des Eintrags in vulnerable Strukturen, wie es ein Krankenhaus eben ist, enorm wichtig ist, nicht nur zum Schutz des Personals (das auch weitere Infektionsketten ingang setzt), sondern auch der Patient*innen in der geburtshilflichen Abteilung, der Neugeborenenstation, Intensivstation und OP, die ja alle mit dem Kreißsaal in Verbindung stehen. Es ist ein wirkliches Kack-Dilemma, und Schnelltests könnten Vieles davon lösen. Hier – und an den Toren der Senioren- und Pflegeheime – sind sie wirklich überfällig.

Daten und Quellen

Ich benutze den Abbott Panbio Covid-19 Ag Rapid Test. Dieser Test darf nur von HCP´s (Healthcare Professionals), also Angehörigen humanmedizinischer Heilberufe durchgeführt werden, dies sind Ärzt*innen, Zahnärzt*innen und Hebammen. Der Test ist CE-zertifiziert und ist für die Testung in Deutschland zugelassen.

RKI: Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARSCoV-2
Comparison of seven commercial SARS-CoV-2 rapid Point-of-Care Antigen tests; Victor M. Corman, Christian Drosten et al.; medRxiv doi: https://doi.org/10.1101/2020.11.12.20230292; November 13, 2020.
Pressemeldung der Abbott GmbH (deutsch)
Beipackzettel des Abbott Panbio

Magazin . Geburt | Schwangerschaft

Geburtsvorbereitung in Zeiten von Corona: Ab jetzt alles online …

… und plötzlich war da diese Pandemie und alles war anders. Alles das, was Du Dir für Deine Schwangerschaft und Geburt gewünscht und vorgestellt hast, wurde auf den Kopf oder zumindest teilweise in Frage gestellt. Erst kam der Shutdown, und trotz des allmählichen Auftauens aus der Erstarrung bleiben bis heute viele Einschränkungen in allen Bereichen unseres privaten und beruflichen Alltags, größere oder kleinere Sorgen um unsere Gesundheit, unserer eigenen, und die der Menschen, die uns nah sind. In jedem Fall sind das auch alles existenzielle Themen – und mittendrin bekommt Ihr ein Baby. Und nix mit „Yogamatte unterm Arm zum Yoga“. Oder mit anderen Frauen quatschen im Geburtsvorbereitungskurs.

VON Kareen Dannhauer

into-life-into-life-

Auch für uns Hebammen hat sich vieles verändert. Der Alltag in Hausbesuchen, in den Praxen und natürlich auch im Kreißsaal steht unter neuen Vorzeichen. Unsere wichtige Arbeit in unterschiedlichen Kursen ist auf die zuvor vertraute Weise sicher noch für viele weitere Wochen unmöglich, derzeit finden so gut wie gar keine Präsenzkurse statt, da die behördlichen Auflagen (alle im Sinne der sinnvollen Regeln zur Eindämmung des Infektionsgeschehens) in so gut wie allen Hebammenpraxen nicht umsetzbar sind.
Damit Euch nun nicht diese wichtige Konstante, nämlich ein guter und qualifizierter Geburtsvorbereitungskurs wegbricht, bieten viele Hebammen nun diese Kurse online an.

Online-Kurs? Was genau ist das?

Mitte März, tatsächlich wenige Stunden vor dem Lockdown, haben Nora & Ralph, (howwow.tv), zwei professionelle Filmleute und ich, geistesgegenwärtig, improvisiert und spontan, wie es unsere Art ist, meinen vorerst letzten „real-life“-Geburtsvorbereitungskurs aufgezeichnet. 

Drei Paare waren „in echt“ anwesend, die anderen damals schon per zoom zugeschaltet. So entstand ein echter, lebendiger und natürlich voll umfänglicher Geburtsvorbereitungskurs, so wie ich ihn sonst auch gebe. Das Ganze in top Ton- und Bildqualität, damit nichts rauscht oder knistert – und natürlich auch mit wichtigen Corona-Bezügen.

Ich sitze also nicht vor einer Wand und monologisiere in die Kamera.

Zusätzlich zu diesem Kurs, den Nora in Windeseile aus diesem Material produziert hat, und den Ihr als Stream in Eurem Tempo wahlweise in kleinen Häppchen gucken oder  wegbingen könnt, gibt es (optimalerweise dann, wenn Ihr den Video-Kurs fertig geguckt habt) zusammen mit ein paar anderen Paaren eine gemeinsame 2-stündige „live-Einheit“ als Video-Call.

Darin könnt Ihr mir live und in Farbe alle Eure übrig gebliebenen Fragen stellen und ich werde Euch alle aktuellen Entwicklungen der Corona-Situation und deren Auswirkung auf die Geburt (Updates zu Themen wie: Partner im Kreißsaal, Maskenpflicht im Krankenhaus, ambulante Geburt, Versorgung durch freiberufliche Kolleginnen, Konsequenzen für Euer Baby, etc.) erzählen. Die TeilnehmerInnenzahl für diesen Livecall ist natürlich begrenzt, deshalb sucht Ihr Euch bei der Kursbuchung am besten gleich schon einen Termin aus.

Wenn Du schon jetzt sicher bist, dass Du den Kurs machen möchtest und sofort loslegen magst: Dann ist das hier die Abkürzung.

Für detaillierte Infos: lies einfach weiter.

Warum so und nicht als „zoom-Kurs“ live?

Diese Frage stellt sich in erster Linie deshalb, weil zoom-live-Kurse die einzige Art Kurse sind, die derzeit problemlos und direkt mit den Krankenkassen abzurechnen sind, dazu unten gleich mehr. Nicht, weil es meine Lieblingsvariante wäre, aber natürlich ist das auch eine Option.

Direkt in den ersten Wochen des Lockdown habe ich mit verschiedenen Varianten an Kursen experimentiert und mich natürlich auch mit Kolleginnen lebhaft ausgetauscht. Zu Beginn war alles noch total aufregend und man fand es toll, was denn „nun doch noch alles geht“. Nach kurzer Zeit aber stellte sich (wohl bei uns allen) eine gewisse zoom-Müdigkeit ein, hier und da bekamen wir es mit recht wackeligen Ton- und Bildqualitäten zu tun. Nicht alle KursteilnehmerInnen haben Zugang zu einer ausreichenden, stabilen WLAN-Verbindung oder sie sitzen bereits den ganzen Tag im Homeoffice vor dem Bildschirm. Während eines live-Kurs ist technischer Support („Can you hear me?“) von meiner Seite aus nicht möglich, und wenn Ton oder Bild permanent wegbricht, ist das mindestens nervig.

Ich bin also sehr glücklich mit dieser ganz anderen Variante des Kurses, unter anderem aus folgenden Gründen:

  • Das Anschauen eines Kurses in erstklassiger Ton- und Bildqualität erlaubt Euch, den Kurs in für Euch passenden Einheiten anzugucken, zu den Zeiten, wenn es Euer gerade möglicherweise recht turbulenter Alltag erlaubt. Ihr könnt Euch Notizen machen, noch mal zurückspulen, eine Übung in Eurem Tempo wiederholen, oder auch einfach mal ausschalten, alles das.
  • Es gehen keine wertvollen Kursinhalte aus „technischen Gründen“ verloren, weil das WLAN wegen Überlastung zusammenbricht.
  • Ihr habt ein Jahr lang Zugriff auf den Kurs. Ihr könnt also zu unterschiedlichen Phasen der Schwangerschaft einzelne Kapitel nochmal gucken, wenn ein konkretes Interesse kurz nochmal „hochpoppt“.
  • Last but not least: Das Konzept geht glücklicherweise offenbar auf: Die bislang 80 teilnehmenden Paare sind bisher sehr happy mit dieser Lösung und wir erhalten tatsächlich umwerfendes Feedback J

Die Abrechnung

Viele Hebammenleistungen (nicht alle) sind grundsätzlich in einer Gebührenvereinbarung mit den gesetzlichen Krankenkassen verankert. Diese können von uns Hebammen innerhalb eines Vertrages mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Auch die genaue „Form“ der Leistung ist im Detail in jener Gebührenvereinbarung geregelt. Für Kurse gelten beispielsweise Höchstgrenzen der abzurechnenden Kursstunden, auch die Teilnehmerinnenzahl ist geregelt. Bis zum 30.9. gilt eine „SARS-CoV-2-Sonderfassung“, in der vorgegeben ist, wie mit Leistungen, die derzeit entweder nicht möglich oder nicht geraten sind, so lange ersatzweise umgegangen wird.

Nur dann, wenn die erbrachte Leistung im Gebührenkatalog vorkommt, darf (bindende Vereinbarung) und kann sie (technisch über das Abrechnungssystem) überhaupt abgerechnet werden. Ein Kurs per Stream in Verbindung mit einem Live-Call gehört nicht zu den Sonderfall-Leistungen, deshalb darf und kann ich diesen Kurs in keinem Fall direkt mit Eurer Kasse abrechnen, aber: Viele (nicht alle!) Kassen erstatten Euch nachträglich die Kursgebühr. Wie genau folgt gleich unten.

Anders ist das bei vollständigen live-zoom-Kursen. Diese können (zumindest bis zum 30.9.2020) direkt mit den Kassen abgerechnet werden. Mein Kurs ist aber eben kein live-zoom-Kurs.

Ich möchte den Kurs buchen – wie funktioniert das alles und was kostet der Kurs?

Ihr müsst also den Kurs zunächst selbst bezahlen. Ihr bekommt dann eine Rechnung, in der alles ganz genau aufgeschlüsselt ist und die alle abrechnungsrelevanten Details enthält, die Ihr dann Eurer Kasse zur Erstattung einreichen könnt.

Der Kurs kostet Eure Kassen exakt das Gleiche wie immer, ich berechne quasi die identische Gebühr, die ich sonst den Kassen in Rechnung stelle. 

Aufgefummelt sind das 14 Stunden Geburtsvorbereitung, nach der Gebührenziffer 0700 der Hebammenvergütungs-Vereinbarung mit 7,96 pro Stunde berechnet, insgesamt also 111,44 Euro. Dazu kommt die übliche Partnergebühr in Höhe von 125,- Euro (in meinen „echten“ Kursen in Berlin sind das 150,-), darauf wird dann wiederum Mehrwertsteuer berechnet und das Ganze dann abgerundet.
Alle zusätzlichen Kosten für die Produktion, die technische Bereitstellung, für die Bezahlsysteme sowie für meine Praxismiete, die ich weiterhin bezahlen muss, trage ich selbst und sind selbstverständlich im Kurspreis enthalten (das ist wichtig für Eure Kassen, nichts davon wird berechnet).

Insgesamt macht das eine Kursgebühr in Höhe von 269,- Euro. 

10% des Kurspreises spenden howwow und ich an Ärzte ohne Grenzen, die derzeit überall in der Welt gebraucht werden, um Menschen zu helfen, die in weniger privilegierten Gesundheitssystemen leben oder auf der Flucht sind.

Übernahme durch die Krankenkassen

In den letzten Wochen haben etliche Krankenkassen (allen voran viele der AOK‘s und BKK‘s) die Kurskosten für die Frauen übernommen. Die Partnergebühr wird auch in den üblichen Präsenzkursen unterschiedlich behandelt, von „wird gar nicht bezahlt“ über „teilweise“ bis „komplett“ ist alles dabei. So auch hier bei dieser Sondervariante.

Die Tatsache, dass es bei einigen Kassen nach freundlichen, aber bestimmten Briefen eben doch klappt, zeigt, dass sich argumentieren lohnen kann, wir können und wollen dazu dennoch nichts versprechen. Meine Bemühungen, irgendwelche Informationen zur Weitergabe an Euch zu erhalten, werden natürlich konsequent abgeblockt. Offenbar wollen die Kassen keine Präzedenzfälle schaffen und antworten auf meine Anfragen gar nicht erst.

Sollten Eure Kassen also zunächst ablehnen, geht Ihr in den Widerspruch, und ab hier sind Argumente gefragt.

Hier ein paar Vorschläge, die Ihr in Euren individuellen Text einbauen könnt:

  • Die Versorgung mit medizinischer Grundversorgung ist für alle Kassenversicherte im Sozialgesetzbuch geregelt. Eure Krankenkassen unterliegen gemäß  §72 Abs. 1 SGB V dem so genannten Sicherstellungsauftrag. Das bedeutet, dass die Kassen gemeinsam mit allen Leistungserbringern dafür Sorge tragen müssen, dass Euch alle Leistungen der medizinischen Grundversorgung zugänglich gemacht werden. Dazu gehören auch sämtliche Hebammenleistungen, und eben auch ein Geburtsvorbereitungskurs einer Hebamme (nur Hebammenkurse fallen darunter!). Wenn Ihr also schlicht keinen live-zoom-Kurs findet, sind Eure Kassen verpflichtet, Euch bei Alternativen zu unterstützen. Natürlich können (oder wollen) nicht alle Hebammen mal eben umswitchen auf “Online-Kurs”, das wissen die Kassen natürlich auch ganz genau. Es wird also in der sowieso angespannten Hebammenlage weitere Engpässe und Unterversorgungen geben. Eure Kassen sind da in der Pflicht. Und eine Alternative – wäre zum Beispiel dieser Kurs.
  • Oder man möchte etwa aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht via zoom (dazu gab es in den letzten Wochen nach Hackerangriffen ja reichlich Presse) teilnehmen, ebenfalls im Gesundheitsbereich ein vulnerabler Punkt, auf den ich abzielen würde. Ihr glaubt gar nicht, was wir Hebammen an DSGVO-Auflagen erfüllen müssen für jeden Post-It, auf den wir was draufkritzeln – und jetzt soll plötzlich alles per whatsapp und zoom laufen, was sonst ausdrücklich verboten ist – weils grad in die Argumentation passt?
  • Last but not least: Erwähnt unbedingt, dass Ihr diese Variante anstatt der anderen Varianten wahrnehmt und nicht eine weitere Hebamme noch einen Geburtsvorbereitungskurs abrechnet. Auch die Übernahme im Rahmen eines Präventionskurses wäre eine Idee, auf die Ihr Eure Kasse bringen könnt.

Diese etwas umständlichen, fein ziselierten Argumente sind die einzige Argumentationshilfe und Unterstützung, die wir Euch geben können, aber darin ist alles enthalten, was entscheidungsrelevant ist. Alles Weitere müsst Ihr mit Euren Kassen diskutieren. Bei einigen rennt Ihr sicher offene Türen ein und ihr habt binnen Tagen das Geld auf Eurem Konto, bei anderen beißt Ihr auf Granit und Ihr müsst die Kursgebühr vollständig selbst bezahlen. Wenn Ihr eine Zusage bekommt – lasst Sie Euch in jedem Fall schriftlich geben.

Und nur deshalb, weil wir vereinzelt danach gefragt wurden: Nein, wir können nicht stattdessen „irgendwas anderes“ abrechnen oder „irgendwas anderes“ auf die Rechnung schreiben. Unser System generiert die Rechnungen automatisch, und es steht genau das drauf, was Ihr bekommt.

Ihr möchtet gern den Kurs machen und sofort loslegen mit dem Gucken? Dann klickt hier!

Oder Ihr zögert noch und möchtet erstmal noch überlegen: Hier könnt Ihr Euch in die Mailingliste eintragen.

So oder so: ich würde mich sehr freuen, Euch im Onlinekurs und dann im Live-Call persönlich willkommen zu heißen! Bis ganz bald!

Magazin . Das Leben | Geburt | Mama | Wochenbett

Kate im Wochenbett oder: Wie zerrüttet muss man aussehen nach einer Geburt?

Anlässlich der Geburt von Royal Baby Nummer drei, Prinz Louis Arthur Charles, habe ich in der letzten Woche in der Dienstagssprechstunde auf Instagram über die ambulante Geburt gesprochen. Im Allgemeinen und im Speziellen. Ich mag es natürlich immer sehr, wenn Themen, an denen mein Hebammenherz hängt, durch Menschen, die eine große öffentliche Wahrnehmung haben, transportiert werden, weil sie dann ein Stückchen weiter im allgemeinen Bewusstsein ankommen und nehme das sehr gern als Aufhänger. Und als anglophile Frau habe ich natürlich eine gewisse Beziehung zum englischen Königshaus, aber das ist ein anderes Thema.

VON Kareen Dannhauer

into-life-into-life-

In dem Fall ging es mir im Wesentlichen darum, nochmal einige Worte darüber zu verlieren, dass man nach einer Geburt nicht etwa als alleinig richtigem oder gar sicheren Ort in einem Krankenhaus aufgehoben sein muss, sondern das Wochenbett von Beginn an zu Hause verbringen kann, und was es da so an Punkten zu bedenken und vorzubereiten gibt.

Was bei öffentlichen Personen (die an diesem Punkt mein vollstes Mitleid haben, denn sie gehören nicht zu denen, die ihr Privatestes freiwillig öffentlich machen und via Instagram oder anderen sozialen Medien schon erste Ultraschallbilder, erste Wehen und erste Muttertränen teilen) nun die unausweichliche Begleitmusik ist, sind öffentliche Kommentare. Zu allem, auf Schritt und Tritt. Und bei Frauen geht es dann ziemlich schnell um Äußerlichkeiten. Die dann keine sind, dazu komme ich gleich.

Schon bei der Vorankündigung des Themas der Live-Sprechstunde erreichten mich auf Instagram mehrere Anregungen, ich möge doch auch mal bitte was zu Kate sagen. Also dazu, wie sie aussieht. Welches Körperbild da so transportiert würde. Was das mit uns “normalen Frauen” macht.

Daraufhin sah ich mir die kurzen Bilder, die Kate beim Verlassen der Klinik zeigten, noch einmal ganz genau an. Und sah: Nichts, was ich als “Show”, als “Augen zu und denk an England” oder Ähnliches identifizieren würde.

Ich sah eine strahlende junge Frau, die glücklich und sicher noch etwa wackelig auf den Beinen ihr frisch geborenes Baby zum wartenden Auto trug, eine Strecke von etwa zehn Metern und fünf Treppenstufen.

Strahlend. Glücklich, es geschafft zu haben. Ein bisschen stolz. Sicher auch erschöpft.

Was mich dann irritierte und was sicher auch der Hintergrund einiger der Nachfragen war: Dieses Bild wurde nicht geglaubt. Kann ja gar nicht sein, dass man aussieht wie das blühende Leben, nach so einer Geburt. Das ist doch nicht die Wirklichkeit. Typisch Promi. Typisch Scheinrealität. Wo ist die Erschöpfung, die Zerstörtheit?

Und das ist für mich Problem Nummer eins: Das öffentliche Bild von “Geburt” rangiert irgendwo in den Kategorien “schrecklich” und “hoffentlich schnell vorbei”. Dass sich eine Geburt eben genau durch die Gleichzeitigkeit von eigentlich (oder sonst im Leben) oft unvereinbaren Gegensätzen auszeichnet, ist erstmal merkwürdig und ungewohnt, aber eben auch sehr sehr typisch. Es ist schmerzhaft und gleichzeitig “wow”. Es scheint unschaffbar und ist es gleichzeitig doch. Gebären ist beyond.

Ganz klar ist: Gebären ist eine Grenzerfahrung, möglicherweise auch eine Zumutung. Jeder, der eine Geburt erlebt hat, weiß das. Welche Gestalt dieses zunächst leblose Wort dann hatte und welch existenzielle Formen es anzunehmen vermag, gehört zu den Dingen, die man sich vor einer Geburt wohl tatsächlich schwerlich vorstellen kann, hier habe ich schon einmal darüber geschrieben. Und zudem ist Gebären eine ausgesprochen unterschiedliche Erfahrung. Weil Geburten unterschiedlich sind. Und die Erschöpfung danach, die liegt in den ersten Lebensstunden häufig unter einem Endorphinhigh verborgen.

“Frauen können gebären” heißt eben auch: Es zerstört sie nicht zwangsläufig.

In dem Fall ging es mir im Wesentlichen darum, nochmal einige Worte darüber zu verlieren, dass man nach einer Geburt nicht etwa als alleinig richtigem oder gar sicheren Ort in einem Krankenhaus aufgehoben sein muss, sondern das Wochenbett von Beginn an zu Hause verbringen kann, und was es da so an Punkten zu bedenken und vorzubereiten gibt.

Was bei öffentlichen Personen (die an diesem Punkt mein vollstes Mitleid haben, denn sie gehören nicht zu denen, die ihr Privatestes freiwillig öffentlich machen und via Instagram oder anderen sozialen Medien schon erste Ultraschallbilder, erste Wehen und erste Muttertränen teilen) nun die unausweichliche Begleitmusik ist, sind öffentliche Kommentare. Zu allem, auf Schritt und Tritt. Und bei Frauen geht es dann ziemlich schnell um Äußerlichkeiten. Die dann keine sind, dazu komme ich gleich.

Schon bei der Vorankündigung des Themas der Live-Sprechstunde erreichten mich auf Instagram mehrere Anregungen, ich möge doch auch mal bitte was zu Kate sagen. Also dazu, wie sie aussieht. Welches Körperbild da so transportiert würde. Was das mit uns “normalen Frauen” macht.

Daraufhin sah ich mir die kurzen Bilder, die Kate beim Verlassen der Klinik zeigten, noch einmal ganz genau an. Und sah: Nichts, was ich als “Show”, als “Augen zu und denk an England” oder Ähnliches identifizieren würde.

Ich sah eine strahlende junge Frau, die glücklich und sicher noch etwa wackelig auf den Beinen ihr frisch geborenes Baby zum wartenden Auto trug, eine Strecke von etwa zehn Metern und fünf Treppenstufen.

Strahlend. Glücklich, es geschafft zu haben. Ein bisschen stolz. Sicher auch erschöpft.

Was mich dann irritierte und was sicher auch der Hintergrund einiger der Nachfragen war: Dieses Bild wurde nicht geglaubt. Kann ja gar nicht sein, dass man aussieht wie das blühende Leben, nach so einer Geburt. Das ist doch nicht die Wirklichkeit. Typisch Promi. Typisch Scheinrealität. Wo ist die Erschöpfung, die Zerstörtheit?

Und das ist für mich Problem Nummer eins: Das öffentliche Bild von “Geburt” rangiert irgendwo in den Kategorien “schrecklich” und “hoffentlich schnell vorbei”. Dass sich eine Geburt eben genau durch die Gleichzeitigkeit von eigentlich (oder sonst im Leben) oft unvereinbaren Gegensätzen auszeichnet, ist erstmal merkwürdig und ungewohnt, aber eben auch sehr sehr typisch. Es ist schmerzhaft und gleichzeitig “wow”. Es scheint unschaffbar und ist es gleichzeitig doch. Gebären ist beyond.

Ganz klar ist: Gebären ist eine Grenzerfahrung, möglicherweise auch eine Zumutung. Jeder, der eine Geburt erlebt hat, weiß das. Welche Gestalt dieses zunächst leblose Wort dann hatte und welch existenzielle Formen es anzunehmen vermag, gehört zu den Dingen, die man sich vor einer Geburt wohl tatsächlich schwerlich vorstellen kann, hier habe ich schon einmal darüber geschrieben. Und zudem ist Gebären eine ausgesprochen unterschiedliche Erfahrung. Weil Geburten unterschiedlich sind. Und die Erschöpfung danach, die liegt in den ersten Lebensstunden häufig unter einem Endorphinhigh verborgen.

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